Karin Müllenbach vor ihrer Boutique Pretty Woman in Gräfelfing.
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„Der Laden ist meine Existenz“: Karin Müllenbach hat die Erfahrung gemacht, dass Kunden ungern mit negativem Corona-Test „Click & Meet“ nutzen.

Umsatzeinbußen von bis zu 90 Prozent

Testpflicht schreckt Kunden ab

  • Peter Seybold
    vonPeter Seybold
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Trotz „Click & Collect“ und „Click & Meet“ haben Würmtaler Geschäfte nach wie vor mit Umsatzeinbußen von teils 90 Prozent zu kämpfen. Kaum ein Kunde mache einen Coronatest, um einen Laden betreten zu dürfen.

Würmtal – Die andauernde Corona-Ausnahmesituation stellt viele Würmtaler Geschäfte vor Probleme. Zwar ist im Moment „Click & Meet“, also das Einkaufen mit Termin, sowohl im Landkreis Starnberg als auch im Landkreis München erlaubt, das Abholen von Bestellungen („Click & Collect“) sowieso. Dennoch ist die Lage oft ernst.

„Ich habe rund 90 Prozent weniger Umsatz als normal. Von roten Zahlen kann ich aber keine Rechnungen bezahlen“, sagt Karin Müllenbach, Inhaberin der Gräfelfinger Boutique „Pretty Woman“. So würde auch kaum jemand mit einem negativen Corona-Test „Click & Meet“ nutzen wollen, obwohl ganz in der Nähe ihres Geschäfts die Malteser Tests anbieten: „Die Kunden wollen nicht extra einen Test machen, um einen Pullover zu kaufen. Viele denken sich, wenn ich dann nichts finde, habe ich die Verkäuferin umsonst belästigt.“ Von den Kunden, die sich etwas durch die Tür geben lassen, versuchten zudem einige, Rabatte auszuhandeln. „Aber der Laden ist ja meine Existenz. Stellen Sie sich vor, von Ihrem Gehalt fehlten plötzlich für lange Zeit 80 oder 90 Prozent“, sagt Müllenbach. Es sei für sie mittlerweile schon schwierig, „jeden Tag aufzustehen, ins Geschäft zu gehen“ und überhaupt noch ein bisschen Optimismus zu haben. „Ins Flugzeug dürfen 100 Menschen rein, in den Aldi auch viele, bei mir nicht einer. Das ist nicht zu verstehen“, sagt Müllenbach, die derzeit nur vormittags öffnet.

Noch ist ein kleiner Puffer da

„Das Geschäft läuft schlecht. Es kommen nur sehr wenige Leute zum Abholen. ,Click & Meet’ mit einem negativen Coronatest macht kein Mensch. Ich hatte dazu einen Kunden in vier Tagen“, sagt auch Edgar Lindenau, Inhaber des Gräfelfinger „Interior Design“-Geschäfts für Wohnaccessoires und Geschenkideen. Rund 80 Prozent des normalen Umsatzes fehlten dem Laden. Das Geschäft habe zwar noch etwas Puffer. Da Miete und Gehälter weiter bezahlt würden, sei dieser aber in absehbarer Zeit aufgebraucht, sagt Lindenau. „Wir wollen nicht zusperren“, aber auch nicht private Rücklagen verbrauchen, so der Inhaber.

„Sehr wenig“ Kunden kommen im Moment auch zum Kraillinger Spielwarenladen Kappler, sagt Inhaberin Waltraud Kappler, die Umsatzeinbußen von 80 Prozent hat. „Wenn die Leute in den Laden können, sehen sie spontan etwas und kaufen es.“ Das fehle nun aufgrund der geringen Nachfrage nach „Click & Meet“. Weil Kappler Eigentümerin der Räumlichkeiten ist, reiche der Umsatz, um die Fixkosten zu bestreiten. „Ich will aber arbeiten und nicht den ganzen Tag im Sessel sitzen“, sagt die 92-Jährige. Ihr fehle die „Beschäftigung mit den Leuten“, und sie höre ähnliches auch von den Kunden. „Ich sollte von der Regierung Informationen bekommen, was erlaubt ist und was nicht. Diese bekomme ich aber nicht, man traut sich daher nichts“, sagt Kappler, die neben Einkaufen auf Termin natürlich auch Bestellungen anbietet.

„Die Gautinger sind treue Kunden“

Die zum Teil nicht auf den ersten Blick klare Rechtslage kritisiert auch Marc Schürhoff, Inhaber der Gautinger Buchhandlung Kirchheim. So müsse er etwa erst im Landratsamt anrufen, um Klarheit zu bekommen, ab welchem Tag mit einer Inzidenz unter 100 er Kunden mit Termin in den Laden lassen darf. „Buchhandlungen werden in der Bundesnotbremse überall zum täglichen Bedarf dazu gerechnet“, in Bayern erst seit Kurzem wieder, bemängelt Schürhoff. „Auch die Kunden wissen überhaupt nichts und rufen zum Beispiel an, ob sie als Geimpfte oder Genesene so in den Laden dürfen“, berichtet Schürhofft. Obwohl es ganz in der Nähe am Gautinger S-Bahnhof eine Testmöglichkeit gibt, seien bisher nur zwei Kunden mit einem negativen Nachweis in das Geschäft gekommen. „Das Testergebnis ist in 15 Minuten da, trotzdem ist das manchen wohl zu viel Zeit“, vermutet Schürhoff. Die Buchhandlung habe nach einem „grottenschlechten“ Januar aber die Umsatzverluste in einem recht geringen Rahmen halten können. Schürhoff: „Die Gautinger sind sehr treue Kunden.“

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