Dank Corona-Impfung sind endlich wieder Veranstaltungen in Gruppen möglich: Fabian Müller führt die Senioren im Andachtsraum des Evangelischen Altenheims Planegg durch seinen Kurs „Heiteres Wissen“ – heute mit dem Thema „Sammeln“.
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Dank Corona-Impfung sind endlich wieder Veranstaltungen in Gruppen möglich: Fabian Müller führt die Senioren im Andachtsraum des Evangelischen Altenheims Planegg durch seinen Kurs „Heiteres Wissen“ – heute mit dem Thema „Sammeln“.

Altenheime im Würmtal

Soziales Leben kehrt zurück – dank Impfung

  • Nicole Kalenda
    vonNicole Kalenda
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Der fortschreitende Impfprozess macht’s möglich: Das soziale Leben ist in die Würmtaler Altenheime zurückgekehrt, mit Kinonachmittag, Pflanzaktion, Gedächtnistraining – und Einschränkungen.

Würmtal – Erster Corona-Impftermin im Evangelischen Altenheim Planegg war Silvester, inzwischen verfügen 90 Prozent der Bewohner über den vollen Schutz, haben also auch die zweite Injektion schon einige Tage hinter sich. Das wirkt sich auf das Miteinander aus. Gottesdienste und Gymnastik finden wieder statt, wenn auch mit Abstand und geringer Teilnehmerzahl. Der Speisesaal ist geöffnet, statt wie sonst in Grüppchen sitzt man beim gemeinsamen Mittagessen an Zweiertischen, die 1,5 Meter voneinander entfernt aufgestellt sind.

„Wir beobachten sehr genau die epidemiologische Lage, stehen in engem Kontakt mit Heimaufsicht und Gesundheitsamt. In diesem Rahmen bewegen wir uns und überlegen, was wir öffnen können“, sagt Astrid Ühlein, Leiterin des Evangelischen Altenheims. „Das ist ein sehr bewusster und sehr überlegter Prozess, der weitergeht.“ Was zum Beispiel nicht gehe, sei das gemeinsame Singen. „Das fehlt schon.“ Und die eigentlich als offenes Haus geführte Einrichtung ist nur zu bestimmten Empfangszeiten geöffnet, Besuche sind geregelt. Nach über einem Jahr Corona-Pandemie sagt Ühlein über FFP2-Maske und Abstand: „Es gibt einen Gewöhnungsprozess, und trotzdem bleibt es lästig.“ Bewohner wie Angehörige brächten eine hohe Toleranz für die Maßnahmen mit.

Im Gräfelfinger Rudolf- und Maria-Gunst-Haus schaute das mobile Impfteam zuletzt am 5. April vorbei, um Erst- und Zweitimpfungen vorzunehmen. „Wir impfen laufend, und es kommt noch ein Batzen dazu“, sagt Leiter Jürgen Troll. Im November habe es einen Corona-Ausbruch im Haus gegeben. Die damals an Covid-19 Erkrankten können erst nach sechs Monaten, Ende April, Anfang Mai, immunisiert werden.

Pflanzaktion im Garten und mehr Besuche

„Mit der Zunahme der Impfungen und der Gewöhnlichwerdung allgemeiner Hygieneregeln kann mehr Aktivität passieren“, so Troll, der von „großen Erleichterungen“ spricht. So habe man kürzlich gemeinsam den Garten bepflanzt. Und auch Ostern verlief anders als im ersten Pandemie-Jahr. 2020 herrschte ein Besuchsverbot, heuer nicht. Seit Ende März ist auch die Beschränkung auf einen Besucher pro Bewohner und Tag aufgehoben. „Die Besuchszeiten werden rege genutzt von den Angehörigen“, sagt Troll. Teilweise seien auch diese schon geimpft.

„Wir schöpfen die Möglichkeiten aus, das soziale Leben in Gruppen langsam anlaufen zu lassen“, sagt Doris Schneider, Geschäftsführerin Altenheime des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising. Dieser betreibt insgesamt 27 Häuser, darunter drei im Würmtal: Maria Eich in Krailling, Marienstift in Gauting und St. Gisela in Gräfelfing. 95 Prozent der Bewohner verfügten über einen vollen Impfschutz oder zählten zu den Genesenen, sind also in den vergangenen sechs Monaten an Covid-19 erkrankt und wurden deswegen noch nicht geimpft. Das Gleiche gelte für 60 Prozent der Mitarbeiter.

Anfang März wandten sich der Caritasverband, die Diakonie für München und Oberbayern und die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul gemeinsam an die Bundes- und Landespolitik und forderten Öffnungsperspektiven für Alten- und Pflegeheime. „Die Besuchsbeschränkungen sind weggefallen, ansonsten hat sich nichts Wesentliches getan“, sagt Schneider. Dass seit Ende März Besuch wieder zu zweit oder zu dritt möglich ist, sei „eine wirkliche Verbesserung“.

Quarantäneregel für Geimpfte „absurd“

Wofür ihr das Verständnis fehlt, sind die Quarantäneregeln für geimpfte Bewohner, die sie als „absurd“ bezeichnet. Das Robert-Koch-Institut (RKI) sagt: „Vollständig gegen Covid-19 geimpfte Personen sind nach Exposition zu einem bestätigten SARS-CoV-2-Fall von Quarantäne-Maßnahmen ausgenommen.“ Für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen gilt das aber nicht. Schneider nennt dies ein „höchstes Maß an Vorsicht“, was zur Folge habe, dass sich Kontaktpersonen „die nächsten zwei Wochen nur im Zimmer bewegen dürfen“.

Die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz zu Paul betreiben sechs Alten- und Pflegeheime. Eines davon ist das Kraillinger Waldsanatorium. Die Zweitimpfung fand Mitte Februar statt. Von den 88 Bewohnern haben 83 Prozent vollen Impfschutz, von den 74 Mitarbeitern 38 Prozent. „Gemeinsames Essen und Gruppenangebote sind möglich unter Einhaltung der Hygiene-, Abstands- und Lüftungsregeln. Geimpfte Bewohner können sich untereinander besuchen, sie können Angehörige im Zimmer und im Freien empfangen und können auch von Angehörigen zu Besuchen abgeholt werden“, sagt Wolfgang Dausch, Öffentlichkeitsreferent des Ordens. Und dass weiter regelmäßig getestet wird. Insgesamt fielen rund 1000 Tests pro Monat an: pro Mitarbeiter pro Woche ein PCR- sowie ein PoC-Antigen-Schnelltest. Bei Bewohnern wird ein Schnelltest wöchentlich durchgeführt. Schnelltests gibt es außerdem für alle Besucher und externe Dienstleister. Dausch: „Seit Beginn der Pandemie hat es im Waldsanatorium noch keinen an Corona erkrankten Bewohner gegeben.“

Claus Peter Scheucher, Generalökonom der Barmherzigen Schwestern, spricht von einem „erheblichen Verwaltungsaufwand für die Häuser“, was etwa Testungen und Besuchsregelungen angeht. „Das macht Wirkung auf Bewohner und Mitarbeiter. Von einer normalen Wohnsituation sind wir noch weit entfernt.“

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