Tochter Zion und der Frost

- Bläser müssen ins Rathaus-Foyer ausweichen

VON CHRISTINE CLESS-WESLE Gauting - "Meine Nase wird langsam wieder warm.": Erleichtert wandte sich das junge Mädchen seinen beiden Freundinnen zu. Denn statt draußen vor der Tür fand das große Gautinger Ereignis in der Heiligen Nacht diesmal im Rathaus-Foyer statt. Bei frostigen acht Grad minus musizierten die Turmbläser nämlich lieber drinnen.

Die Heilige Nacht mit den Turmbläsern hat Tradition. Nach Weihnachtsgottesdienst, Fest-Essen und Bescherung zu Hause treffen sich Jugendliche, Erwachsene und Senioren vor dem Rathaus. Vom Balkon ertönen festliche Weihnachtslieder. Unten im Freien wünschen sich die Gautinger frohe Weihnacht und ratschen. Doch diesmal war es anders. Wegen des Frosts wäre den Musikern draußen der Speichel in den Instrumenten gefroren.

Dicht gedrängt standen deshalb mehrere Generationen gegen 22.30 Uhr im Rathaus-Foyer. Mittendrin Bürgermeisterin Brigitte Servatius. Der satte Klang von neun Blasinstrumenten, das sanft flackernde Licht der vier tiefroten Kerzen auf dem Tannengesteck verbreiteten eine andächtige Stimmung. Stille. Allenfalls gedämpfte Unterhaltung zwischen den Liedern. "Heilige Nacht": Als die Musiker - mit dabei Gemeinderat Benedikt Rüchardt an der Trompete - bekannte Kirchenlieder erklingen ließen, hätte der eine oder andere gerne mitgesungen. Doch irgendwie: "Es fehlt einer, der anstimmt", bedauerte ein Zuhörer.

Einen Vorteil hatte das Konzert im Raum. Im wohlig-warmen Rathaus-Foyer mit Weihnachtsbaum wurde dreimal so lang musiziert wie in den Vorjahren. Nach dem Jubel von "Tochter Zion" blieb den Zuhörern noch Zeit, um sich in der kalten, sternklaren Nacht auszutauschen. Hellhörige Neugierige erfuhren, dass die Arztfamilie aus der Kolonie ihre Skiferien in Lech am Arlberg verbringt. Und eine Fünfer-Gruppe war sich einig: Der Heiligabend-Gottesdienst des evangelischen Pfarrers Gerhard Pfister zum Thema "Gnade und Gnadenlosigkeit" war besonders gelungen.

Unermüdliche brachen gegen 23 Uhr noch zur Christmette in St. Benedikt auf oder schlenderten rüber ins Jugendzentrum. Ehemalige Gautinger Schüler, die andernorts studieren oder arbeiten, feierten mit Freunden Wiedersehen: Man zog von Gaststätte zu Gaststätte.

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