Die Tage des Rotkopfs im Lochhamer Kreisverkehr sind gezählt: Der Gemeinderat lehnte ihn ab – wie übrigens auch jede andere Gestaltung der 16 m2-Fläche. Foto: rutt

Weder Rotkopf, noch Rotbuche

Gräfelfing - Die Gräfelfinger Gemeinderäte haben sich zu keiner Lösung für die Gestaltung des Kreisverkehrs in der Lochhamer Straße durchringen können.

Rotkopf, Rotbuche oder nur Büsche? Die Gestaltung des kleinen Kreisverkehrs in der Lochhamer Straße bewegt die Gräfelfinger Gemüter seit Wochen. Nun beschloss der Gemeinderat in einer Chaos-Sitzung: Nichts. Keine der drei Varianten bekam eine Mehrheit, also bleibt der Kreisel ungestaltet.

Bürgermeisterin Uta Wüst hatte das Thema hoch gehängt - zu hoch, wie sich nun zeigte. Die vielbeworbene Bürgerbefragung über die Gestaltung des Kreisels, bei der über 5300 Stimmen eingingen, war der erste Kritikpunkt in der gemeinsamen Sitzung von Kultur- und Bauausschuss am Donnerstagabend.

„Diese Abfrage der Bevölkerung kam unvermittelt, ohne Mitsprache des Gemeinderates“, sagte Katharina Weber (Grüne) an die Adresse von Bürgermeisterin Uta Wüst. Sie sei nicht gegen Bürgerbeteiligung, doch hätte der Gemeinderat dieses Verfahren an sich sowie weitere Alternativen mitentscheiden können. Zudem habe jeder im Internet „50 mal tippen“ können. Weber: „Jetzt ist der Rotkopf mit einer Pseudo-Mehrheit vorneweg, und wir haben ein schlechtes Gefühl, wenn wir ihn nun nicht wählen.“

Auch Walter Frank (CSU) fand die Online-Abstimmung „nicht seriös“. Jedenfalls sei der Rotkopf an dieser Stelle ungeeignet und im übrigen als „Motorsägenkunst“ für 15 000 Euro überteuert. Frank: „Eine Rotbuche kostet samt Pflanzung 3000 Euro.“

Florian Ernstberger (BVGL) versuchte es einmal mehr mit einer humoristischen Note. Der Kreisverkehr sei „für die hiesigen Verkehrsteilnehmer sowieso schon anspruchsvoll“. Er beantrage deshalb, das Innere des Kreisverkehrs zum Schutz der Bürger „möglichst weich“ zu gestalten - also weder Kopf, noch Baum. Auch Jörg Scholler (FDP) hätten ein paar Büsche genügt.

Für die „Kunst im Kreis“ sprach sich unter anderem Kai Reichert (BVGL) aus. Und auch Mathias Pollok (IGG) fand dem Rotkopf „cool“ und „die Idee mit der Kunst originell“. Michael Langer (SPD) schloss sich ihm ebenso an wie Frank Sommer (Grüne), der lakonisch feststellte: „Der Rotkopf ist die einzig vernünftige Note dieses nicht wirklich geglückten Kreisels.“

Kritik kam dafür von Kathrin Fritsche, 2. Vorsitzende des Kunstkreises Gräfelfing. Der Verein habe die Umfrage allein mit dem Rotkopf als Alternative zum Baum „vorschnell“ gefunden und plädiere für wechselnde Kunst an diesem Platz. Diese Variante sei „unter den Tisch gefallen“.

Die Abstimmung gestaltete sich auch deswegen chaotisch, weil zwei Gremien nacheinander jede der Varianten bewerten mussten, wobei das letzte Wort der Bauausschuss hatte. Dieser lehnte den Baum mit 7:1 Stimmen ab, den Rotkopf mit 4:4 Stimmen (wie übrigens auch der Kulturausschuss!) und die niederschwellige Bepflanzung mit 5:3 Stimmen.

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