Verteidigung fordert Bewährungsstrafe

Krailling - Im Technosan-Prozess fordern die Verteidiger des Hauptangeklagten eine geringe Bewährungsstrafe für Firmengründer Alexander Czetsch.

Mit den Plädoyers der Verteidigung ist am Donnerstag vor dem Landgericht München II der Technosan-Prozess fortgesetzt worden. Während die Staatsanwaltschaft für den Hauptangeklagten Alexander Czetsch eine hohe Haftstrafe fordert - wegen Betrugs in Millionenhöhe, unerlaubten Umgangs mit Abfällen, illegalen Waffenbesitzes und Sozialversicherungsbetrugs - kommen die Anwälte des Gründers und ehemaligen Geschäftsführers des Kraillinger Entsorgungsunternehmens Technosan zu einem gänzlich anderen Würdigung der Beweisaufnahme.

Czetschs Anwälte gestanden zwar zu, dass Technosan möglicherweise gegen, ihrer Meinung nach unübersichtliche und teils widersprüchliche, Verwaltungsvorschriften verstoßen habe. Man habe sich aus Kostengründen gezwungen gesehen, die Vorschriften auszureizen, weil dies auch bei der Konkurrenz Usus gewesen sei. Vorschriftswidrige Ablagerungen auf ungeeigneten Deponien hätten sich in 18 Monaten Hauptverhandlung aber nicht nachweisen lassen.

Auch ein Betrug liege nicht vor, weil die Auftraggeber sich für die tatsächlichen Aufbereitungskosten nicht interessiert hätten. Die Kunden, darunter die Deutsche Bahn, Baufirmen und Chemiebetriebe, hätten lediglich die Abfälle und die Verantwortung für diese los werden wollen.

Damit würden aus der Anklage lediglich der illegale Besitz einer halbautomatischen Pistole und die Beschäftigung des mitangeklagten Betriebsleiters als Scheinselbstständiger übrig bleiben. Dafür seien acht Monate Bewährung und eine Geldstrafe angemessen. Sollte das Gericht dennoch von Umweltvergehen und Betrug ausgehen, sei die Strafe auf maximal drei Jahre und zehn Monate festzusetzen. Die finanziellen und privaten Folgen des Prozesses seien ohnehin schlimm genug. Dazu komme eine enorme Fallhöhe, weil Czetsch auch durch Ausübung diverser Ehrenämter eine angesehene Person gewesen sei.

Czetsch war unter anderem Sprecher der Firmen im Kraillinger Gewerbegebiet KIM und Vorsitzender mehrerer Ausschüsse, unter anderem bei der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Er hatte am Donnerstag gesagt, er habe bereits in seinen anfänglichen Ausführungen darauf hingewiesen, dass vieles anders gewesen sei, als von der Staatsanwaltschaft behauptet. Er bedauere, dass es überhaupt zu dem Strafverfahren gekommen sei.

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