Umgehungsstraße 2063 neu: Die Kritiker melden sich zu Wort

Gräfelfing - Vor allem die Kritiker der geplanten Umgehungsstraße bei Gräfelfing haben die erste Informationsveranstaltung im Vorfeld des Bürgerentscheides als Forum genutzt.

Zwei dieser Informationsveranstaltungen hat die Gemeinde vor dem Bürgerentscheid am 21. April anberaumt; die nächste wird am 8. April stattfinden. Wobei am Montag zahlreiche Besucher „Information“ anders interpretierten als die Organisatoren: Vielen ging es weniger um die Klärung sachlicher Fragen als darum, ihr längst gefälltes Urteil kundzutun. Widersprachen die Zahlen der Experten dieser Überzeugung, wurden sie pauschal angezweifelt - die Zahlen und die Experten gleich mit.

Eingangs hatte Bürgermeister Christoph Göbel Ziel und Zweck dieser Umgehungsstraße erläutert. Er führte aus, dass die Umgehungsstraße nicht nur in ihrer unmittelbaren Entlastungswirkung auf Wohngebiete wie den Anger, die Hofmarksiedlung und das Unterfeld zu sehen sei, sondern auch mittelbar als zwingende Voraussetzung für wirksamen Lärmschutz an der A 96: Ohne die Umgehungsstraße könne die Autobahnausfahrt nicht verlegt werden, die ein „Lärmtor in mehrere Wohngebiete“ sei. Und nur mit Hilfe der durch die Verlegung gewonnenen Fahrspuren an der A 96 könne wirksamer Lärmschutz bei der Heitmeiersiedlung errichtet werden, der wiederum Voraussetzung für den Gewinn von Bauland sei, das den umfassenden Autobahn-Lärmschutz finanzieren müsse.

Nicht zuletzt die Zahlen, die Prof. Harald Kurzak vortrug, stießen auf tief sitzende Skepsis. Der Verkehrsplaner sagte: „Ich sehe diese kleine Lösung als sinnvollen ersten Schritt an.“ Sie werde den Verkehr auf der Pasinger Straße, der zur Hälfte Durchgangsverkehr sei, von 19 800 auf 13 800 Autos pro Tag reduzieren. Die Kreuzung Pasinger-/Lochhamer Straße, die heute im Berufsverkehr ein Nadelöhr sei, werde um 24 Prozent entlastet und „keine Staus mehr“ zeitigen. Und einmal mehr zeigte Kurzak sich überzeugt, dass Planegg schließlich nachziehen und die Umgehungsstraße bei Martinsried verlängern werde, sobald Gräfelfing den Anfang gemacht habe.

Bei dieser Aussage hielt es Planeggs Ex-Bürgermeister Alfred Pfeiffer nicht mehr auf dem Sitz, und er ergriff außerhalb der Reihe das Wort. Er verwahrte sich gegen den Druck auf seine Gemeinde und stellte gleichzeitig in Aussicht, dass es im Planegger Gemeinderat eine Mehrheit für eine Umgehungsstraße mit Durchstich bis zur M 4 geben könne.

Martin Reichert (Büro Möhler und Partner) betonte, an der Würmtalstraße werde es dank des geplanten Lärmschutzes trotz eines Mehrverkehrs von 80 bis 90 Prozent hörbar leiser - eine Wirkung, die bis in die oberen Geschosse der Wohnblocks reichen werde, wenn auch abgeschwächt. Dies bezweifelte ein Anlieger und kündigte eigene Lärmmessungen auf seinem Balkon an.

Dieter Horch aus der Heitmeiersiedlung sagte, die Gemeinde werde „keinen Euro“ Zuschuss erhalten. Die Kommune rechnet mit „bis zu 50 Prozent“ der förderfähigen Kosten. Auch Göbels Aussage, die Umgehungsstraße werde auf Grundlage jüngster Gespräche als „Staatsstraße 2063 A“ gebaut, wollte Horch nicht glauben.

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