+
„Wie ein weiteres Enkelkind“: Neben alltäglichen Arbeiten sollen die Partner gerne auch im zwischenmenschlichen Bereich aufeinander eingehen.

"Wohnen für Hilfe"

Gratis-WG für Studenten

Ein junger Mensch wohnt mietfrei bei einer Seniorin, hilft im Alltag. Ein Beispiel aus Neuried zeigt, wie bereichernd das für Jung und Alt ist.

Neuried - Seit 20 Jahren bereits vermittelt der Seniorentreff Neuhausen e.V. als Träger der Organisation „Wohnen für Hilfe“ Studenten, Auszubildende und weitere arbeitstätige, junge Erwachsene zur Unterstützung an Senioren-Haushalte. Fast 600 Partnerschaften habe man in dieser Zeit in München und Umgebung auf den Weg gebracht, erzählt Ursula Schneider-Savage, Ansprechpartnerin für das Projekt. 80 davon bestünden derzeit, je 40 in Stadt und Landkreis.

Das Prinzip von „Wohnen für Hilfe“ ist einfach. Anstatt sich im teuren München und dem kaum noch günstigeren Umland eine eigene Wohnung mieten zu müssen, zieht ein junger Mensch bei einem alleinstehenden Senior, einem Rentner-Ehepaar oder teils einer Familie ein und gründet somit in gewisser Weise eine Wohngemeinschaft.

Der Junior bezahlt dabei in erster Linie mit seiner Arbeitskraft, indem er alltägliche Aufgaben wie Rasenmähen, Einkaufen oder Kochen erledigt. „Was für Arbeiten anstehen, wird individuell im Voraus abgemacht“, sagt Schneider-Savage. Eine Stunde pro gemieteten Quadratmeter soll der junge Partner dabei monatlich tätig sein. Einziger monetärer Kostenpunkt ist das Begleichen der anfallenden Nebenkosten. „Es soll ja kein finanzieller Nachteil für die Senioren entstehen“, so die Sozialpädagogin.

Der Weg bis zum Zusammenschluss der Wohngemeinschaft ist stets gleich. Nach persönlichen Gesprächen und Informationsbeschaffung über die Interessierten, trifft das Team um Schneider-Savage eine Vorauswahl von mindestens drei jungen Bewerbern, die sich beim Senior vorstellen. „Es ist sehr wichtig, dass es für beide Parteien passt“, sagt Schneider-Savage. Bei beidseitiger Zustimmung beginnt das vierwöchige Probe-Wohnen, im Normalfall folgt anschließend die Fortführung der WG. Mindestdauer einer solchen Partnerschaft ist ein Jahr. So könne man sich aufeinander einstellen und müsse sich nicht ständig umgewöhnen, meint die Sozialpädagogin. Auch während des Zusammenlebens stehe die Trägerschaft als Ansprechpartner bereit und stünde in regelmäßigem Kontakt mit den Projekt-Teilnehmern.

Ein Parade-Beispiel für „Wohnen für Hilfe“ ist die Seniorin Antonia Roos, eine von drei am Projekt teilnehmenden Rentnern aus Neuried. Auch sie befand sich über ein halbes Jahr in einer Partnerschaft, ehe ihre Mitbewohnerin, eine Studentin, aus gesundheitlichen Gründen kürzlich auszog. „Es hat damals auf Anhieb funktioniert. Nach einer gewissen Zeit war sie für mich wie ein weiteres Enkelkind“, erklärt Roos. Nun ist sie auf der Suche nach einer Nachfolgerin.

Schneider-Savage ist zuversichtlich, schon bald erneut jemanden nach Neuried vermitteln zu können. Die Nachfrage speziell von Studenten sei groß: „Unser Hauptanliegen ist es, Senioren zu finden. Die Jungen kommen von alleine.“ Doch warnt sie vor überzogenen Erwartungen: „Es geht nicht um Pflege, sondern nur um Alltagsversorgung.“

Interessenten können sich jederzeit beim Seniorentreff Neuhausen melden. Ansprechpartner sind Ursula Schneider-Savage für den Landkreis und Brigitte Tauer für die Stadt München. Telefonisch ist die Trägerschaft über 13 92 84 19-20 erreichbar, per Fax über die Durchwahl -05. Auch eine Kontaktaufnahme per E-Mail ist möglich: wfh@seniorentreff-neuhausen.de.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gräfelfinger heiß auf Geothermie
Eine Marktanalyse hat gezeigt: die Gräfelfinger stehen der Geothermie in Form von Fernwärme für Privathaushalte und Unternehmen äußerst aufgeschlossen gegenüber. Das …
Gräfelfinger heiß auf Geothermie
„Keine Gefahrenzone an der Würm“
Es bleibt dabei: Die Gemeinde Gräfelfing verzichtet darauf, einen Sicherheitsdienst für die Liegewiese am Anger zu engagieren. Eine 13:10-Mehrheit des Gemeinderates sah …
„Keine Gefahrenzone an der Würm“
Müller-BBM wächst weiter
Sieben Jahre nach der letzten Erweiterung plant Müller-BBM ein weiteres Bürogebäude am Stammsitz Planegg. Für weitere Bauabschnitte gibt es schon Überlegungen.
Müller-BBM wächst weiter
Deutscher Pass beliebter denn je
Die Deutsche Staatsbürgerschaft erfreut sich in der Region wachsender Beliebtheit. Auch bei Briten. Im Würmtal halten sie sich aber noch zurück.
Deutscher Pass beliebter denn je

Kommentare