Strom: Würmtal-Gemeinden wollen ihr eigener Kunde werden

Würmtal - Planegg, Gauting und Krailling wollen ihren Strom künftig über das Regionalwerk Würmtal beziehen. Derzeit wird geprüft, ob die Kommunen ihr eigener Kunde werden können.

Für den Betrieb ihrer Liegenschaften und für die Straßenbeleuchtung brauchen die Kommunen nicht unerhebliche Mengen Energie. In Planegg beispielsweise werden zwei Millionen Kilowattstunden im Jahr benötigt. In dieser Größenordnung sind die Beschaffungskosten aber so hoch, dass man den Einkauf der Stromkontingente eigentlich europaweit ausschreiben muss.

Die drei Kommunen wollen den Strom aber dennoch bei ihrer eigenen Tochter, dem Regionalwerk kaufen. Die produziert bislang keinen eigenen Strom und muss ihn selbst der Leipziger Strombörse kaufen. Doch spielt die Höhe der Gewinnmarge für das Regionalwerk durch die kommunale Beteiligung eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist alleine ein guter Einkaufspreis in Leipzig. Und hier vertraut man dem Regionalwerk. Allerdings dürfen Gemeinden nur unter bestimmten Voraussetzungen Verträge mit Tochtergesellschaften abschließen, ohne damit gegen geltendes Wettbewerbsrecht zu verstoßen. Aus der Planegger Verwaltung heißt es, man prüfe gerade die Vorschriften. In zwei Monaten sei mit einer Entscheidung zu rechnen. Gautings Verwaltungschef Joachim Graf ist bereits jetzt überzeugt, dass die derzeitige Gesetzgebung und Rechtsprechung ein solches In-House-Geschäftsmodell zulässt. An der bisherigen Praxis einer Gemeinschaftsausschreibung mehrerer Kommunen aus der Region, wie in der Vergangenheit praktiziert, besteht kein Interesse mehr.

Auch die neue Bündelausschreibung des Bayerischen Gemeindetages wird wie andernorts ebenso kritisch gesehen. Ein vom Gemeindetag beauftragtes Büro will im Frühjahr für mehrere hundert Kommunen in einer einzigen Auktion an der Leipziger Strombörse die benötigten Mengen für die Jahre 2014 bis 2016 einkaufen. Kleinen Gemeinden wird ein vierstelliges, etwas größeren sogar ein fünfstelliges Einsparvolumen in Aussicht gestellt. Neuried hat sich für diesen Weg entschieden. Doch zweifeln viele Kommunen, glauben nicht an die Vorteile des Verfahrens und sehen Risiken. Welcher Beschaffungsweg letztlich der günstigste sein wird, lässt sich vorher kaum sagen. Und der Preis ist ohnehin nicht das einzig relevante Abwägungskriterium.

In Gräfelfing werden ökologische Beweggründe gegen die Gemeindetagsaktion angeführt. Die Definition, was als Öko-Strom gelten soll, hielt man für unzureichend. Man wolle zu hundert Prozent echten Öko-Strom beziehen, heißt es aus der Verwaltung. Daher will Gräfelfing alleine ausschreiben oder, falls sich die Ansprüche vereinen lassen, sich mit weiteren Kommunen aus der Region zusammentun.

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