Territorien-Streit zwischen und in den Kreisen zerstörte Männer-Freundschaften

- Bei der Gemeinde-Gebietsreform am 1. Mai 1978 wurde Gauting größer

VON HARTMUT BRINGS Würmtal - Eine selbstständige Gemeinde Buchendorf gibt es heute nicht mehr. Eine Würm-Stadt gab es nie. Die Gemeinde-Gebietsreform hat Fakten geschaffen und die Fantasie angeregt. Am 1. Mai jährt sich das zukunftsweisende Werk unter der Regie des damaligen bayerischen Innenministers Bruno Merk zum 25. Mal.

Merk wohnte 1978 in Krailling. Vor seiner eigenen Haustür konnte der Christ-Soziale miterleben, welche Auswirkungen die Gemeinde-Gebietsreform hatte. Im Würmtal wurden die selbstständigen Gemeinden Buchendorf sowie Ober- und Unterbrunn dem schon damals großen Gauting zugeschlagen. Andere Veränderungen gab es nicht. Für Aufregung hatten Überlegungen gesorgt, Pentenried ebenfalls Gauting einzuverleiben. Rund 90 Prozent der Bürger hatten sich im Vorfeld der Reform gegen die Trennung von Krailling ausgesprochen. Trennungsfreudiger waren in den 70er Jahren eher schon die Stockdorfer. Nur wollten die Stockdorfer gerne selbstständig werden, was freilich sämtlichen Überlegungen aus dem Merkschen Innenministerium widersprach.

Im Landkreis München wurden 1978 aus 39 Gemeinden 29 gemacht. Neuried, Planegg und Gräfelfing standen dann aber nicht mehr zur Diskussion. Eher schon 1972: Im Jahr der olympischen Sommerspiele von München gab es in Bayern die Kreis-Gebietsreform. Im Zuge dieser großflächigen Zuschneiderei von lebensfähigen Verwaltungseinheiten stand Neurieds Übernahme durch die Landeshauptstadt zur Diskussion. 97 Prozent der Dorfbewohner am Rande des Würmtals sprachen sich aber dagegen aus, Stadtbürger zu werden. Ängste, von München geschluckt zu werden, steckten aber noch lange in so mancher Neurieder Seele, erinnert sich der frühere Bürgermeister Ladislaus Wolowicz (CSU). Heute brauchen sich die Vorstädter aber keine Sorgen mehr zu machen, sagt Gräfelfings Ex-Bürgermeister Eberhard Reichert (IGG): "Die Gemeinden im Südwesten Münchens können nicht das bieten, was die Landeshauptstadt braucht: Platz.".

Aus heutiger Sicht fast schon radikal erscheint die Idee einer Würm-Stadt von Planeggs früherem Bürgermeister Richard Naumann (SPD). Der ehemalige Geschäftsführer der Baugesellschaft München-Land dachte vor allem an die Zusammenlegung von Planegg und Krailling - und traf dabei auf den erbitterten Widerstand seines früheren Schulfreundes Helmuth Schreyer (CSU), Gemeindeoberhaupt von Krailling. Sämtliche Gedankenspiele einer Verlegung oder Auflösung der Gemeinde- und Landkreisgrenze zwischen Planegg und Krailling waren aber eigentlich schon 1972 gestorben.

Ähnlich wie im Fall Naumann/Schreyer trug die Landkreis-Gebietsreform auch nicht zum Gedeihen der Männerfreundschaft zwischen Rudolf Widmann (FDP) und Joachim Gillessen (CSU) bei. Die Landräte von Starnberg und München hatten vor 1972 ihre Territorien verteidigt. Dabei zeigte die Gemeinde-Gebietsreform vor 25 Jahren, dass es gar nicht immer erstrebenswert war, zu wachsen. "Gauting war nicht scharf darauf, die Flüchtlingskolonie Pentenried zu erben", erinnert sich Ex-Gemeinderätin und Ministerin a.D. Mathilde Berghofer-Weichner an die Diskussionen vor 1978.

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