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Alexander Czetsch Gründer und ehemaliger Geschäftsführer der Kraillinger Firma Technosan.

Giftmüll-Skandal

Technosan-Prozess: Czetsch muss wieder hinter Gitter

  • vonStefan Reich
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Krailling - Im Umweltskandal um die Kraillinger Firma Technosan ist das Urteil gefallen. Der Firmengründer und einstige Geschäftsführer Alexander Czetsch muss wieder hinter Gitter.

Nach 18 Monaten Hauptverhandlung ist am Montag der Technosan-Prozess am Münchner Landgericht mit einem Schuldspruch zu Ende gegangen. Der Firmengründer und einstige Geschäftsführer Alexander Czetsch wurde wegen Betrugs, unerlaubten Umgangs mit Abfällen und anderen Delikten zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren verurteilt. 18 Monate war Czetsch bereits in Untersuchungshaft, zuletzt aber auf freiem Fuß. Der Staatsanwalt hatte eine Strafe von sechs Jahren und neun Monaten gefordert. Zwei ehemalige Mitarbeiter erhielten Bewährungsstrafen wegen Beihilfe zum Betrug, ein weiterer eine Verwarnung. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Czetschs Firma über Jahre giftige Abfälle falsch deklariert und vorschriftswidrig auf ungeeigneten Deponien entsorgt hat.

Der Fall Technosan hat in Krailling Spuren hinterlassen. Alexander Czetsch genoss in Krailling bei vielen einen guten Ruf, war jahrelang stellvertretender, ab 2008 erster Vorsitzender des KIM-Vereins, in dem die Unternehmen aus dem Krailinger Gewerbegebiet zusammengeschlossen sind. Ihm und seiner Firma kam die Gemeinde immer wieder entgegen. So beschloss die Gemeinderatsmehrheit 2011 eine Änderung des Bebauungsplans für die KIM, um Technosan eine Erweiterung des Firmensitzes zu ermöglichen. Auf einer ökologisch offenbar wertvollen Fläche und gegen den ausdrücklichen Rat von Kreisbauamt und Unterer Naturschutzbehörde. Auch baurechtliche Zugeständnisse für die Jugendstilvilla im Ortskern, die Czetsch 2007 von der Gemeinde als Privatwohnsitz gekauft hatte, sorgten für politische Diskussionen.

Zu einem offenen Streit im Gemeinderat kam es im Januar 2013, als die Fraktionen SPD/Grüne, FDP und FBK nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Technosan in einem Antrag Auskunft über Einzelheiten zu Geschäften zwischen Czetsch und Gemeinde verlangten. Man wolle prüfen, ob der Gemeinde im Zusammenhang mit Czetschs Machenschaften finanzieller Schaden entstanden sei, hieß es. Auch über mögliche Spenden und andere Formen der Einflussnahme auf die Gemeinde verlangten die Fraktionen Auskunft. Bürgermeisterin Christine Borst und die CSU-Mehrheit beschuldigten die Opposition, sie wolle unsaubere Machenschaften suggerieren. Die Gemeinde in Zusammenhang mit einem Kriminalfall zu bringen, hätte das Vertrauensverhältnis zu den drei Fraktionen „wirklich zerstört“, sagte Borst damals. Ihr Stellvertreter Peter Weigert (CSU) schrieb in einer Mail an die Grüne Adrienne Akontz: „Wir werden uns zu wehren wissen, Sie werden es zu spüren bekommen“. Akontz beschwerte sich deshalb bei der Kommunalaufsicht des Landratsamtes, und die Opposition forderte Weigerts Abwahl als 2. Bürgermeister. Der Streit vergiftete über Monate das Klima im Gemeinderat.

Technosan ist mittlerweile insolvent und sieht sich mit Forderungen von ehemaligen Auftraggebern, vermutlich in Millionenhöhe, konfrontiert. Die rund 40 Angestellten waren bereits 2013 nach Entzug der Betriebserlaubnis für die Baustoff-Recyclinganlage der Firma in Neuötting entlassen worden. Auch die Besitzgesellschaft befindet sich in der Abwicklung. Czetschs Villa und das Firmengebäude in der KIM wurden bereits versteigert.

Stefan Reich

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