Im hellen Fichtenwald zeigt Pilzexperte Edmund Garnweidner einen braunen Ledertäubling – ein guter Speisepilz. Der Buchautor leitet seit 50 Jahren die Pilzberatung im Pasinger Rathaus.
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Im hellen Fichtenwald zeigt Pilzexperte Edmund Garnweidner einen braunen Ledertäubling – ein guter Speisepilz. Der Buchautor leitet seit 50 Jahren die Pilzberatung im Pasinger Rathaus.

Wälder im Würmtal voller Pilzsammler

Schwammerl-Saison: Viele Steinpilze und noch mehr Menschen - gilt das noch als Eigenbedarf?

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Die Schwammerlsaison ist fast vorbei. Die Bilanz: Der Wald ist voll – von Menschen. Schwammerlprofi Kurt Drews aus Martinsried denkt spaßeshalber schon über eine neue Betätigung im Wald nach.

Würmtal – Er ist so versiert, dass ihm Menschen hinterher schleichen, weil sie meinen, in seinem Windschatten ein paar Schwammerl mehr finden zu können. Doch weder gibt Kurt Drews seine besten Plätze preis, noch lässt er etwas übrig, wenn er auf der Suche nach Schwammerln ist. „Ich sammle die, die ich kenne, die anderen lasse ich stehen“, sagt der Martinsrieder. Er sammelt nur für den Eigenbedarf, das ist für ihn selbstverständlich. Doch: „Momentan geht nichts.“ Er und seine Frau Katharina gehen seit Jahren im Würmtal zum Schwammerlsuchen und sind damit sehr erfolgreich. Aber „jetzt ist es schon wieder ziemlich kalt“. Die Saison nähert sich dem Ende. Die Experten vom Verein für Pilzkunde München bieten ihre montägliche Pilzberatung im Pasinger Rathaus ab dieser Woche nicht mehr an. Wer noch Schwammerl findet, muss sich an die Pilzberatungsstelle an der Münchner Implerstraße wenden.

Der Wald ist voller Menschen - was gilt als Eigenbedarf?

Dass Drews meint, dass im Wald momentan nichts geht, liegt aber nicht nur daran, dass bei der Kälte weniger Schwammerl wachsen. Drews ist es im Wald zu voll geworden. Da seien einfach zu viele Leute. Er habe beobachtet, dass Menschen mit Zehnliter-Farbkübeln Schwammerl suchen. Das decke vermutlich mehr als den zugelassenen eigenen Bedarf von einem Kilogramm pro Woche pro Person. Im übrigen seien ein Plastikeimer oder eine Plastiktüte kein geeignetes Behältnis. Ein Korb müsse es sein, weiß Drews. Er kenne verschiedene gute Stellen in den Wäldern im Würmtal und Umgebung. Wenn dort in der Nähe drei bis vier Autos stünden, bleibe er gar nicht mehr stehen. „Da findst nimmer viel“, meint er. Drews macht schon Späße, wie er die neue Situation für sich nutzen könnte: „Ich kauf mir eine fahrbare Wurstbude und fahre von einem Wald zum nächsten.“

Ein gutes Jahr für Steinpilze

Doch am liebsten geht er selbst in die Schwammerl. „Letztes Jahr war es phantastisch“, schwärmt er. Heuer sei ein gutes Jahr für Steinpilze gewesen. Auch wenn die Saison kurz gewesen sei. Maronen habe es auch viele gegeben. „Pfifferlinge waren nicht viele am Start.“ Mehr als drei Hände voll hätten er und seine Frau nicht gefunden.

Dass heuer ein Steinpilz-Jahr war, bestätigt Edmund Garnweidner, der seit 50 Jahren die Pilzberatungsstelle im Pasinger Rathaus leitet. Sobald sich so etwas herumspreche, kämen viele Leute in den Wald. „Dann stehen schnell die Autos an den Waldrändern.“ Insgesamt hat er aber nicht den Eindruck, dass der Wald zu voll sei. Es gebe immer wieder solche Phasen, meint er.

Sein Vereinsvorsitzender Helmut Grünert ist anderer Ansicht. Er leitet gemeinsam mit seiner Frau Renate die Beratung an der Implerstraße. „Die Leute verreisen nicht und gehen in den Wald.“ Grünert ist für den Giftnotruf in der Region zuständig und stellt fest: „Wir haben eine starke Nachfrage. Heuer glaubten mehr Menschen als sonst, sie hätten sich vergiftet.“ Aus Unkenntnis sammelten die Menschen giftige oder grundsätzlich essbare, aber alte Pilze. Einen angefaulten Salat würden sie komplett wegschmeißen, aber bei einem schimmligen, alten Pilz würden sie alle gammligen Stellen wegschneiden: „Hauptsache ich habe etwas in der Pfanne.“ Hinterher gehe es ihnen dann schlecht.

Pilze nur frisch verzehren

Die Pilzberater begrüßen jeden, der sich Gedanken macht, in ihrer Sprechstunde. Die Menschen sollten vorsortieren und selbst schon einmal versuchen, zu bestimmen. Grünerts und Garnweidner haben es nicht gerne, wenn jemand ihnen eine Tüte hinstellt und sagt: „Pilzberater such mir mal meine Pfanne voll.“ In der Beratung gehe es darum, den Leuten bei der Bestimmung zu helfen – auch für die Zukunft. Da sie immer montags stattfinde, sei der Verzehr der am Wochenende gesammelten Pilze oft nicht mehr möglich. Nur wer die Pilze trocken in einem Korb, abgedeckt mit einem Tuch, im Kühlen lagere, habe eine Chance, sie nach der Beratung noch zu genießen. Die Möglichkeit, etwas über Pilze und ihre Bestimmung zu lernen, bietet die Sprechstunde aber in jedem Fall.

Kurt Drews, der nur sammelt, was er kennt, braucht keine Beratung mehr. Er friert einen Teil seiner Steinpilze ein. „Zum Teil trocknen wir sie auch auf dem Balkon.“ Das dauere zwei Tage, dann könne man sie in eine Papiertüte stecken und aufbewahren. Wenn es nun kälter wird und im Wald weniger los ist, freut sich Drews. „Dann kann man wieder schön durch den Wald schleichen“, sagt er. „Vereinzelt findet man vielleicht noch was.“

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