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Die Informationsveranstaltung der Vonovia-Mieter vom Haderner Wi nkel war gut besucht; der Unmut über den Eigentümer ist unter den Mietern offenbar weit verbreitet.

„Absonderliche Kostensteigerungen“

Vonovia-Mieter wollen sich wehren

Schon lange ärgern sich Mieter der Neurieder Wohnanlage am Haderner Winkel über ihren Vermieter, die Vonovia. Jetzt gab es eine große Informationsveranstaltung, um die gemeinsamen Interessen der Mieter zu bündeln.

Neuried – „Mieter haben nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte“, rief Mietersprecherin Monika Kohut gleich zu Beginn den rund 80 Mietern, die sich am Freitagabend in der Aula der Grundschule versammelt hatten, entgegen. Konkret laufen einige Mieter seit Monaten Sturm gegen die Abrechnungspraxis bei den Nebenkosten (wir berichteten) der Vonovia – einem große Dax-notierten Wohnungskonzern mit Sitz in Bochum, der mehr als 350 000 Wohnungen in Deutschland, davon allein in Neuried rund 400, verwaltet.

Auf Einladung Kohuts fasste Rechtsanwalt Josef Vilsmeier noch einmal die Beschwerden der Mieter am Haderner Winkel zusammen. Primär gehe es um die unstimmigen Abrechnungen der Betriebskosten, wobei er den Fokus insbesondere auf die fehlerhaften Flächenangaben legte. „Der Kostenanteil bemisst sich am Verhältnis der Wohnfläche zu der Gesamtfläche“, erklärte Vilsmeier. Hier habe die Vonovia einen Kardinalfehler begangen, indem sie die Gesamtfläche zu gering angesetzt habe und damit der einzelne Mieter mehr als nötig habe bezahlen müssen.

Was die Bewohner jedoch am meisten aufbringe, so Vilsmeier, seien abgerechnete Kosten, die gar nicht auf alle Mietparteien hätten umgelegt werden dürfen. Das seien etwa Wartungskosten für Aufzüge und Rauchabzugsklappen, die sich nur in einem Teil des Wohnquartiers befinden. Auch Gartenarbeiten, wie beispielsweise eine Baumfällung, die lediglich auf Wunsch eines Mieters passierte, aber von allen kostenpflichtig mitgetragen werden musste, bezeichnete der Anwalt als unzulässig.

Gerd Stimmelmaier, langjähriger Mieter am Drosselweg, beklagte explizit die drastische Kostensteigerung beim Müllmanagement. „Im Abrechnungszeitraum von 2015 auf 2016 gab es eine prozentuale Steigerung von über 40 Prozent“, so Stimmelmaier. Und diese Steigerung beziehe sich lediglich auf einen von der Vonovia beauftragten Dienstleister, der zur Aufgabe habe, die Tonnen für die Müllabfuhr auf die Straße zu stellen und nach Leerung wieder wegzuräumen.

Andreas Kreipe beschwerte sich dagegen über das Kabelfernsehen, das seit 2014, dem Jahr, in dem die Vonovia die Anlage von der DeWAG übernahm, um über 20 Prozent teurer geworden sei. Kreipe lebt seit zehn Jahren im Lerchenweg und will diese „absonderlichen Steigerungen“ so nicht hinnehmen, wie er sagte. Ihm gehe es einfach ums Prinzip, obwohl es bislang seiner Meinung nach keinen Ansatzpunkt gebe, die Vonovia zu verklagen. Die Schwierigkeit liege in der Beweispflicht: „Die bescheißen, aber legal.“

Das sieht Rechtsberater Josef Vilsmeier etwas anders. Er riet den Mietern, zügig nach Erhalt der Betriebskostenabrechnung Belegeinsicht zu beantragen. „Wenn sich die Vonovia weigert, haben Sie immer noch als Druckmittel ein Zurückbehaltungsrecht der Kostenzahlung und als Ultima Ratio die Klage. Haben Sie keine Angst vor Kündigung.“ In anderen Fällen, sprich bei anderen Wohnanlagen, deren Mieter ebenfalls im Clinch mit dem Wohnungskonzern liegen, übermittelte die Vonovia zwar die geforderten Belege. Allerdings seien dort die Anwaltskanzleien regelrecht mit hunderten von Seiten „zugemüllt“ worden, sagte Mietersprecherin Kohut. Reine Zermürbungstaktik, um die Kanzlei lahm zulegen und damit die Anwaltskosten in die Höhe zu treiben, so die Meinung von Kohut. Das habe System.

Nach zweistündigem Informationsaustausch beendete Monika Kohut die Veranstaltung verbunden mit der Hoffnung, dass sich die Mieter zusammenschließen, um gemeinsam vorzugehen.

Carolin Högel

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