In der Mensa des Biozentrums herrscht bereits heute großer Andrang. Wenn das BMC fertiggestellt ist (im Hintergrund), wächst der Campus um 2000 Studenten. foto: höfle

Versorgungslücke für 2000 Studenten: Freistaat verschläft Mensa-Bau für BMC

Martinsried - Auf dem Campus Martinsried rumort es. Der Freistaat hat bei den Planungen für das Biomedizinische Zentrum (BMC) den Bau einer Mensa verschlafen.

Horst Seehofer war voll des Lobes. Als „Paradebeispiel bayerischer Wissenschafts- und auch Wirtschaftspolitik“ bezeichnete der bayerische Ministerpräsident im Oktober 2011 den Bau des Biomedizinischen Zentrums (BMC) in Martinsried. In Wahrheit ist das Vorgehen des Landes ein Paradebeispiel für staatliches Versagen. Denn neben die nach wie vor ungeklärte U-Bahnverlängerung (wir berichteten) gesellt sich nun ein zweites schwerwiegendes Problem. Bei der Planung des bis zu 2000 Studenten fassenden, 125 Millionen Euro teuren Forschungsbaus verzichtete der Freistaat auf eine Mensa. Und dies mit voller Absicht. Der haarsträubende Plan der Universität und des Staatlichen Bauamts: Die Studenten sollen die Mensa des Biozentrums mitbenutzen. Diese umfasst 350 Sitzplätze und war 2008 gebaut worden. Von dem Essens-Angebot machen in der auf 1500 Personen angelegten Einrichtung die Studenten der Biologie und Zoologie regen Gebrauch - Warteschlangen an den Essensausgaben und beengte Platzverhältnisse sind die Regel.

Wie kam die LMU auf die Idee, dass die bereits ausgelastete Mensa des Biozentrums zusätzlich 2000 Studenten des BMC aufnehmen könnte? „Es war für uns und das Studentenwerk eine Überraschung, dass die Mensa so gut angenommen wurde“, sagt Jutta Peinkofer, Leiterin des Planungs- und Baureferats der Ludwig-Maximilians-Universität. Die Essenszahlen seien viel höher, als bei der Eröffnung der Mensa angenommen. Obwohl dies bereits kurz nach Einweihung feststand, änderte das Staatliche Bauamt nichts an seinen Plänen für das BMC, nach dem Motto: Augen zu und durch.

Inzwischen hat bei den Verantwortlichen aber ein Umdenken stattgefunden. Mit Hochdruck arbeitet das Staatliche Bauamt an Plänen für eine Erweiterung oder einen Mensa-Neubau. „Wir haben konkrete Vorstellungen“, sagt Peinkofer, will diese aber nicht öffentlich benennen.

Weit fortgeschritten sind die Pläne aber allem Anschein nach nicht, denn die Gemeinde Planegg hat keine Kenntnis davon. „Da sind wir nicht eingeweiht. Aber das freut die Einzelhändler“, sagt Bürgermeisterin Annemarie Detsch über die Studenten, die ab dem kommenden Herbst mittags hungrig durch Martinsried streifen dürften.

Die LMU will Ende des Jahres mit den Plänen für eine neue Mensa oder eine Erweiterung beim Wissenschaftsministerium vorstellig werden. Die Uni stellt sich auf ein langwieriges Verfahren ein, denn: „Das wird viel Geld kosten“, so Jutta Peinkofer. Während der jahrelangen Übergangsphase sollen sich die Akademiker und Doktoren in spe an mobilen Essensständen vor dem Biomedizinischen Zentrum verköstigen, sommers wie winters, so der neueste Plan der LMU. Dies dürfte im internationalen Vergleich, bei dem das BMC und der „High-Tech-Campus“ nach Ansicht der bayerischen Politik zur Weltspitze zählen, tatsächlich einmalig sein.

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