Durchhalten heißt es für die HSG Würm-Mitte, bis der Fortbestand gesichert ist.
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Durchhalten heißt es für die HSG Würm-Mitte, bis der Fortbestand gesichert ist.

Zukunft offen

Verein am Scheideweg: Austritt des TV Planegg-Krailling aus der HSG Würm-Mitte sorgt für Unmut und Unsicherheit

  • Michael Grözinger
    VonMichael Grözinger
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Die HSG Würm-Mitte in ihrer bekannten Form ist ab Juli Geschichte. Dann tritt der TV Planegg-Krailling aus dem Bündnis aus. Wie es langfristig weitergeht, ist unklar.

Würmtal – Wenn der Minutenzeiger an diesem Mittwoch, 30. Juni, von 23.59 auf 0.00 Uhr springt, ist die HSG Würm-Mitte in ihrer derzeitigen Form Geschichte. Dann nämlich zieht sich der TV Planegg-Krailling aus der Handball-Spielgemeinschaft mit dem TSV Gräfelfing zurück.

Fast auf den Tag genau vor einem Dreivierteljahr verkündete TV-Präsident Achim Loecher erstmals, dass sein Verein die Kooperation zur neuen Saison aufkündigen werde (wir berichteten). Auf Merkur-Nachfrage bekräftigt er jetzt: „Von der sportlichen Seite bedauern wir es sehr, aber wir melden den TV offiziell vom Handball ab.“ Noch immer ist die Frage nach dem mittelfristigen Fortbestand der HSG Würm-Mitte ungeklärt.

HSG Würm-Mitte: Kurzfristiger Fortbestand dank TSV Gräfelfing gesichert

Zumindest kurzfristig ist der Betrieb eines der größten sportlichen Aushängeschilder des Würmtals noch nicht gefährdet. Denn der TSV Gräfelfing übernimmt die HSG vorerst alleine als Abteilung Handball.

Die HSG ist ein Erfolgsmodell, wir wollen den Handball nicht untergehen lassen.

Christoph Göbel, Präsident des TSV Gräfelfing

„Die HSG Würm-Mitte ist ein Erfolgsmodell, wir wollen den Handball nicht untergehen lassen“, erklärt TSV-Präsident Christoph Göbel. Daher habe sich das Vereinspräsidium darauf geeinigt, zumindest übergangsweise – also für die kommende Saison – als alleiniger Träger einzuspringen.

Finanziell sei derzeit zwar die „schlechteste Phase“, da der TSV mit seiner Generalsanierung am Vereinsgelände ohnehin hohe Ausgaben habe. Trotzdem war der Schritt für Göbel alternativlos. „Es geht um die Zukunft des Handballs – gerade für Kinder und Jugendliche“, sagt er.

TV Planegg-Krailling zieht sich aus finanziellen Gründen aus HSG Würm-Mitte zurück

Die Finanzierung ist laut TV auch der Grund für den Rückzug des Vereins. Da er nicht mehr die Hälfte der Kosten tragen konnte beziehungsweise wollte, unterbreitete er dem Kooperationspartner aus Gräfelfing einen Kompromissvorschlag. Konkret ging es darum, weniger zu bezahlen, um im eigenen Kostenrahmen zu bleiben, und dafür weiter Teil der HSG zu sein, wodurch die Handballer auch auf ihre Vorzüge wie Hallenzeiten in Planegg nicht verzichten müssten.

Wir sind als Verein eine Non-Profit-Organisation.

Achim Loecher, Präsident des TV Planegg-Krailling

Die Finanzproblematik sei im Verein seit Jahren Thema, erklärt Loecher, der die Ausgaben für die Handballer auf einen hohen fünfstelligen Betrag beziffert. „Wir sind als Verein eine Non-Profit-Organisation“, sagt er.

Der HSG habe man daher schon zuvor mitgeteilt, dass sie sich um eine zusätzliche Finanzierung kümmern müsse – beispielsweise durch Sponsoring wie die Zweitliga-Volleyballerinnen. Bei der Gemeinde Planegg habe der Klub nicht nach finanzieller Hilfe gefragt, teilt Präsident Loecher mit: „Wir möchten die anderen Zuschüsse mit einem weiteren Antrag nicht gefährden.“ Die Gemeinde unterstütze den Verein bereits tatkräftig.

HSG Würm-Mitte: Brief des TV an Handball-Mitglieder sorgt für Unmut

„Wir konnten – trotz zahlreicher Vorschläge und Bemühungen von unserer Seite – mit dem TSV Gräfelfing leider keinen Konsens finden, der es uns finanziell ermöglicht, weiterhin Teil der HSG zu bleiben – ohne, dass wir einen wirtschaftlichen Schaden für unseren Gesamtverein verursachen“, schreibt TV-Vereinsmanagerin Madeleine Ullrich „im Auftrag des Präsidiums“ in einem Brief an die Handball-Mitglieder des TV Planegg-Krailling.

