Planegg stellvertretender Bauamtsleiter Andreas Löbe vor Informationstafel
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145 Bürger kamen im Sommer 2019 zu einer Informationsveranstaltung zur Westumfahrung. Rathausmitarbeiter wie der stellvertretende Bauamtsleiter Andreas Löbe beantworteten ihre Fragen.

Ein „Künftig“ durch ein „Möglich“ ersetzt

Sinneswandel in Sachen Westumfahrung

  • Nicole Kalenda
    vonNicole Kalenda
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Paradigmenwechsel in der Planegger Verkehrspolitik: Jahrzehntelang wurde um die Westumfahrung Martinsrieds gerungen, 2013 ihr Bau beschlossen. Nun steht das Projekt infrage.

Planegg – Staatsstraße 2063 neu, Pfeiffertrasse, Gewerbetrasse, Voll-Umfahrung und Sillatvariante mit Durchstich zur Fraunhoferstraße: Ideen, wie die Martinsrieder Bürger vom Verkehr entlastet werden können, gab es im Laufe der Zeit etliche, vor acht Jahren entschied der Gemeinderat schließlich, in einem ersten Bauabschnitt eine Westumfahrung der Röntgenstraße zu verwirklichen und deren Weiterführung bis zur verlängerten Lena-Christ-Straße zu verfolgen.

Vom zweiten Teil kam man wieder ab, vor der Kommunalwahl 2020 sprachen sich die acht Bürgermeisterkandidaten für die kleine Lösung aus – den Bau der Straße westlich der Garagen entlang der Röntgenstraße mit Einmündung in die Fraunhoferstraße. Mit Bürgermeister Hermann Nafziger sind sieben von ihnen heute Mitglieder des Gemeinderates. Und der scheint die Umfahrung nicht mehr verwirklichen zu wollen. „Die Beschlusslage von 2013 ist da. Wir müssen uns überlegen, ob wir sie umsetzen“, sagte Nafziger am Donnerstag im Ausschuss für Umwelt, Bauleitplanung und Verkehr.

Satzungsbeschluss für Bebauungsplan

Anlass war der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 84, der sich mit der Fraunhofstraße 1 befasst. Ein Flächentausch zwischen deren Eigentümer und der Gemeinde ermöglicht, dass der begrünte Wall, der die Wohnbebauung in der Röntgenstraße vom Gewerbegebiet an der Fraunhoferstraße abgrenzt, nicht für die Westumfahrung geopfert werden muss. Dafür nimmt das Baurecht zu. Als 2019 im Gespräch gewesen war, den westlichen Teil des Walls für Gewerbe herzugeben, um im Tausch an das Grundstück Fraunhoferstraße 1 zu kommen, sprachen sich die Anwohner der Röntgenstraße vehement dagegen aus. Gleichzeitig wurde auf einer Informationsveranstaltung von etlichen Bürgern der Wunsch nach einer Umfahrung geäußert.

Der Ausschuss fasste am Donnerstag einstimmig den Satzungsbeschluss. Zuvor hatte sich Peter von Schall-Riaucour (Liste FDP) vergewissert, dass er mit seiner Zustimmung nicht Gefahr laufe, „heute durch die Hintertür auch der Westumfahrung zuzustimmen“. Er habe 2013 seine Hand für die Umfahrung gehoben, „aber in acht Jahren kann man seine Meinung ändern. Die Westumfahrung ist überholt, nicht mehr zeitgemäß. Wir haben die finanziellen Mittel nicht.“

„Da ist jahrelang nichts passiert“

Judith Grimme (Grüne), erst seit 2020 im Gemeinderat, wollte ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen dem Satzungsbeschluss und dem tatsächlichen Bau der Westumfahrung sehen. Auf ihre Anregung hin wurde der Name des Bebauungsplans geändert, ein „Künftig“ durch ein „Möglich“ ersetzt: Statt „Änderung des Baurechts Fraunhofer Straße 1 und Anbindung an die künftige Westumfahrung Martinsried“ heißt es nun im zweiten Teil „Anbindung an die mögliche Westumfahrung Martinsried von der Münchner Straße zur Fraunhoferstraße 1“. Bürgermeister Nafziger sagte: „Für keinen Meter irgendeiner Umfahrung gibt es eine Planung. In den ganzen Jahren ist auch kein Grundstück erworben worden. Da ist jahrelang nichts passiert.“ Im Merkur-Gespräch ergänzte er: „Wenn ich mir die heutige Konstellation im Gemeinderat anschaue, bin ich mir nicht sicher, ob eine Akzeptanz für eine Umgehung vorhanden ist.“

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