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Die Gleisanlagen auf dem einstigen IVG-Gelände müssen vor dem Abtransport des Diesel in Stand gesetzt werden.

6,3 Millionen Liter Diesel vermisst

Tschechien stellt Strafanzeige

Krailling - Der von der Tschechischen Republik in Krailling eingelagerte Diesel darf das Tanklager endlich verlassen. Die Tschechen sind jedoch wegen der damit verbundenen Auflagen empört.

Die Tanks sind verplombt und die Gleise auf dem Gelände des Kraillinger Tanklagers sind kaputt. Doch die Verwaltung der staatlichen Materialreserven der Republik Tschechien (VSMR) soll den in Krailling eingelagerten Diesel schon bis 30. April abtransportiert haben. So habe es der Insolvenzverwalter Mirko Möllen angeordnet. „Die Frist des Insolvenzverwalters ist absurd“, schimpft Jakub Linka von der VSMR. Laut Möllen sind in Krailling derzeit rund 75 Millionen Liter Diesel eingelagert. Linka rechnet vor, dass es 60 Züge oder 2500 Tanklastwagen bräuchte, um den Kraftstoff aus dem Kreuzlinger Forst wegzubewegen. Er meint, der Abtransport könnte sechs bis acht Monate dauern.

Wenn einmal alle rechtlichen, technischen und logistischen Hürden genommen sind, und der derzeit in Krailling eingelagerte Diesel das Tanklager in Richtung Nachbarland verlässt, wären die Tschechen aber wohl immer noch nicht besonders glücklich. Zum einen ist die Eigentumsfrage des Kraftstoffs, wie berichtet, ungeklärt. Der Insolvenzverwalter behält sich einen Rückforderungsanspruch an den Dieselvorräten vor. „Die Realisierung des Anspruchs wäre gegen den tschechischen Staat als solventen Schuldner gerichtet“, so Möllen. Zum anderen fehlen den Nachbarn nach ihrer Berechnung weiterhin 6,3 Millionen Liter. Die Republik Tschechien habe deshalb Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, sagt Linka. „Die deutsche Polizei ermittelt und findet hoffentlich etwas heraus.“. Auch wenn dies mit dem Insolvenzverfahren an sich nichts zu tun hat, kommt so ein weiteres Ermittlungsverfahren rund um das Tanklager und die insolvente Betreiberfirma Viktoriagruppe AG hinzu.

In Tschechien tagt derzeit ein Schiedsgericht bezüglich der Frage, wem die AG gehört. Und die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft laufen immer noch, was den Putsch in Vorstand und Aufsichtsrat der AG im Vorfeld der Insolvenz betrifft. Die VSMR will den Diesel aus dem Kraillinger Tanklager in ein so genanntes Steuerlager in Tschechien bringen. Auch das Kraillinger Gelände ist als Steuerlager deklariert. Steuern fallen damit erst an, wenn der Inhalt verkauft wird.

„Wir wollten den Diesel nie verkaufen“, sagt Linka. Schließlich handle es sich bei den Vorräten um einen Teil der Notreserve Tschechiens. Sobald das Lager geleert ist, kann Möllen das Areal verkaufen. Mit dem eingelagerten Diesel habe er es nicht verwerten können, denn „da die Eigentumsfrage nach wie vor unklar ist, können die Dieselvorräte letztlich faktisch nicht ohne Zustimmung der VSMR an Dritte veräußert werden“, sagt er.

Und das Verhältnis zwischen den beiden Parteien scheint angespannt. Bei der Frage, warum sich das Insolvenzverfahren bereits seit Dezember 2014 hinzieht, sehen beide die Schuld beim jeweils anderen. „Wir fordern nur, was der Republik Tschechien gehört“, sagt Linka.

Victoria Strachwitz

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