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Als die Pfadfinder noch in der Neurieder Zugspitzstraße ihr Zuhause hatten, lernten die jüngeren Mitglieder, die sechs- bis elfjährigen Wölflinge, in ihrer Gruppenstunde auch, wie man ei n Lagerfeuer entfacht. Hier zeigt ihnen Stammesführer Matthias Märkl, wie man das Holz aufschichtet. Unterstützt wird er von Patricia Weidinger.

Neurieder Pfadfinder ohne Heimat

Stamm Bären setzen Hoffnung auf Planegg

  • Nicole Kalenda
    vonNicole Kalenda
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Die Pfadfinder Stamm Bären müssen weiterziehen. Nach 45 Jahren in Neuried ist dort kein Platz mehr für sie. Sie hoffen, in Planegg eine neue Heimat zu finden. Doch auch dort sind Grundstücke rar.

Neuried/Planegg– „Der Gedanke, dass wir unseren Stamm auflösen müssen, ist schmerzhaft“, sagt Nina Smrzka, als Roverbeauftragte zuständig für die älteren, nicht mehr aktiven Pfadfinder. 20 von ihnen zählt der Stamm Bären aktuell, dazu 30 aktive Mitglieder. 1975 wurde die Gruppe gegründet. Nach mehreren Stationen innerhalb Neurieds fand sie 2007 ihre Heimat im ehemaligen Fußball-Vereinsheim des TSV Neuried an der heutigen Zugspitzstraße. Ursprünglich sollte das Provisorium einen Winter lang Bestand haben, doch es wurden zwölf Jahre daraus.

Für die Pfadfinder war das abseits gelegene Grundstück mit Baracke ein Traum. Sie hielten dort ihre Gruppenstunden ab, bastelten und sangen abends am Lagerfeuer, ohne jemanden zu stören. Platz für Zelte, Werkzeuge, Pfeile, Äxte, Gaskocher, Seile und Bastelutensilien gab es auch genug.

Als im Schneechaos Anfang 2019 Feuerwehren in Oberbayern tagelang damit beschäftigt waren, schweren Schnee von Dächern zu schippen, schaute sich das Neurieder Bauamt das Pfadfinderheim an und sprach mit mehreren Monaten Vorlauf eine Nutzungsuntersagung für das Gebäude aus. „Es ist nicht geeignet für den Aufenthalt von betreuten Personengruppen. Das Risiko ist uns zu groß“, sagt Bauamtsleiter Andreas Braun. Und dass die Schneelast nicht das einzige Problem sei. Im vergangenen Winter war es dann so weit, die Pfadfinder durften die Baracke nicht mehr nutzen, allerdings erhielten sie nachträglich die Genehmigung, ihr Material dort zu lagern.

„Im Dezember waren wir hoffnungsfroh, dass wir schnell eine Lösung finden. Jetzt sind wir demotiviert“, sagt Nina Smrzka. Die Pfadfinder führten etliche Gespräche mit Bürgermeister Harald Zipfel und starteten einen Aufruf. Weder fand sich eine gemeindeeigene Fläche, noch stellte ein Bürger ein Grundstück zur Verfügung. Da half auch die Überzeugungsarbeit nicht, die Zipfel zu leisten versuchte.

Seit Jahresanfang, so Smrzka, führe man Gespräche mit dem Planegger Rathaus. Den Kontakt stellte Adeline Spieleder her, die im März für die CSU in den Gemeinderat gewählt wurde. Sie ist überzeugt vom Konzept der Pfadfinder „Jugend führt Jugend“ und sagt: „Das Potenzial ist vorhanden, wir haben sehr viele Kinder und Jugendliche.“ Derzeit prüfe die Gemeinde ihre Liegenschaften, doch auch in Planegg stehen vermutlich keine geeigneten gemeindeeigenen Flächen zur Verfügung. Bleibt die Hoffnung, dass ein Bürger mit Grundeigentum den Pfadfindern hilft. 400 Quadratmeter am Waldrand mit Lagerraum und vielleicht einem Häuschen wären ideal, sagt der stellvertretende Stammesführer Alexander Krams. Es bestehe auch die Möglichkeit, einen ausrangierten Zirkuswagen zum Aufenthaltsraum umzufunktionieren, falls es daran fehle.

Das Grundstück an der Zugspitzstraße hat die Gemeinde Neuried gepachtet, 2021 läuft der Vertrag aus. Spätestens im Juni nächsten Jahres müssen die Pfadfinder ihr Material abholen. Das Areal, das zwölf Jahre ihr Zuhause war, können sie inzwischen nicht mehr betreten. Die Gemeindeverwaltung ließ laut Bauamtsleiter Braun im Juli die Schlösser austauschen. Man habe festgestellt, dass im gesperrten Gebäude nach wie vor jemand aktiv gewesen sei und dass es regelmäßig Spuren der Nutzung auf dem Gelände gegeben habe. Braun: „Wir wollen niemanden schikanieren. Das dient der Risikovermeidung.“

Die Pfadfinder sind per E-Mail an info@ stamm-baeren.de zu erreichen.

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