Haushalt verabschiedet

Vereinszuschüsse um 20 Prozent gekürzt

  • Andreas Deny
    vonAndreas Deny
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Der Haushalt 2021 der Gemeinde Krailling steht angesichts der Corona-Krise und der wirtschaftlichen Entwicklung unter striktem Sparzwang. Zuschüsse für örtliche Vereine werden durch die Bank gesenkt.

Für den Erweiterungsbau des Feodor-Lynen-Gymnasiums sind im Kraillinger Haushalt 520 000 Euro veranschlagt.

Krailling – Von Zeiten, als die Gewerbesteuer noch Einnahmen bis zu 15 Millionen Euro in die Gemeindekasse spülte, kann Kämmerer Michael Aßmus nur träumen. Knapp 4 Millionen waren es im Vorjahr, und auch heuer rechnet Aßmus nicht mit mehr, wie er bei der Verabschiedung des Haushalts am Dienstag deutlich machte.

Eventuelle Kreditaufnahme

Der Etat 2021 hat ein Volumen von 30,3 Millionen Euro und damit um 31 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies liegt vor allem an dem 2. Bauabschnitt für die Neugestaltung der Ortsmitte und dem eventuellen Kauf von Grundstücken, für die eine Kreditaufnahme in Höhe von 3,6 Millionen Euro erforderlich wäre. Es gebe hierfür „mehrere Fallkonstruktionen“, sagte Aßmus im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Gemeinde verschuldet sich nicht zwingend“, so der Kämmerer in der Sitzung. Nähere Angaben wollte er nicht machen.

Veränderte Schlüsselzahlen

Bei den Einnahmen aus Steuern und Zuweisungen rechnet der Kämmerer mit einem Minus von 1,7 Mio. Euro (-11 %) im Vergleich zum Vorjahr. Die Einkommensteuerbeteiligung dürfte auf 670 000 Euro sinken, was auch auf eine Reduzierung der Schlüsselzahl hinsichtlich der Aufteilung zurückzuführen ist. Mehr dürfte die Gemeinde dafür aus der Beteiligung an der Umsatzsteuer erlösen (885 000 Euro), da sich hier im Gegenzug die Schlüsselzahl erhöht hat. Die Einnahmen aus der Grundsteuer B sind wie im Vorjahr mit rund 1,1 Mio. Euro veranschlagt.

Kreisumlage belastet Haushalt schwer

An den Landkreis Starnberg wird Krailling heuer voraussichtlich 5,8 Mio. Euro abführen müssen. Viel Geld soll in den Tiefbau investiert werden. Von den veranschlagten 3,56 Mio. entfällt der Löwenanteil mit 2,86 Mio. auf die Umgestaltung der Ortsmitte; hierfür werden aber Fördergelder von 900 000 Euro erwartet. Hohe Kosten fallen auch für die Beteiligung am geplanten Erweiterungsbau des Planegger Feodor-Lynen-Gymnasiums (520 000 Euro) und die Sanierung der Würmtal-Realschule in Gauting (120 000 Euro) an. Um den Haushalt auszugleichen, muss die Gemeinde heuer 5,9 Mio. Euro aus der Rücklage entnehmen. Diese sinkt bis Jahresende auf 420 000 Euro.

4 Millionen-Überraschung vor Weihnachten

Die wirtschaftliche Entwicklung schaue nicht gut aus, sagte Aßmus, angesichts von Corona müsse man auf Sicht fahren. Zusätzliche Einnahmen, auch im Hinblick auf die Finanzierung der Grundschulsanierung, ließen sich nur über die Veräußerung von Liegenschaften generieren. Mit einer Weihnachtsüberraschung wie im Dezember letzten Jahres rechnet er jedenfalls nicht. Zur Kompensation von Ausfällen bei der Gewerbesteuer hatte die Gemeinde, berechnet aus Einnahmen vergangener Jahre, von Bund und Freistaat 4 Mio. Euro erhalten. „Das hat uns das Jahresergebnis gerettet“, so Aßmus; rund 2 Mio. Euro wird man aber 2022 an den Landkreis abgeben müssen.

Ausnahme Musikschule

Aufgrund des Sparkurses der Gemeinde müssen auch die Vereine kräftige Einbußen hinnehmen. Die beantragten Zuschüsse wurden generell um 20 Prozent gekürzt. Ausgenommen war die Musikschule Planegg, für die 170 000 Euro in den Haushalt eingestellt werden.

Kritik an hohem Bücherei-Defizit

Rudolf Heidrich (FBK) kritisierte das enorme Defizit der Gemeindebücherei in Höhe von 335 000 Euro. „Wir müssen aufhören mit den Wohltätigkeitsleistungen und den Bürger angemessen beteiligen“, forderte Heidrich, der als einziger dem Haushalt die Zustimmung versagte. Stephan Bock (SPD) sprach sich angesichts der Pandemie dafür aus, kulturelle Initiativen wie etwa das Café Paletti zu unterstützen, um der Gemeinde wieder Leben einzuhauchen. Es sei hilfreich, wenn sich Bürger über Sponsoring an einigen Aufgaben der Gemeinde, etwa im Kulturbereich, beteiligten, meinte Sebastian Sefzig (FDP). Andrea Schulte-Krauss (Grüne) monierte, dass die Haushaltsberatungen fast ausschließlich hinter verschlossenen Türen stattgefunden hatten. „Wir müssen das künftig öffentlicher machen.“

Rubriklistenbild: © Hirner und Riehl Architekten

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