Hunderte Besucher ließen sich im Bürgerhaus von (v.re.) Bürgermeister Christoph Göbel, Rechtsanwalt Frank Sommer und Ingenieur Hans Ulrich-Raithel das geplante Mobilfunk-Standortkonzept der Gemeinde Gräfelfing erläutern. foto: jürgen sauer

Thema Mobilfunk mobilisiert die Bürger

Gräfelfing - Mehrere Hundert Besucher drängten sich am Donnerstag bei der Mobilfunk-Veranstaltung der Gemeinde Gräfelfing im Bürgerhaus. Es wurde ein hoch informativer Abend, der freilich nicht jeden befriedigte.

Bürgermeister Christoph Göbel, Rechtsanwalt Frank Sommer und Ingenieur Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut München präsentierten das Gräfelfinger Mobilfunkstandortkonzept aus politischer, rechtlicher und technischer Sicht. Sie legten dar, dass dies der einzige Weg sei, wie die Gemeinde rechtssicher dafür sorgen könne, dass Mobilfunk-Sendeanlagen mittel- und langfristig aus den Wohngebieten verdrängt, die Mobilfunk-Versorgung verbessert und die Strahlenbelastung gesenkt werden könne – von im Schnitt zwölf auf 2,1 mW/m2. Die Gemeinde würde den Mobilfunkbetreibern ausgewählte Standorte anbieten und im Gegenzug Mobilfunkanlagen in den Bebauungsplänen verbieten.

Der Wermutstropfen: Die zwei geplanten Großstandorte mit 40-Meter-Masten am Neunerberg und beim TSV sind laut Ulrich-Raithel unverzichtbar. Einzige Alternative: Eine 18 Meter hohe Antenne auf dem Rathausdach, die freilich mitten im Wohngebiet viermal stärkere Strahlung verbreiten würde, als sie das Konzept der Gemeinde vorsieht. Dagegen meldeten Betroffene sogleich heftigen Widerstand an und forderten das Gemeinde-Konzept ein.

Zahlreiche Besucher indes brachten Bedenken und teils harsche Kritik dagegen vor. Der Kinderarzt Herbert Meißner monierte, dass der TSV-Mast 1300 Kinder am Schulcampus Adalbert-Stifter-Platz „bestrahlen“ würde. Ulrich-Raithel widerlegte ihn mit Zahlen: Heute betrage die Strahlung dort im Mittel 1,8 mW/m2, mit dem Gemeindekonzept maximal 1,1 mW/m2. Der Experte entkräftete auch den Vorwurf, die Handys müssten bei den wenigen, hohen Masten stärker funken. Dies sei nicht der Fall, weil die Telefone dann häufig „Sichtkontakt“ zur Antenne hätten und nicht – wie heute – meistens durch Häuser senden müssten.

Frank Sommer wies darauf hin, dass ohne Handeln der Gemeinde überall Baurecht für Mobilfunk-Anlagen bestünde und die Belastung bald auf 18 mW/m2 hochschnellen würde, ohne dass Nachbarn dies rechtlich verhindern könnten. Dem gegenüber biete das Konzept eine Reduzierung der Strahlungswerte auf ein Neuntel.

Nach dieser Informationsveranstaltung, der viele Gemeinderäte beiwohnten, wird der Gemeinderat das weitere Vorgehen beschließen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Küchenstudio eröffnet inder Bahnhofstraße
Planegg bekommt ein weiteres Küchenstudio: In die Räume in der Bahnhofstraße 7, in denen bis zum Sommer Feinkost Käfer war, zieht „Küchen Treff“ ein. Der …
Küchenstudio eröffnet inder Bahnhofstraße
78 Medaillen für deutsche Brauereien
In Nürnberg wurde prämiert, was im Würmtal erschmeckt wurde: 145 Biertester hatten sich Mitte Oktober in Gräfelfing durch 2483 Biere gekostet. Die hieraus hervorgegangen …
78 Medaillen für deutsche Brauereien
Fleißige Männer zum Müßiggang verdammt
Sie sind fleißig, sie wollen arbeiten und Geld verdienen. Doch das Landratsamt Starnberg verlängert ihre Arbeitserlaubnis nicht. Jetzt langweilen sich zwei Pakistanis, …
Fleißige Männer zum Müßiggang verdammt
Einstimmig in den Wahlkampf
Will man das Programm der momentan kleinsten Fraktion im Neurieder Gemeinderat, der von Bündnis 90/Die Grünen, auf einen Nenner bringen, dann hieße dies sicherlich …
Einstimmig in den Wahlkampf

Kommentare