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Mit einer kaum zumutbaren Notlösung  mussten Rektor Manfred Jahreis, Schüler und Lehrer leben. Fast drei Jahre lang durften die Fenster der Schule nur einen Spalt breit geöffnet werden, weil die Scharniere mangelhaft waren. Auf den Kosten für die Mängelbeseitigung bleiben die Trägerkommunen sitzen. Die Herstellerfirma der Fenster ist pleite.

Würmtal-Realschule

Kommunen müssen für Baumängel zahlen

Mängel am Gebäude der Würmtal-Realschule in Gauting kommen die Kommunen teuer zu stehen. Dieses Jahr müssen sie 1,74 Millionen Euro zusätzlich ausgeben.

Würmtal– Die Mitglieder des Zweckverbands Würmtal-Realschule müssen tief in die Tasche greifen. Zusätzlich zu Schuldentilgung und Betriebskosten werden heuer 1,74 Millionen Euro fällig. Für die beteiligten Gemeinden und den Landkreis Starnberg eine unangenehme Überraschung.

Seit der Eröffnung der Realschule im September 2012 in Gauting kämpft der Zweckverband, zu dem neben den Landkreisen Starnberg und München die Gemeinden Gräfelfing, Planegg, Neuried, Krailling, Gauting, Pöcking und die Stadt Starnberg gehören, mit Problemen. Schwerer noch als der durch die Putzfirma ruinierte Boden der Turnhalle wogen Mängel an den Fensterbelägen.

Im September 2014 war eines der eigens für die Schule angefertigten 90 Kilogramm schweren Fenster wegen eines gebrochenen Beschlags aus der Verankerung gefallen. Dass zwei Schüler nur leicht verletzt wurden, war der Körperkraft eines 13-Jährigen zu verdanken, der noch versuchte, das Fenster abzufangen.

In der Folge durften die Fenster nicht mehr geöffnet werden. Während Gutachten eingeholt wurden, meldete die Herstellerfirma Insolvenz an. Öffnungsbegrenzer wurden eingebaut, um die Fenster zumindest einen Spalt weit öffnen zu können, denn die Lüftung im Schulgebäude war nicht darauf ausgelegt, sämtliche Räume zu versorgen. Rektor Manfred Jahreis klagte im November 2014 über den hohen Kohlendioxidgehalt in der Luft, der die Konzentrationsfähigkeit der Schüler mindere.

Da die Mängelbeseitigung unter die Gewährleistung fiel, wurde ein Fachanwalt eingeschaltet. Reparaturmöglichkeiten wurden getestet, schließlich wurde der Schaden behoben. „Seit Kurzem“, so Angie Westner vom Zweckverband auf Anfrage, seien sämtliche Fenster repariert. Drei Jahre nach dem Vorfall können sie wieder ohne Einschränkung geöffnet werden.

Weil der Hersteller pleite gegangen ist, könne der Zweckverband keine Gewährleistung mehr geltend machen, erläuterte Gautings Bürgermeisterin Brigitte Kössinger, die gleichzeitig Vorsitzende des Zweckverbandes ist, jetzt im Haupt- und Finanzausschuss des Gautinger Gemeinderates. Auch auf den Gutachter- und Anwaltskosten bleibe der Verband sitzen. Für Gauting bedeuten dies 332 000 Euro an Investitionskosten und damit 178 000 Euro mehr als im Haushalt 2017 vorgesehen. Darin enthalten sind neben der Abwicklung des Fensterproblems auch Arbeiten an den Außenanlagen und am Dach der Sporthalle sowie der Ersatz von Fensterscheiben.

Die Gemeinde Planegg trifft es noch härter. Sie hatte im Haushalt 115 000 Euro für die Schuldentilgung eingestellt. Nun muss sie 403 000 Euro schultern, inklusive 268 000 Euro für Investitionskosten. „Ich sehe nicht ein, dass wir dafür geradestehen müssen“, äußerte Gerhard Schleburg (CSU) in der Gemeinderatssitzung seinen Unmut, genehmigte aber mit dem Rest des Gremiums doch die überplanmäßige Ausgabe.

Der Anteil der Gemeinden berechnet sich aus den Schülerzahlen. Gauting hat mit 346 Schülern die meisten, gefolgt von Planegg mit 148. Die Gemeinde Gräfelfing, die 119 Schüler nach Gauting schickt, übernimmt 216 000 Euro der Investitionskosten. Im Haushalt der Gemeinde Neuried (79 Schüler) waren 110 650 Euro vorgesehen, nun überweist sie dem Zweckverband in etwa das Doppelte. Allerdings haben die Neurieder für die Realschule noch Haushaltsreste in Höhe von rund 100 000 Euro aus den vergangenen Jahren angesammelt.

Der Kraillinger Gemeinderat genehmigte vergangene Woche 68 000 Mehrausgaben. Statt der eingeplanten 104 000 Euro muss die Gemeinde insgesamt 172 000 Euro zahlen. Aus Krailling gehen 114 Schüler auf die Realschule im Nachbarort. Der Landkreis Starnberg übernimmt laut Umlagebescheid 859 000 Euro, in denen Investitionskosten in Höhe von 536 560 Euro enthalten sind. Das entspricht Mehrausgaben von 209 000 Euro gegenüber dem Haushaltsansatz.

nik/cc

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