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Mandy Lutz und Andreas Soff aus Gräfelfing kümmern sich um den kleinen Igel Gerd. Er ist etwa zwei Monate alt und wiegt 263 Gramm. Zähne hat er bereits, kann also schon selbst essen. Igelmama Mandy muss ihm allerdings die vielen Zecken entfernen. Die Flöhe müssen mit einem Spezialmittel entfernt werden.

Igel-Retter aus Gräfelfing

Tierfreunde mit stacheligem Hobby

Igel haben es heuer besonders schwer. Aufgrund des langen und trockenen Sommers sind Futter und Wasser knapp. Gleichzeitig haben die Igel in diesem Jahr früher mit der Fortpflanzung begonnen und teilweise im Herbst noch einmal geworfen. Mandy Lutz aus Gräfelfing kümmert sich um geschwächte Tiere.

Würmtal – Zwei Jungtiere päppelt die Tierfreundin derzeit in ihrer Wohnung auf. Die kleinen Igel wiegen 263 und 350 Gramm und sind damit viel zu schwach, um in die freie Wildbahn entlassen zu werden. „Dafür sollten sie zwischen 600 und 700 Gramm wiegen“, erklärt Lutz.

Seit 18 Jahren widmet sich die Gräfelfingerin bereits der Igelpflege. Immer wieder bekommt sie Anfragen über Facebook, wo Elsa L 'Vador die Gruppe „Igelhilfe München und Umgebung“ ins Leben gerufen hat. Auf diese Weise ist auch einer der beiden aktuellen Igel in ihr Leben getreten.

Gleich zu Beginn untersucht Mandy Lutz ihre Zöglinge auf Flöhe und Fliegeneier. „Es kann Stunden dauern, die einzelnen Eier abzunehmen.“ Doch die Mühe lohnt, denn sind die Larven erst geschlüpft, bedeutet dies oft den Tod für die Igel.

Bevor es an die Fütterung geht, stellt Mandy Lutz sicher, dass die Igel warm genug sind. Erst dann bekommen die Tiere lauwarmen Fencheltee sowie nasses Hunde- oder Katzenfutter. Zum Aufpäppeln schwört Lutz auf Weizenkleie. Dadurch läuft die Verdauung der Igel langsamer und sie nehmen schneller zu. Außerdem mengt sie dem Futter ein paar Tropfen Kokosöl bei, wodurch die Igel weniger anfällig für Zecken sind.

Das etwas schwerere Igelmädchen ist bereits in einem großen Käfig auf der Terrasse untergebracht. „Bis zu einem Gewicht von 350 Gramm brauchen die Tiere Zimmertemperatur“, so Lutz. Ab 500 Gramm ist dann ein kontrollierter Winterschlaf im Garten möglich. Für den Fall, dass die Igel aufwachen, stellt Mandy Lutz Futter und Flüssigkeit bereit.

Was kaum jemand weiß: Igel sind hervorragende Kletterer. Deshalb sollten Boxen oder Käfige mindestens 50 Zentimeter hoch sein. Denn haben die Igel erst an Gewicht und Stärke zugelegt, erklimmen sie mühelos den Rand ihrer Unterkunft. „Im Hasenstall hangeln sie sich auch an den Gitterstäben entlang“, erzählt Mandy Lutz, die die Igel auch wegen ihres eigenwilligen Charakters ins Herz geschlossen hat.

Während sich die einen nur zu gern über die Schnauze streicheln lassen, stellen die anderen sofort die Stirnstacheln auf. „Einer läuft meinem Lebensgefährten wie ein Hund nach und beißt ihn in den Schuh, wenn die Fütterung zu lange dauert“, sagt Mandy Lutz und lacht.

Generell dürfe man nie vergessen, dass Igel Wildtiere sind. Ein Appell, den auch Dietlind Freyer-Zacherl nicht oft genug wiederholen kann. Die Kraillingerin hat selbst 20 Jahre lang Igel aufgepäppelt und warnt vor falsch verstandener Tierliebe. „Nicht jeder kleine Igel auf der Straße ist hilfsbedürftig“, so Freyer-Zacherl. Oft sei auch die Mutter noch in der Nähe. Ihr dürfe man das Junge nicht einfach wegnehmen.

Es sei viel sinnvoller, Igel in einen nahegelegenen Laubhaufen zu setzen. Auch füttern sollte man am besten in der Natur. Wer den Igeln eine Unterkunft im eigenen Garten bauen will, könne zum Beispiel eine Obstkiste über einen Futternapf und Laubhaufen stülpen, mit Folie abdecken und mit Steinen beschweren, um Katzen und Füchse fernzuhalten.

Kranke oder verletzte Tiere sollte man hingegen zum Tierarzt bringen. Und weil Igel mittlerweile als gefährdet gelten, hat der LBV dazu aufgerufen, gesichtete Igel zu melden (www.igel-in-bayern.de).

Karin Priehler

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