Unterricht im Gefängnis: Bernward Jopen vermittelt Inhaftierten Kenntnisse für eine Unternehmensgründung. Foto:fkn

Starthilfe für Sträflinge: Gräfelfinger Firma ausgezeichnet

Gräfelfing - Das Projekt „Leonhard - Unternehmertum für Gefangene“ ist jetzt hochrangig ausgezeichnet worden. Sein Ziel ist es, die Rückfallquote von Strafgefangenen zu minimieren.

Künftig zieren drei Dahlien in den bundesdeutschen Farben Schwarz, Rot und Gold das Briefpapier der Gräfelfinger Firma „Leonhard - Unternehmertum für Gefangene“. Dabei handelt es sich nicht um ein willkürliches Firmen-Logo, sondern um eine weltweit geschützte Wort-Bild-Marke, die jährlich von der bundesweiten Standortinitiative „Deutschland - Land der Ideen“ vergeben wird. Das von Maren Jopen und ihrem Vater Bernward Jopen entwickelte Konzept ist so überzeugend, dass die Würmtal-Gemeinde jetzt zu einem der „365 Orte im Land der Ideen“ gekürt wurde. Beurteilungskriterien waren Innovation, Erfindergeist und Einfallsreichtum.

Die Verleihung der Auszeichnung am 11. Oktober findet jedoch nicht in idyllischem Ambiente, sondern an einem Ort statt, in dem Tristesse und Verzweiflung herrschen: in der Justizvollzugsanstalt München an der Stadelheimer Straße, einem derArbeitsplätze der Jopens. Seit 2010 engagiert sich das Gräfelfinger Duo dafür, Sträflinge nach dem Verbüßen ihrer Haftstrafe wieder in die Berufswelt einzugliedern. In insgesamt 36 bayerischen Gefängnissen geben sie Seminare, die den Häftlingen unternehmerisches Grundwissen vermitteln sollen.

Denn eine feste Anstellung zu bekommen, ist für die meisten Entlassenen so gut wie aussichtslos. „Einmal Lump, immer Lump - mit diesem Vorurteil haben viele Strafgefangene zu kämpfen“, weiß der 67-jähige Fernmeldemonteur, der lange Zeit als Unternehmensberater gearbeitet hat. Es gelte, den Teufelskreis aus sozialer Stigmatisierung, beruflicher Chancenlosigkeit und Rückfall in die Straftat zu durchbrechen, fordert Geschäftsführerin Maren Jopen: „Wer nach der Entlassung allzu lange auf eine bezahlte Beschäftigung warten muss, gerät schnell in Versuchung, wieder den ,leichten’ Weg einzuschlagen und mit Hilfe von Straftaten an das nötige Geld zu kommen.“ Deswegen, so die Idee hinter „Leonhard“, sollen die Gefangenen für die Selbstständigkeit so fit wie möglich gemacht werden.

Zwar gibt es noch keine Statistiken für den Erfolg des Konzepts, da das Unternehmen erst vor knapp zwei Jahren auf die Beine gestellt wurde. Doch die Geschäftsführerin führt das Beispiel Texas an: Dort konnte mit einem ähnlichen Programm die Rückfallquote von Strafgefangenen, die in dem US-amerikanischen Bundesstaat bei über 50 Prozent liegt, auf zehn Prozent gesenkt werden. Juristische Gutachten hätten dem Programm auch in Deutschland „echten Bedarf“ bescheinigt, sagt Maren Jopen.

Die bundesweite Initiative jedenfalls ist überzeugt von dem Gräfelfinger Modell zur Resozialisierung von Strafgefangenen. „Aus über 2000 Bewerbern hat uns eine Expertenjury aus Wissenschaftlern, Managern, Journalisten und Politikern ausgewählt“, berichtet Maren Jopen stolz. Gesiegt hat das Unternehmen in der Kategotrie „Gesellschaft“, womit dem Unternehmen laut Maren Jopen ein „nachhaltiges gesellschaftliches Engagement“ bescheinigt wird.

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