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Gedenkveranstaltung vor dem Mahnmal in Krailling Ende April mit (vorne v.li.) Bürgermeisterin Christine Borst, 2. Bürgermeister Peter Weigert, Max Volpert, der als Geehrter eine kurze Rede hielt, sowie Friedrich Schreiber, Vorsitzender des Vereins „Gedenken im Würmtal“. Er berät nun die Wissenschaftler bei ihrer Arbeit mit Zeitzeugen.

Todesmarsch: Washington sucht Zeitzeugen

Würmtal - Vor 66 Jahren zog der Todesmarsch durch das Würmtal. Für viele Menschen sind die Bilder bis heute unauslöschlich. Für diese Erinnerungen interessieren sich nun Forscher.

Zeitzeugen melden sich bei Dr. Wendy Lower, LMU München, Historisches Seminar, Schellingstraße 12/IV, 80799 München, oder bei Dr. Boris Neusius, Telefon 307 36 02 und 0176-51 75 97 47.

In den letzten Kriegstagen 1945 wurden rund 7000 Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau und seiner Außenlager zu Fuß Richtung Tirol getrieben. Der so genannte Todesmarsch führte in mehreren Kolonnen südwärts, auch durch das Würmtal, in dessen Kommunen bis heute Denkmäler und ein jährlicher Gedenkmarsch daran erinnern. In der Nacht zum 2. Mai befreiten die heranrückenden Amerikaner die Häftlinge bei Waakirchen (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Viele Würmtaler sahen damals den Zug, manche versuchten, den gespenstisch wirkenden Gestalten zu helfen, ihnen ein Stück Brot oder Wasser zu reichen. Die Eindrücke dieser Zeugen sind es, die nun in einem größeren Projekt gesammelt werden sollen. Daran beteiligt sind das Historische Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München, das United States Holocaust Memorial Museum in Washington und der Verein „Gedenken im Würmtal“ um den Gräfelfinger und ehemaligen BR-Journalisten Friedrich Schreiber, der die Forscher aus Amerika und München berät.

Augenzeugen gesucht

Die Historikerin Wendy Lower leitet das Projekt. „Wir wollen die Erinnerungen der Zeitzeugen auf Video aufnehmen“, erklärt sie. „Die Filme werden im Holocaust Memorial Museum Forschern zur Verfügung gestellt. Es kann auch sein, dass sie Eingang in Ausstellungen finden.“ In Washington seien bislang 80 000 gefilmte Zeitzeugen-Interviews mit Überlebenden des Holocaust zugänglich, berichtet Lower, davon 50 000 aus der bekannten „Shoa Foundation“ des Regisseurs Steven Spielberg.

„Für die Forschung sind aber verschiedene Perspektiven wichtig“, sagt die amerikanische Wissenschaftlerin, die in Tutzing lebt und an der Münchner Uni lehrt. Es sei hochinteressant, was Menschen, die die letzten Kriegstage im Würmtal und dem Oberland miterlebten, zu berichten hätten. „Was sie gesehen haben, war für sie eine ganz dramatische Erfahrung“, so die 46-Jährige. „Bei einigen sind nur noch Blitzlichter da. Manche sagen, sie erinnern sich an das Geräusch der Holzschuhe, andere haben die Augen der Gefangenen vor sich oder die gestreifte Sträflingskleidung.“ In jedem Fall lieferten Augenzeugenberichte „Details, die in keinem Archiv zu finden sind“.

Auch ganz allgemein seien die Lebensgeschichten aus der Generation, die das Kriegsende miterlebte, spannend. „Sie waren damals sehr jung, hatten keine direkte Verantwortung im Krieg und standen nachher vor der Aufgabe, das Chaos wieder aufzuräumen.“ Um die Interviews durchzuführen, kommen die Wissenschaftler zu den Zeitzeugen nach Hause. Interessiert sind sie auch an Fotos, Briefen und Tagebüchern. Auf Wunsch können die Gespräche anonym bleiben, die Zeitzeugen dürfen auch Auflagen machen. „Einer hat zum Beispiel gesagt, das Interview darf erst in 20 Jahren veröffentlicht werden: Das ist okay“, sagt Wendy Lower. „Denn es handelt sich um ein langfristiges Projekt.“

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