Der 200 Kilogramm schwere Bronzestier ist inzwischen vor der Kraillinger Metzgerei an der Wand angeschraubt.
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Der 200 Kilogramm schwere Bronzestier ist inzwischen vor der Kraillinger Metzgerei angekettet und an der Wand angeschraubt.

Bronzeskulptur verletzte Kind schwer

War 200 Kilogramm schwerer Stier nicht genug gesichert?

  • Nina Praun
    vonNina Praun
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Ein Metzger hat vor seinem Laden einen Stier aufgestellt: eine massive Bronzestatue. Bei einem Unfall kippte das Tier und fiel auf die Hand eines Buben, der klagte auf Schadensersatz. Am Münchner Oberlandesgericht wurde nun über die „Verkehrssicherheit“ des Stiers gestritten.

  • Gerichtsverhandlung wegen Schmerzensgeld
  • 200 Kilogramm schwerer Bronzestier stürzt auf Kind und verletzt dies schwer.
  • Vergleich abgelehnt

Krailling/München – Vor neun Jahren hat ein Metzger aus Krailling (Landkreis Starnberg) einen Stier vor seinem Laden aufgestellt, zum Werbezweck. Keinen echten – sondern eine Bronzeskulptur; ein massives Ding, 80 Zentimeter hoch, 130 Zentimeter lang, und etwa 200 Kilogramm schwer. Ob diese Statue „verkehrssicher“ ist, darum ging es gestern Nachmittag bei einer mündlichen Verhandlung am Oberlandesgericht (OLG) München. Denn genau dieser Stier ist vor vier Jahren umgekippt und hat dabei die Hand eines sechsjährigen Buben eingequetscht; es musste ein Teil eines Fingers amputiert werden. Der Bub und sein Vater klagten auf Schadensersatz.

Richterin fuhr selbst nach Krailling

Doch das Landgericht München II entschied im März, diese Klage abzuweisen. Die Klägerseite hatte erklärt, dass sich der Bub gegen die Skulptur gelehnt hatte und die umgekippt sei; nachdem die Richterin selbst nach Krailling gefahren und sich den Stier angeschaut hatte, war sie zu dem Urteil gekommen, dass der Bub sich vermutlich nicht nur angelehnt, sondern auch auf der Skulptur gespielt hatte.

Doch genau diese Urteilsbegründung spielte am OLG gar keine Rolle – hier war der Streit gelandet, nachdem Vater und Sohn in Berufung gegangen waren. Im Gegenteil: Alle Beteiligten schienen gar nicht daran zu zweifeln, dass das Kind vermutlich auf der Statue geturnt hatte; auch Thomas Steiner, Vorsitzender Richter des 1. Zivilsenats, nicht. Doch er und seine Kollegen kamen zu einer ganz anderen Einschätzung als die erste Instanz: „Wenn man so ein Tier aufstellt, muss man damit rechnen, dass Kinder darauf herumturnen“, erklärte Steiner. Und: „Wenn man mit so etwas rechnen muss, dann ist man dafür verantwortlich.“ Die einzige Frage, die also zu klären war, lautete: „War der Stier verkehrssicher?“ Steiner beantwortete sie mit: wohl nicht. Sein Senat war der Meinung, dass „die Figur gegen ein Umkippen hätte gesichert werden müssen“.

Stier mit Fußfessel an die Wand geschraubt

Nun ist der Stier mittlerweile mit einer Art Fußfessel an die Wand geschraubt worden; aber eben erst nach dem Vorfall – damit so etwas nicht noch einmal passiere, erklärte der Metzger vor Gericht. Aus Sicht des Metzgers und seiner Anwältin war solch eine Sicherung aber eigentlich gar nicht nötig; der Stier sei so schwer, dass er kaum zu kippen sei. Die Anwältin sah dagegen eher ein Mitverschulden der Großmutter des Buben, die bei dem Unfall in der Nähe gewesen war. Es folgte eine Diskussion über Schwerpunkte, Steinsockel und die Kipp- oder Unkippbarkeit von Bronzeskulpturen.

Vergleich angeboten: 7500 Euro Schmerzensgeld

Der Vorsitzende Richter aber machte keinen Hehl daraus, dass er finde, dass der Beklagte auf den Vergleich eingehen solle, der ihm vor der Verhandlung schon angeboten worden war: 7500 Euro Schmerzensgeld – die sowieso von der Versicherung gezahlt werden. Ansonsten müsste er „damit rechnen, dass ein Urteil gefällt wird, das verurteilt“. Und es werde die Schmerzensgeldhöhe, die im Ermessen der Richter liegt, steigen – denn man habe den Bub extra vor Gericht „gezerrt“. Die Anwältin wehrte sich gegen solch eine „Erpressung“, das sei „ungeheuerlich“, sie sei „entsetzt“ – und lehnte den Vergleich weiter ab.

Der Senat beschloss also, dass ein Urteil gesprochen wird: In einem Monat, mit einem Streitwert von 10 000 Euro. Dieses Urteil wird endgültig sein – denn dagegen können keine Rechtsmittel mehr eingelegt werden.

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