Und weiter: „Der TSV Gräfelfing hat die Entscheidung getroffen, dass er auf jegliche finanzielle Unterstützung seitens des TV verzichtet, und einer neuen Vertragsgestaltung nicht zugestimmt.“

Die Aussagen im Brief liegen Gräfelfings Präsident Göbel schwer im Magen. Den Schwarzen Peter will er mit seinem Verein nicht zugeschoben bekommen. „Das Angebot lautete, dass der TV Planegg-Krailling nur noch 20 Prozent der Kosten übernimmt und der TSV Gräfelfing 80. Das konnten wir nicht annehmen“, sagt Göbel. Langfristig sei das für den TSV nicht tragbar. „Eine Kooperation funktioniert nur auf Augenhöhe.“

HSG Würm-Mitte hofft trotz TV-Austritt auf Hallenzeiten in Planegg

Perspektivisch kann der TSV Gräfelfing die Handballer in ihrer jetzigen Form nicht alleine unterhalten – sowohl finanziell als auch organisatorisch, an vorderster Front wegen zu geringer Hallenkapazitäten im Gemeindegebiet. „Noch haben wir leider nur eine Dreifachhalle“, erklärt Göbel.

Man muss dem TSV Gräfelfing dankbar sein, dass er alleine einspringt, sonst wäre der Sport tot.

Peter Köstler, Bürgermeister der Gemeinde Gräfelfing

Die Hoffnung ruht nun darauf, trotz Auflösung der HSG auch weiterhin Hallenzeiten bei Nachbar Planegg zu bekommen. In derartige Verhandlungen will sich auch Gräfelfings Bürgermeister Peter Köstler, einst selbst zwölf Jahre lang Vorsitzender der Spielgemeinschaft, „gerne einbringen“. Zur unsicheren Zukunft der HSG Würm-Mitte bekennt er: „Als Handballer tut mir das Herz weh.“

Gemeinde Gräfelfing und TSV können Handball im Würmtal nicht alleine retten

Als oberster Vertreter der Gemeinde tritt Köstler finanziell trotzdem ein wenig auf die Bremse. „Man muss dem TSV dankbar sein, dass er erst mal alleine einspringt, sonst wäre der Sport tot. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Gemeinde Gräfelfing die Zuschüsse der Gemeinden Planegg und Krailling zu 100 Prozent übernimmt.“ Der Gesamtverein TSV werde ohnehin schon „mit großzügigen Zuschüssen“ unterstützt. Gräfelfings Bürgermeister will sich jedoch grundsätzlich für Anträge und Anfragen offen zeigen.

Ein wenig überrascht sind die Verantwortlichen in Gräfelfing allesamt bezüglich der Gründe für den Austritt des TV. „Das kann ich nicht ganz nachvollziehen, es hat in den letzten Jahren gut funktioniert“, sagt etwa Köstler.

Pressemitteilung TV Planegg-Krailling: Präsidium will persönlicher Haftung zuvorkommen

In einer Pressemitteilung geht das Präsidium des TV konkreter auf die Entscheidung ein: „In den letzten zwei Jahren mussten aus wirtschaftlichen Gründen alle Abteilungen des TV Planegg-Krailling Haushaltskürzungen vornehmen. Keine Abteilung wird bevorzugt oder benachteiligt. Die Kosten müssen jedoch in den Rahmen der Einnahmen passen, und einzelne Abteilungsbudgets dürfen keinen Schaden für den Gesamtverein anrichten.“

Wir sind schon auf der Suche nach neuen Partnern.

Benedikt Waterloo, Vorsitzender der HSG Würm-Mitte

Darüber hinaus heißt es: „Übersteigen die Ausgaben die Einnahmen, kann dies dazu führen, dass das Präsidium nicht entlastet wird und somit zur persönlichen Haftung herangezogen wird.“

Quo vadis, Handball? HSG Würm-Mitte sucht neuen Partner in der Umgebung

Wie geht es nun weiter mit der HSG Würm-Mitte? Eine Kooperation des TSV Gräfelfing mit einem anderen Verein scheint die einzige Möglichkeit, dem Handball im Würmtal – leistungs- wie breitensportlich – eine Basis zu geben. „Wir sind schon auf der Suche nach neuen Partnern“, sagt Benedikt Waterloo, Handballabteilungsleiter des TSV und Vorsitzender der Noch-Spielgemeinschaft.

Bürgermeister Peter Köstler könnte sich die DJK Würmtal vorstellen, die einst ebenfalls Mitglied der HSG gewesen war und aus organisatorischen Gründen austrat: „Vielleicht sind sie wieder bereit.“ Waterloo hingegen möchte noch keine Namen der Gesprächspartner nennen, stellt aber klar: „Es gibt noch nichts Konkretes.“

„Markenname“ HSG Würm-Mitte soll auch in Übergangsphase erhalten bleiben

Ein weiteres Problem für die Übergangszeit ist der Name. Die HSG Würm-Mitte würde ihren gerne behalten. „Er ist deutschlandweit bekannt“, meint Waterloo, und auch Christoph Göbel sagt: „Das ist ein Markenname.“

Im TSV dürfte es dahingehend keine Probleme geben. Unklar ist aber noch, ob die Handballer auch im Spielbetrieb weiterhin unter HSG Würm-Mitte antreten dürfen, obwohl sie mit Stichtag 1. Juli keine Spielgemeinschaft mehr sind. Waterloo: „Das ist gerade mit dem Verband in Klärung.“

mg

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