Umweltschützer bewahren Lebensraum der Schlingnatter

- Winter-Einsatz auf dem Gelände der früheren Kaserne

VON ANDREAS VON DELHAES Krailling - Selten kommt es vor, dass militärische Nutzung in der Natur zu etwas Sinnvollem führt und Umweltschützer die Anwesenheit der Soldaten vermissen. Doch auf dem Gelände der ehemaligen Pionierkaserne in Krailling, nahe dem heutigen Gewerbegebiet KIM, hinterließ die Bundeswehr ökologisch wertvolle Flächen. Das wurde einmal mehr bei den Biotop-Pflegearbeiten des LBV am Wochenende deutlich.

Durch den Betrieb mit schweren Fahrzeugen hielt die Bundeswehr einige Kiesflächen offen und von Baum- und Buschbewuchs weitgehend frei. In diesen Lebensräumen konnten sich wiederum einige Tier- und Pflanzenarten niederlassen, die genau diese Magerböden benötigen. Ähnliche Flächen finden sich sonst nur auf der Münchner Schotterebene an der oberen Isar und den Lechheiden. Die Flächen in Kiesgruben sind dafür ungeeignet. Eine Art Brücke zu diesen Gebieten unterstützt deshalb die Starnberger Kreisgruppe des LBV (Landesbund für Vogelschutz). Schon seit über 40 Jahren schützt dieser Verein nicht nur einzelne Vogelarten, sondern hat sich auch dem Arten- und Naturschutz verschrieben. "Wenn man einzelne Tierarten schützen will, muss man die Lebensräume schützen", so begründet der Vorsitzende Horst Guckelsberger diese Ausweitung des ursprünglichen Zwecks. Darum trafen sich zwölf Freunde und Mitglieder des LBV am Samstag zu Biotop-Pflegearbeiten im Westen der KIM. LBV übernimmt Job der Soldaten

Seit mehreren Jahren haben die Umweltschützer praktisch die Aufgabe der Soldaten übernommen und halten die Kiesflächen frei von Bewuchs. Verschiedene bedrohte Arten, die auf der roten Liste stehen, konnten dort erhalten werden. Die Schlingnatter ist eine davon, da diese ungiftige Würgeschlange wenig bewaldete Kiesflächen, die sich durch Sonneneinstrahlung stark erwärmen, benötigt. Gleichzeitig braucht sie als Nahrung Eidechsen, für die deshalb dort Steinhaufen errichtet wurden. Auch die Wechselkröte und die merkwürdig klingende Blauflügelige Ödlandschrecke leben dort. Für die Kröte wurden flache Wasserlachen zum Laichen angelegt und Altholz eingebracht, dessen faulenden Mull die Amphibien ebenfalls brauchen. Kieshänge wurden von Weiden und Fichten befreit, um den Insekten einen Lebensraum zu erhalten.

Wie schon der Name der Ödlandschrecke besagt, benötigt sie ebenfalls magere Grasflächen mit schütterem Bewuchs. Mehrere Stunden arbeiteten die Helfer in dieser kalten Jahreszeit, da sie nur jetzt die Tierarten nicht stören.

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