Weihnachten in Strickjacke statt Soutane

- Wie die Patres in Maria Eich feiern

VON MARTIN SCHULLERUS Planegg - Der Weihnachtsbaum lässt nichts zu wünschen übrig: Gerader Wuchs, üppige Zweige, duftende Kerzen aus Bienenwachs. Sechs Männer sitzen im Halbkreis und blicken in die Flammen. Die Familie ist komplett: Heiligabend bei den Augustiner-Patres von Maria Eich.

Die Geistlichen haben ihre private Feier der Geburt Christi zwischen zwei Metten gelegt. Um 17 und 22 Uhr jeweils wird Pater Wilfried den hunderten Gläubigen, die in die Wallfahrtskirche am Waldrand gekommen sind, die frohe Botschaft verkünden. Um 19 Uhr wird er die Soutane gegen eine Strickjacke getauscht haben und mit seinen Brüdern im Aufenthaltsraum sitzen.

Das ansonsten zweckmäßig eingerichtete Zimmer, in dem auch das Faxgerät des Konvents steht, wird an diesem Abend warm sein und von dem Licht erfüllt, das nur ein Weihnachtsbaum zu spenden vermag. Es wird sich von Millionen Wohnzimmern in Deutschland kaum unterscheiden. Allein das Fatschenkind in Lebensgröße, das an der Stirnwand in einem Glaskasten ruht, dürfte selten sein.

Die Patres werden sich Weihnachtsgeschichten vorlesen und singen. "Wir hoffen, es mehrstimmig zu schaffen", sagt Pater Wilfried, der Kurat. Obwohl das Kloster über ein eigenes Waldstück verfügt, stammt der Christbaum nicht aus Maria Eich. Prior Pater Alfred: "Unser Wald wird geschont." Er besteht ohnehin vor allem aus Eichen.

Die Köchin hat an diesem Abend frei, auch am ersten Feiertag. Den Heiligen Abend bestreiten die Patres kulinarisch in Eigenregie. Einer von ihnen wird eine Auswahl an Antipasti besorgen, dazu gibt es ein Gläschen Wein. Am ersten Weihnachtstag gehen die Mönche essen; der Tisch in einer Kraillinger Gaststätte ist seit Tagen reserviert.

Die Angst, die Menschen fern von Heimat und Familie vor Feiertagen empfinden, die Angst vor Einsamkeit und Sehnsucht, ist den Augustinern fremd. "Wir haben zu unseren Angehörigen zwar in der Regel guten Kontakt, sind aber aus den Familien herausgewachsen", sagt Pater Wilfried. Anfechtungen dieser Art gehören bei einem Klosterbruder in reiferem Alter der Vergangenheit an. Gleichwohl wird der Kontakt zu Eltern und Geschwistern um die Feiertage über Telefon und Post intensiviert.

Und wenn die Geistlichen auch unverdächtig sind, bei der Feier von Christi Geburt irdische Güter in den Vordergrund zu stellen - ganz ohne Geschenke geht es selbst in Maria Eich nicht ab. Wie bei einem Bettelorden zu erwarten, lassen die Augustiner-Patres dabei Pragmatismus walten. "Jeder von uns erhält aus der Gemeinschaftskasse einen runden Betrag, um sich einen kleinen Wunsch erfüllen zu können", sagt Pater Wilfried. "Früher, als ich jünger war, gab es zu Weihnachten kein Geld, sondern Geschenke. Meistens waren es Plätzchen, ein Kugelschreiber und eine Seife."

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