Bernhard Breitsameter mit Eichen-Setzling auf dem Gelände des Kraillinger Tanklagers
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Unter der fachkundigen Leitung von Forstwirt Bernhard Breitsameter hat sich das Gelände des Kraillinger Tanklagers an der Oberfläche zur Heimat bedrohter Arten entwickelt.

Würmtaler Biotop

Unten Tanklager, oben ein Öko-Paradies

  • Victoria Strachwitz
    VonVictoria Strachwitz
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Die Rote Liste gefährdeter Arten ist leider lang. Im Würmtal gibt es zahlreiche Biotope, in denen vom Aussterben bedrohten Arten mit viel Aufwand geholfen wird, zu überleben. So auch im Kraillinger Tanklager.

Der Begriff Tanklager klingt nicht direkt nach Biotop. Und doch ist das eingezäunte Gelände mit den unterirdischen Tanks im Kreuzlinger Forst ein Hort gefährdeter Tierarten. „Der Vorteil bei uns ist, dass keine Menschen da sind“, sagt Bernhard Breitsameter, Geschäftsführer der G1 Krailling Real Estate GmbH, der das Tanklager gehört. Über 25 Rote-Liste-Tierarten wüssten das zu schätzen und hätten sich im Tanklager niedergelassen. So gibt es auf dem Gelände heute Gebiete von landesweiter, überregionaler und regionaler Bedeutung.

Naturschutz ist nötig, weil die Natur Gesetze hat

Im Gespräch mit Breitsameter stellt sich schnell heraus: Naturschutz ist nicht nur deshalb nötig, weil der Mensch der Natur immer wieder zusetzt, sondern weil die Natur Gesetze hat. „Naturschutz ist eigentlich wider die Natur“, erklärt der Geschäftsführer. Wären alle Menschen weg, wäre die Welt viel monotoner. Interessant für die Artenvielfalt sei es aber genau da, wo alles aufeinandertreffe, Laub- und Nadelwald und Wiese. Und das ist im Tanklager gegeben.

Specht und Ödlandschrecke können im Tanklager nebeneinander existieren

Setze sich Breitsameter für 15 Minuten ruhig an den Wegrand, höre er den gefährdeten Schwarzspecht, ein wenig später könne er ihn dann auch sehen. Das Tier bevorzuge Nadelbäume. In der Schotterebene wären Laubbäume natürlich. Würde man der Natur ihren Lauf lassen, wäre der Schwarzspecht im Tanklager heimatlos. Bräuchte es im Tanklager keine freigeschlagenen Trassen für die Pipeline, würde es nicht nur für den Huflattich zu schattig, sondern auch für viele Tierarten wie Schlingnatter und Schmetterlinge, die sich in der Sonne bewegen. Entlang der Pipeline des Tanklagers bekommen die Tiere, was sie brauchen. Die geflügelte Ödlandschrecke bevorzugt den Kalkmagerrasen, also eine stark bewirtschaftete Fläche. Für sie werde extra Gras gemäht und entfernt. „Damit erhält man diese Sukzessionsstufe“, erklärt Breitsameter. Was er meint, ist: Lasse er das Gras stehen, verfaule es und werde zu Humus. Dadurch werde der Boden an dieser Stelle besser, dann siedle sich der Wald an und: „Auf Wiedersehen Ödlandschrecke“. Unter Umständen wäre das die Rettung für den Schwarzspecht. Ein Glück für die beiden, dass sie auf dem Gelände des Tanklagers leben. So können sie nebeneinander existieren. Der Specht kommt im Nadelwald unter, und der Ödlandschrecke zu Liebe wird der Kalkmagerrasen gemäht.

Die gefährdeten Pflanzen und Tiere sollen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen

Durch seine Eingriffe im Sinne des Naturschutzes schafft Breitsameter also eine Art Tierpark für gefährdete Arten. 2009 sei das Tanklager entsprechend kartiert worden. „Das Interessanteste ist der Kalkmagerrasen“, meint der gelernte Forstwirt. Aktuell werde dieser Rasen von den Mitarbeitern des Tanklagers gepflegt. Breitsameters Ziel ist es aber, Teil des BayernNetzNatur-Programms zu werden. Dieses sehe vor, dass ein Gebietsbetreuer eingesetzt werde. Landkreis Starnberg und Gemeinde Krailling finanzieren dann die Pflegemaßnahmen. Damit bekämen die gefährdeten Arten – Pflanzen wie Tiere – im Tanklager dann noch mehr Aufmerksamkeit.

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