Stefan Osterath im Hotel Asemann in Planegg.
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Stefan Osterath vom Hotel Asemann in Planegg ist froh, wieder Buchungen von Touristen entgegennehmen zu dürfen. Für den Sommer gibt es einige Anfragen.

Auch nach Lockerung der Corona-Maßnahmen

Viele Hotelzimmer bleiben leer

Hotels im Würmtal dürfen wieder Touristen empfangen. Massenweise Buchungen, voll belegte Zimmer und viele rollende Koffer blieben bisher allerdings aus. Ein Aufschwung ist noch nicht in Sicht.

Würmtal – Pünktlich zu den Pfingstferien durften die Hotels im Würmtal wieder für Touristen öffnen. „Wenn es jetzt nicht losgegangen wäre, wäre es für uns bedrohlich geworden“, erzählt Stefan Osterath, der mit seiner Frau Alexandra Osterath das Hotel Asemann in Planegg betreibt. „Unsere Rücklagen sind aufgebraucht.“ Seit November durften Übernachtungsangebote nur aus geschäftlichen oder sonstigen triftigen Gründen gebucht werden.

Gäste, die für eine Städtereise, einen Besuch auf der Wiesn oder zu einem großen Fest wie Hochzeit, Kommunion oder Firmung anreisen, fielen coronabedingt weg. „Unsere Verluste sind immens“, sagt Stefan Osterath: „Im Vergleich zu 2019 haben wir seit Beginn der Pandemie etwa 70 Prozent weniger Umsatz gemacht.“ Mitarbeiter mussten sie aber keine entlassen. „Das Personal konnten wir durch die Kurzarbeit halten.“

Buchungen gehen langsam wieder los

Nach sechseinhalb Monaten mit rotierenden und verkürzten Arbeitszeiten habe sich das Team sehr gefreut, dass nun wieder mehr zu tun ist. An Pfingsten sei es immer relativ ruhig im Hotel Asemann. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 sei das Hotel derzeit etwa ein Viertel weniger ausgebucht. Doch für den Sommer habe er schon einige Anfragen, nicht nur von Privatpersonen, auch Geschäftsleute kämen jetzt wieder mehr. Eines steht für Stefan Osterath allerdings fest: Da die Wiesn erneut abgesagt ist, werden im Herbst viele Buchungen ausbleiben.

Weniger Umsätze durch Wiesn-Absage

Das abgesagte Oktoberfest bereitet auch Anke Bianco, Mitinhaberin des Planegger Hotels und Restaurants La Terrazza, Sorgen. „Die Wiesn war für uns eine Hauptsaison.“ Diese Einnahmen fallen nun zum zweiten Mal in Folge aus. Und die Verluste, die der Planegger Hotelbetrieb seit der Pandemie erleidet, sind laut Bianco „sehr stark“. Essen zum Mitnehmen durfte das La Terazza zwar auch während der Bundesnotbremse weiterhin anbieten, doch das sei „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ gewesen. So hält sich der Betrieb weiterhin mit Rücklagen über Wasser. Finanzielle Unterstützung vom Staat gibt es, doch wurde die Novemberhilfe beispielsweise erst im März ausgezahlt.

 Hoffnung auf mehr Gäste im Sommer

Bisher habe noch sich nicht viel geändert: Geschäftsleute würden weiterhin Zimmer buchen, Anfragen von Privatpersonen gebe es bisher nur wenige. Für einen Pfingsturlaub war die Wiederöffnung der Hotels zu kurzfristig angelegt, sagt Bianco. Zudem seien einige Gäste bei den sich ständig ändernden Corona-Bestimmungen weiterhin verunsichert, unter welchen Bedingungen und mit wie vielen Leuten sie überhaupt in ein Hotel dürften. „Wir hoffen, dass es zum Sommer besser wird“, sagt Bianco.

Andreas Weissenfeld, Inhaber des Würmtaler Gästehauses in Gräfelfing, geht es ähnlich: Über Pfingsten kamen nur wenige Touristen in sein Hotel. Jetzt, da das Wetter besser wird, die Biergärten öffnen und die Corona-Regeln immer lockerer werden, würden allmählich mehr private Buchungen kommen.

Verluste hat auch er zu verzeichnen. „Im Vergleich zu 2019 sind es mindestens 50 bis 80 Prozent weniger Umsatz“, erzählt Weissenfeld. Die sogenannten Corona-Hilfen vom Staat hat er nicht beantragt, das sei ein zu großer bürokratischer Aufwand. Unabhängig davon bekommt er Kurzarbeitergeld für seine Mitarbeiter. Auf dieses warte er zwar oft lange und strecke das Geld bis dahin für das Personal vor – doch müsse er so wenigstens niemanden entlassen. Dass die Wiesn ausfällt, trifft auch Andreas Weissenfeld hart – die Monate September und Oktober waren für ihn immer Hauptsaison. Schlimmer sei aber, dass durch das vermehrte Arbeiten daheim auch weiterhin viele Geschäftsleute als Gäste fehlten. Hinzu kommt die Angst, dass das Virus bei kühleren Temperaturen im Herbst wieder vermehrt kursieren könnte.

Zukunfstprognose: „Keine Besserung in Sicht“

Als „Katastrophe“ beschreibt Gioacchino Dimaggio die Lage in seinem Hotel und Restaurant Dolce Vita in Gräfelfing. Rund 90 Prozent Verluste musste er bisher hinnehmen. Auf die Auszahlung der Dezemberhilfe vom Staat wartet er noch immer. Touristische Gäste habe er trotz der Wiederöffnung nur wenige, und seine zwei Mitarbeiter müssen weiterhin in Kurzarbeit bleiben. „Solange keine Messen, keine Wiesn, keine Kongresse, keine Schulungen und keine größeren Feiern stattfinden können, ist keine Besserung in Sicht“, sagt Dimaggio. „Wer soll denn unter diesen Umständen kommen?“ Die Angst vor dem Virus liege schließlich immer noch in der Luft. Sollte sich die Lage nicht bald bessern, überlegt er sein Hotel zu schließen. Lara Listl

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