Stadtwerke München messen mit zweierlei Maß

Würmtal - Schon jetzt zahlen Landkreisbürger beim Erdgas mehr als die Münchner. Bald geht die Preisschere noch weiter auf.

Die Stadtwerke München (SWM) heben am 1. April die Preise für ihre Erdgaskunden an. Aber je nach Wohnort sind die Verbraucher unterschiedlich stark betroffen. Der durchschnittliche Gaskunde in der Stadt muss demnächst rund vier Prozent mehr bezahlen als bisher. Der Regionstarif der SWM für die Landkreise, der bisher schon etwas teurer war, zieht deutlich stärker an.

Den Kunden stößt der wachsende Unterschied zunehmend sauer auf. Auch Uwe Fröhlich aus Krailling findet die Differenz ungerecht und wollte wissen, warum das so ist. „Mir hat man bei den Stadtwerken nur gesagt, das liege an den unterschiedlich hohen Netzentgelten“, sagt er.

Versorger müssen seit der Liberalisierung des Marktes wie auch beim Strom eine Durchleitungsgebühr an den Gasnetzbetreiber entrichten. Der legt die Höhe nach bestimmten Vorschriften entsprechend seiner Kosten und der zu erwartenden Erlöse fest. Netzbetreiber in der Region sind die Stadtwerke selbst. Laut Gesetz darf der Netzbetreiber selbst kein Gas an die Endkunden verkaufen. Deshalb haben die SWM die Bereiche formal voneinander getrennt. Auch andere Anbieter müssen über das Netz Kunden beliefern dürfen. Von denen, auch von der eigenen SWM Versorgungs GmbH, verlangt der jeweilige lokale Netzbetreiber die Durchleitungsgebühren. Diese werden auf den Kunden umgelegt und machen bis zu ein Drittel des Gaspreises aus. Je nach Rentabilität des jeweiligen lokalen Gasnetzes variieren sie. Und weil die Stadtwerke den Netzbetrieb auf zwei Tochterunternehmen aufgeteilt haben, die SWM Infrastruktur GmbH für das Stadtgebiet und die SWM Infrastruktur Region GmbH für den Landkreis, sind die Preise nicht für alle SWM-Kunden gleich.

Auf Anfrage erklärten die Stadtwerke, mit dieser Aufteilung in zwei GmbHs werde man „den unterschiedlichen Gegebenheiten eines Flächenverteilnetzes und eines Großstadtnetzes gerecht“. Im Landkreis kommen nur elfeinhalb Einwohner auf jeden Kilometer Leitungsnetz. Dadurch ist der Netzkostenanteil am Endpreis höher. In der Stadt sind es 360 Einwohner je Kilometer.

Würden die Netzkosten für Stadt und Landkreis gemeinsam berechnet, müssten die Münchner die vergleichsweise höheren Infrastrukturkosten vor den Toren der Stadt mittragen. Für sie ist die Trennung ein Vorteil.

Aus Sicht vieler Umlandkunden ist sie aber fragwürdig. Bei einer Gleichverteilung wäre die Entlastung für den Einzelnen im Landkreis ungleich größer als die zusätzliche Belastung für den Stadtkunden ausfallen würde. So aber machen manchmal wenige Meter einige hundert Euro Unterschied aus.

Für ein durchschnittliches Reihenhaus mit 20 000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, das in Neuried steht, standen bisher 1230 Euro auf der Gasabrechnung. Die anstehende Erhöhung der Entgelte der regionalen Netztochter um über 30 Prozent bedeutet hier jährliche Mehrkosten von 130 Euro. Eine Straße weiter, innerhalb der Stadtgrenzen, ist ein Reihenhausbesitzer mit gleichem Verbrauch, der bisher gut 1150 Euro zahlte, künftig mit 1200 Euro immer noch geringer belastet.

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