Selbstmord unter dem Druck des Nazi-Regimes

- Texte und Musik von Jochen Klepper

VON LILIAN CHUR Gräfelfing - "Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein" - unter diesem Titel lud die evangelische Friedenskirche in Gräfelfing am Mittwochabend zu einem poetisch-musikalisch-theologischen Abend ein. Vikar Thomas Lotz, der derzeit in Olching arbeitet, referierte über Jochen Klepper. Der freie Schriftsteller und bekannte Liederdichter wäre im März 100 Jahre alt geworden. Klepper beging mit seiner jüdischen Frau und einer Stieftochter im Dezember 1942 Selbstmord.

Die Frau des Vikars, die Kirchenmusikerin und Kulturjournalistin Claudia Lotz, spielte einige Stücke Kleppers auf der Orgel, unter anderem "Komm heilige Taube" und "Nun ruht doch alle Welt". Zu einem der Lieder hatte Thomas Lotz die Melodie selbst komponiert.

Jochen Klepper, so der Referent, wurde im März 1903 in einer schlesischen Provinzstadt als Sohn eines evangelischen Stadtpfarrers geboren. 1922 immatrikulierte er sich in der Erlanger Universität für evangelische Theologie, wobei er das Studium noch vor den Examensprüfungen abbrach. 1929 lernte Klepper die jüdische Advokatenwitwe Hanni Stein kennen. 1931 folgten die Heirat mit der 13 Jahre älteren Hanni, die zwei Töchter mit in die Ehe brachte, und der Umzug nach Berlin. "Der Vater" war der erfolgreichste Roman Kleppers und wurde Mitte der 30er Jahre veröffentlicht. Das Buch handelt von Friedrich Wilhelm I. "Mit diesem Werk traf der Schriftsteller den Nerv der Zeit. Das bürgerliche Deutschland sehnte sich nach einer anderen Herrschaftsform", beschrieb Thomas Lotz. Wegen seiner Ehe mit der Jüdin Hanni Stein musste der Verlag 1941 den Druck des Romans nach dem Verkauf von 100 000 Exemplaren einstellen. Ende des Jahres 1942, nach der Ablehnung eines Ausreiseantrags für die Tochter, sah die verzweifelte Familie keinen anderen Ausweg als den gemeinsamen Freitod.

Der Vikar beleuchtete diesen Sachverhalt gesondert, da im Christentum der Leitsatz gelte: Gott kann Sünden vergeben, aber nicht die Selbsttötung. Thomas Lotz erklärte sich das Verhalten Kleppers folgendermaßen: "In einer derartigen Situation hätte der Schriftsteller im Leben oder durch den selbst gewählten Tod Schuld auf sich geladen." Nach dem Tod Kleppers wurde sein Tagebuch mit dem Titel "Unter dem Schatten deiner Flügel" veröffentlicht. Bereits 1954 enthielt das evangelische Gesangbuch fünf geistliche Liedtexte von Klepper.

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