„Wo verbringt ihr eure Freizeit?“ KHG-Schülerinnen markieren mit bunten Punkten auf dem Ortsplan, wo sie sich in ihrer Freizeit aufhalten. Sabine Kraus und ihre Kollegen vom Kreisjugendring wollen so herausfinden, wo sie mit der geplanten aufsuchenden Jugendarbeit ansetzen können. Foto: dagmar rutt

Auf der Suche nach der Freizeit

Gräfelfing - Der Kreisjugendring (KJR) möchte seine Jugendarbeit in Gräfelfing mit neuen Angeboten ausweiten und optimieren.

Der „Sozialraum“ Gräfelfing, wie es in der Fachsprache heißt, ist bekanntlich nicht durch soziale Brennpunkte geprägt, wie es etwa in Großstädten der Fall wäre. Doch hat es auch hier in den letzten Jahren nennenswerte Verwerfungen im Freizeitverhalten der Jugendlichen gegeben - bedingt durch gesellschaftliche Veränderungen. „Wir vermuten, dass die Kinder und Jugendlichen stark eingebunden sind und nur noch über wenig unverplante Freizeit verfügen“, sagt Sabine Kraus, Sozialraum-Leiterin des KJR für Gräfelfing.

Umso wichtiger erscheint es den Sozialpädagogen, die Jugendlichen dort aufzusuchen, wo sie eben zu finden sind. Flexibilität und Mobilität sind die Stichworte. Sabine Kraus: „Wir müssen mit offener Jugendarbeit auf die neuen Gegebenheiten reagieren; nicht warten, dass die Jugendlichen zu uns kommen, sondern zu ihnen gehen.“

Dazu ist es nötig zu wissen, wo die Jugendlichen ihre Freizeit verbringen. In dieser Woche haben die KJR-Mitarbeiter in der KHG-Aula einen großen Ortsplan von Gräfelfing und Umgebung ausgehängt. Dort können alle Schüler, die das möchten, mit bunten Punkten markieren, wo sie ihre Freizeit verbringen, etwa am Bürgerhaus-Vorplatz, beim TSV, auf dem Planegger Skating-Platz oder im Sommer bei den Liegewiesen am Anger. Unterschieden wird bei den Punkten nur mit zwei Farben nach Jungs und Mädchen, nicht vertieft nach Altersgruppen.

In der nächsten Woche setzt der KJR die Erhebung mit einem (ebenfalls anonymen) Fragebogen fort: Auf einem Wochenplan können die Jugendlichen nach Stunden eintragen, wann genau sie verplante Freizeit (Musikschule, Sportverein, Nachhilfe) beziehungsweise gänzlich unverplante Freizeit haben. Letztere, so die Vermutung des KJR, ist heute zum Beispiel durch G 8 und Ganztagsschule deutlich geschrumpft.

Auf Grundlage dieser „Sozialraumanalyse“, die auch an der Mittelschule durchgeführt werden soll, will der KJR neue Angebote erarbeiten. Das können Draußen-Spiele sein wie Ballspiele oder Slackline, aber auch klassische Spiele aus dem Fundus des Jugendhauses an der Würm. Ein Einsatzort dürfte, nach Rücksprache mit den Schulen, auch der Schulcampus selbst sein, wo die Kinder heute mehr Leerzeiten als früher verbringen, etwa die lange Mittagspause bis zum Beginn des Nachmittagsunterrichts. Sabine Kraus: „Wir werden mit dieser offenen und mobilen Jugendarbeit neue Nischen aufsuchen und dabei sehr flexibel und bedarfsgerecht vorgehen.“

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