Verzicht auf Zuschüsse: Neues Feuerwehr-Fahrzeug für 450 000 Euro

Gräfelfing - Die Feuerwehr Gräfelfing erhält 2014 ein neues Spezialfahrzeug. Die Gemeinde finanziert es - und nimmt es sogar in Kauf, dass es keine staatlichen Zuschüsse geben wird.

Der Hauptausschuss des Gemeinderates brauchte gerade mal zehn Minuten, um der Ausgabe in Höhe von rund 450 000 Euro zuzustimmen; eine Diskussion gab es nicht. Die Feuerwehr hatte ihren Wunsch gut dokumentiert aufbereitet, Vize-Kommandant und BVGL-Gemeinderat Florian Renner ihn in der Sitzung erläutert. Der Fall zeigt exemplarisch, wie groß das Vertrauen ist, das die Gemeinderäte der Feuerwehr entgegenbringen.

Die Neuanschaffung, für deren Kaufpreis man 22 gut ausgestattete VW Golf bekommen könnte, ist ein neuartiger Zwitter. Zum einen ersetzt das „LF 20 Logistik“ ein Löschgruppenfahrzeug LF 16 von 1989, mit größerem Tank (2000 Liter) und fest eingebauter Kreiselpumpe.

Darüber hinaus jedoch bietet es die Vorzüge eines Logistik-Fahrzeugs: Es verfügt über eine Hebebühne im Heck, mit der die drei Rollcontainer, die auf der Ladefläche Platz haben, binnen Minuten ausgetauscht werden können. Die Feuerwehr hat für jede Einsatzart (zum Beispiel Hochwasser, Sturm, Chemieunfall, Verkehrsunfall, Radioaktivität) die benötigten Gerätschaften in jeweils einen Container gepackt. Weil die Einsatzvielfalt stark zugenommen hat, könnten diese Hilfsmittel längst nicht mehr alle ständig mitgeführt werden. Das Logistikfahrzeug erlaubt eine rasche, vollständige Ausstattung. Eine Notwendigkeit, die die Feuerwehr ansonsten nach eigener Darstellung durch ein zweites neues Fahrzeug hätte abdecken müssen.

Diese Einsicht hat freilich noch nicht das staatliche Zuschusswesen erreicht: Zwitterfahrzeuge wie dieses sind nicht zuschussfähig, auch nicht nach konkreter Prüfung auf Gräfelfinger Antrag. Der Grund: Angst vor einer Präzedenzfall-Wirkung. Bürgermeister Christoph Göbel konnte sich in der Sitzung die süffisante Bemerkung nicht verkneifen, dass der Staat hingegen bereit sei, statt des einen Kombi-Fahrzeugs zwei unterschiedliche Fahrzeuge zu bezuschussen - und auch den dann benötigten Anbau am Gerätehaus. Göbel: „Mit diesem einen Fahrzeug fährt die öffentliche Hand eindeutig günstiger.“

Allerdings auf Kosten der Gemeinde, die auf den Zuschuss von rund 75 000 Euro verzichtet. Nachdem der Feuerwehr-Verein 50 000 Euro beisteuert, dürften an der Kommune Kosten von 400 000 Euro hängen bleiben. Wie hoch sie genau sein werden, muss die europaweite Ausschreibung ergeben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ehrliche Finder im Würmtal gut beschäftigt
Ehrliche Finder im Würmtal gut beschäftigt
Otto Götz lockt SPD-Kreisräte nach Karlsruhe
Otto Götz lockt SPD-Kreisräte nach Karlsruhe
Vom Studiendirektor zum Verbandsvorsitzenden
Vom Studiendirektor zum Verbandsvorsitzenden
Glasskulpturen gehen als Leihgabe an Altbürgermeister Otto Götz
Glasskulpturen gehen als Leihgabe an Altbürgermeister Otto Götz

Kommentare