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Massive häusliche Gewalt

Täter-Opfer-Ausgleich statt Heirat

Ein Strafverfahren wegen massiver häuslicher Gewalt endete mit der gerichtlichen Auflage, dass die Beteiligten das Geschehen miteinander aufarbeiten – bei einem Täter-Opfer-Ausgleich.

Gefährliche und vorsätzliche Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung in mehreren Fällen: Dieser Latte an Vorwürfen sah sich ein Unternehmensberater (47) ausgesetzt. Zwischen August 2010 und April 2015 soll der Mann in Krailling seine gleichaltrige Lebensgefährtin mehrfach misshandelt, mit üblen Ausdrücken überzogen und ihr gedroht haben, sie zu „erschlagen“. Doch im Strafprozess präsentierte sich das mittlerweile getrennt lebende einstige Paar in bemerkenswerter Harmonie: „Er hat mir einen Heiratsantrag gemacht“, berichtete die Frau zur allgemeinen Überraschung. Den habe sie zwar abgelehnt. „Aber wenn ich gewusst hätte, dass ich dann ein Zeugnisverweigerungsrecht gehabt hätte, hätte ich angenommen.“

Ihr angeklagter Ex-Partner zeigte sich in einer schriftlichen Erklärung teilweise geständig. Das heutige Verhältnis zur früheren Lebensabschnittsgefährtin beschrieb er als freundschaftlich. Man habe nach der Trennung zwischenzeitlich sogar Ausflüge gemacht oder sei gemeinsam zum Rockkonzert gegangen. Gleichwohl sei die „Ex“ inzwischen wieder in einer festen Beziehung.

Die als Zeugin geladene Dame bestätigte, dass sie sich wieder gut mit ihm verstehe, aber momentan „keinen Kontakt“ habe. Am liebsten würde sie das von ihr einst zur Anzeige gebrachte Geschehen vergessen, so die Zeugin. „Ich habe kein Interesse mehr an einer Strafverfolgung.“

Richterin Christine Conrad und der Staatsanwalt zeigten ihr daraufhin den Weg des außergerichtlichen Täter-Opfer-Ausgleichs (TOA) auf: „Die Variante, dass Sie gar nichts mehr mit der Sache zu tun haben, die gibt’s aber nicht“, belehrte die Richterin die Zeugin. Diese wollte erst Bedenkzeit, stimmte dem Vorschlag des Gerichts dann aber zu. Binnen sechs Wochen soll der Nachweis einer Befriedung und Verständigung zwischen den Ex-Partnern mit Hilfe der TOA-Stelle nun erbracht werden. Das Strafverfahren wird bis dahin vorläufig, im Erfolgsfall endgültig eingestellt. Der Anklagevertreter hätte ansonsten eine Verurteilung des Mannes für wahrscheinlich gehalten.

ty

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