Da war die Welt noch in Ordnung: Im März 2018 feierte der Club der 99 Narrischen Würmtaler sein 50-jähriges Bestehen im Hubertusstüberl des Heide-Volm.
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Da war die Welt noch in Ordnung: Im März 2018 feierte der Club der 99 Narrischen Würmtaler sein 50-jähriges Bestehen im Hubertusstüberl des Heide-Volm, links der damalige Präsident Alexander Dohn.

Nach dem Aus für Traditionsgaststätte Heide-Volm

Stammtische heimatlos geworden

  • Nicole Kalenda
    vonNicole Kalenda
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Egal ob eine Handvoll Mitglieder oder mehrere Dutzend: Stammtische waren über Jahrzehnte willkommene Gäste im Heide-Volm. Nach dem Aus für die Traditionsgaststätte müssen sie sich eine neue Heimat suchen.

Planegg – Untrennbar mit dem Wirtshaus am Volmberg verbunden ist der „Club der 99 Narrischen Würmtaler“, 1968 von einigen Stammgästen in den Räumen des Heide-Volm gegründet. Einmal monatlich traf man sich dort, um Frohsinn und Brauchtum zu pflegen. Klaus Schwab, der 2018 die Nachfolge des langjährigen Präsidenten Alexander Dohn antrat, hatte schon länger ein ungutes Gefühl, was die Zukunft der Großgaststätte angeht. Anfang Oktober fand der letzte Stammtisch statt. Ende Oktober machte das Heide-Volm komplett zu, kurz bevor dies im zweiten Lockdown staatlich verordnet wurde. Da hatte das Wirtshaus einen Sommer mit Umsatzeinbußen von rund 50 Prozent hinter sich und die drei Nebenräume für Veranstaltungen waren laut Daniela Heide stets leer.

Lange Mail an die Familie Heide

Am Dienstag stieß Schwab dann auf Facebook auf die Nachricht, dass Wirtshaus und Biergarten coronabedingt schließen. Er schickte sofort „eine lange Mail an die Familie Heide“ und am Mittwochmorgen ein Rundschreiben an alle Kameraden. „Ich verspreche, dass es mit den 99ern weitergeht“, sagt Schwab. Das Präsidium muss nun nicht nur eine neue Gaststätte finden, sondern auch Stammtischfahne und -glocke im Heide-Volm abholen „Das wird nicht das letzte Wirtshaus sein, das wegen Corona zumachen muss.“

Ein Besuch im Heide-Volm gehörte dazu

Ebenfalls Stammgast im Heide-Volm war Erwin Holzapfel, Ehrenpräsident der Faschingsgesellschaft Würmesia, deren Hochburg das Wirtshaus über lange Jahre war. „Wir waren privat immer im Biergarten beim Heide oben“, sagt Holzapfel. Und wenn er und seine Frau Traudl, seit Jahrzehnten in Sachen Gemeindepartnerschaft engagiert, Besuch aus Bärenstein oder Klausen hatten, gehörte ein Besuch des Heide-Volm dazu. In den vergangenen Jahren sei viel umgebaut worden. Holzapfel: „Ich verstehe es nicht.“

Treffen bei Live-Musik im Biergarten

Der Verein „machBar im Würmtal“ begann im Sommer 2018, sich im Heide-Volm zu treffen, „am liebsten im Biergarten“, sagt Sprecher Lotar Krahmer. Einmal im Monat kam man zusammen, um sich auszutauschen. Weil donnerstags regelmäßig Livemusik im Biergarten war, verlegte man den Stammtisch auf Mittwoch. Das letzte Treffen fand Anfang vergangenen Jahres statt. Seitdem läuft alles übers Internet.

Bridge-Club seit mehr als 20 Jahren Gast

Ähnlich ergeht es dem Bridge-Club München-Planegg. Über 20 Jahre, so der Vorsitzende Peter Fuchs aus Gauting, kamen immer donnerstags nachmittags die Anfänger und abends die erfahrenen Bridgespieler im Heide-Volm zusammen, zum letzten Mal vor über einem Jahr. Inzwischen wird online gespielt. „Im Heide-Volm war’s unkompliziert“, sagt Fuchs. „Am besten war’s unter Willy Heide, der ein Förderer der Vereine war.“ In Hochzeiten waren bis zu 30 Tische besetzt, verteilt auf zwei Räume. Weil die Mitglieder altern, habe das in den vergangenen Jahren nachgelassen. Von Willy Heides Enkelin Daniela Heide sei ihnen beschieden worden, dass sie nicht in ihr Konzept passten. Also sah man sich nach einer neuen Clubgaststätte um. Dann kam der zweite Lockdown. Nun versucht der Vorstand, einen Termin auszumachen, um die zwei Schränke im Wintergarten und davor auszuräumen, die er als Lager nutzen durfte.

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