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Gut aufeinander abgestimmt: Anne Schätz am Piano und Christian Jüttendonk am Cello beim Vortrag von Felix Mendelssohns Sonate D-Dur.

Gedenkkonzert

Verneigung vor einer begnadeten Pianistin

Gräfelfing -  Ehemalige Schüler und Kollegen erinnerten mit einem Gedenkkonzert an die begnadete Pianistin Hildegard Müller-Besemann.

In Glückstadt als Tochter eines Amateurpianisten geboren, studierte sie in Hamburg Schulmusik und ab 1960 an der Musikhochschule München bei Maria Landes-Hindemith und Rosl Schmid. Seit 1968 wirkte sie als freischaffende Klavierpädagogin in Gräfelfing und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Jugendmusikschule. Ab den 1970er Jahren im Vorstand des Tonkünstlerverbandes organisierte sie Konzerte bei den „Tagen der Hausmusik“. Seit den 1980er Jahren war sie Jury-Mitglied bei „Jugend musiziert“ und beim „Karl-Lang-Klavierwettbewerb“. Da sich sogar Kollegen von ihr beraten ließen, hielt sie ab 1985 Fortbildungsseminare für Klavierlehrer ab. Dank ihrer besonderen pädagogischen Befähigung erhielten viele von ihr Unterrichtete bei Wettbewerben Auszeichnungen und Preise.

Den Reigen der Schüler und Enkelschüler eröffnete Willi Huber, der jährlich zweimal bei sich in Neuaubing zum Müller-Besemann-Stammtisch einlädt, mit Anton Arenski‘s Prélude op. 36/1 (1894) im Wechsel machtvoller Akkorde und kleinerer arpeggierter Phrasen.

Als dann Sylvia Hewig-Tröscher, Professorin an der Hochschule für Musik und Theater in München, Schumanns Drei Romanzen spielte und Constantin Becker, der ebenda studiert, Chopins Ballade g-Moll, konnte man den generationenübergreifenden Umfang des Müller-Besemann-Kreises ahnen. In Art der Minimal Music wiederholte die Pianistin und Komponistin Laura Konjetzky in ihrem Nocturne Nr. 3 (2013) Töne und Akkorde, launiges Arpeggio und Dissonanzen inbegriffen.

Mit Christian Jüttendonk (Cello) spielte Anne Schätz gut abgestimmt das Allegro assai vivace aus Mendelssohns Sonate D-Dur, erneuter Beweis der Vielseitigkeit des Schülerkreises. In Teil zwei rundete die Musikstudentin Anna Buchberger die Romantik-Auslese mit Chopins „Andante spianato e Grande Polonaise brillante“ ab, auch ohne die originale Orchesterbegleitung als Kabinettstück virtuoser Bravour zu erkennen.

Von Max Regers vierhändigen „Walzern“ op. 22 (1898) boten Linde Dietl und Anne Schätz eine Kostprobe, freundlicher Ausklang der Romantik. Als einzige Amateurin des Konzerts spielte Monika Leps Unterhaltsames von rhythmischem Reiz, eine Rhythmus-Gruppe würzte den kubanischen „Buena Vista Social Club“.

Mit Hits wie „It’s impossible“ bereitete Huber das Finale vor, Alberto Ginasteras 1. Sonate“ (1952), die Jakob Fichert gestaltete. Energisch bis in den Bass hämmerte er die Rhythmen des Allegro marcato. Ließe sich das als kämpferisch verstehen oder als freudig, so scheinen die folgenden pastoralen Klangfarben von Tänzen der Kreolen beeinflusst. Davon unterschied Fichert das Presto misterioso mit Akkordbrechungen beider Hände und überraschenden Wendungen, geheimnisvoll wie der Satztitel. Nachdrücklich musizierte er das Adagio molto appassionato, eine Art Rhapsodie mit teils vereinzelten Tönen. Ähnelte das „Ruvido ed ostinato“ einer Toccata, so brachte er einmal mehr Klangfarben zur Wirkung und endete, wie vorgeschrieben, mit voller Kraft. Bravorufe und Beifallsstürme, wie teils schon zuvor.

Arno Preiser

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