Seis Que Sabem bringen den Sommer zurück

- Brasilianische Band war zu Gast bei der Jugendmusikschule

VON KATHARINA KORB Gräfelfing - Zwei Welten trafen sich am Montagabend im Gräfelfinger Bürgerhaus: Die Würmtaler Buben und Mädchen der Jugendmusikschule Gräfelfing und die sechs jungen Musiker von "Seis Que Sabem" aus der Musikschule Rocinha in Rio de Janeiro hatten zu einem gemeinsamen Konzert geladen.

Die Rocinha gilt als eines der größten urbanen Elendsviertel Brasiliens, wo auf einem Steilhang-Areal etwa 200 000 Menschen unter unwürdigsten Bedingungen leben. Junge Menschen finden dort in der Musikschule zusammen und erhalten bis zum Alter von etwa 15 Jahren eine Grundausbildung auf der Blockflöte. Dann spezialisieren sie sich auf dem jeweils gewünschten Instrument. Auch die sechs Musiker von "Seis Que Qabem" sind diesen Weg gegangen.

"Wir holen die Kinder von der Straße und geben ihnen sinnvolle Beschäftigung, so dass sie Perspektiven sehen", erklärte Ulrich Koch, Leiter und Gründer der Musikschule. Der ehemalige Lehrer an der Deutschen Schule in Rio gründete 1994 die Musikschule Rocinha und unterrichte in den Anfängen etwa 15 Kinder. Heute sind es schon 230, die von engagierten Lehrern unterrichtet werden.

Dass "Seis Que Sabem" den Weg aus dem Elendsviertel in Rio de Janeiro nach Deutschland und am Montag nach Gräfelfing gefunden haben, geht auf eine Einladung des Goethe-Instituts zurück. Die jungen Musiker treten insgesamt an 24 Orten in Deutschland auf, bevor sie wieder zurück nach Brasilien fliegen.

In der ersten Hälfte des Konzerts in Gräfelfing stellten sich die Buben und Mädchen der Gräfelfinger Jugendmusikschule ihrem Publikum mit klassischen Stücken den etwa 60 Zuhörern vor.

Vom Boarischen bis hin zum Bossa Nova

Als erstes hatte die Volksmusikgruppe unter der Leitung von Hans Stutter ihren Auftritt. Die Mädchen und Buben spielten das "Thernberger Hochzeitsstückl", den "Zither Boarischen" und "Maxklaner Zigeunertanz". Dann übernahm das Akkordeonensemble mit ihrem Leiter Thomas Klemm die Bühne. Bevor die Gäste aus Rio de Janeiro Sommerfeeling verbreiteten, stimmte das Celloensemble unter der Leitung von Thomas Klein das Publikum auf südamerikanische Klänge ein. Das Ensemble spielte von dem brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos "Bachianas Brasileiras Nr. 1".

Den zweiten Teil des Konzerts und damit den Auftritt von "Seis Que Sabem" leitete Thomas Klein, Leiter der Gräfelfinger Jugendmusikschule, mit folgenden Worten ein: "Ich dachte, die heißesten Tage des Sommers wären vorbei, aber wenn sie das hören, wissen Sie, dass das nicht stimmt."

"Seis Que Sabem" standen auf der Bühne, wunderbar ungekünstelt, als wäre es das Natürlichste der Welt, mit eindringlicher Stimme, pointiertem Querflöten-Spiel und gefühlvoller Gitarre. Mit ihrem Bossa Nova beeindruckten und überzeugten sie das Publikum, dass sie ihrem Bandnamen alle Ehre machen. Er bedeutet übersetzt: "Sechs, die es können."

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