Verein "Wir in Neuried" sucht Verstärkung

Bei Flüchtlingen Vertrauensbasis schaffen

Der Verein „Wir in Neuried“ (WIN) sucht helfende Hände für die Flüchtlingsarbeit.

Bei einem Informationsabend richtete sich der Verein in der Aula der Grundschule gleichermaßen an Mitglieder und Interessierte. Vorgestellt wurden Organisationsform und Tätigkeitsschwerpunkte.

23 Flüchtlinge werden derzeit in der Gemeinde Neuried betreut. Weitere zehn sollen in Kürze dazukommen. „Für donnerstags, im Zeitraum von 18 bis 19.30 Uhr, sucht Eva Kahle noch nach sogenannten „Sprachpaten“. Sie leitet die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Lernen“ und unterstützt gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen insbesondere Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. „Bei dem Donnerstagstermin geht es aber um Erwachsene, die bereits in Integrationskursen lernen, aber noch weitere Unterstützung benötigen“, so Kahle. Die Tätigkeit könnten sich auch mehrere Personen teilen, zum Beispiel in 14-tägigem Wechsel.

Flexibilität signalisierte auch Mechthild Schiffers. Sie organisiert die Patenschaften bei WIN und weiß aus Erfahrung: „Flüchtlingsarbeit kostet viel Zeit, aber von den Menschen kommt sehr viel zurück.“ Sie sucht Helfer, die bei Neuankömmlingen eine Vertrauensbasis schaffen können und Hilfe leisten, wo es nötig ist. Die Möglichkeit zum Engagement gibt es auch in den Arbeitsgemeinschaften „Freizeit“, „Sport“, „Ankunft“, „Gesundheit“ oder „Recht und Arbeit“.

Zur besseren Bewältigung künftiger Herausforderungen hat sich WIN weiter professionalisiert und die internetbasierte Kommunikationsplattform etabliert. „Lale.help“ erleichtert Projektmanagement und Sachspendensuche, sorgt für mehr Transparenz, bietet aber auch geschützte Bereiche, etwa für Zweiergespräche.

Schon einmal habe Neuried eine Flüchtlingswelle gut bewältigt, sagte Markus Crhak, 2. Bürgermeister von Neuried. Er selbst sei Nachkomme von Vertriebenen, die 1946 in dem einstmaligen Bauerndorf in Lastwagen ankamen und schnell integriert wurden. Damals sei die Einwohnerzahl schlagartig von 447 auf 700 angewachsen.

Seine eigene Fluchtgeschichte erzählte der Syrer Ziad Nouri in perfektem Deutsch, der mittlerweile in München eine zweite Heimat gefunden hat. Er sei für 111 Tage ein Gefangener des IS gewesen, bevor ihm die Flucht aus eigener Kraft gelang. „Flucht“ sei neben der Antwort auf die existenzielle Bedrohung auch eine Veränderung, die Chancen bringe. „Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen, für eine Gemeinschaft auf Augenhöhe.“

joe

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