Blickt auf eine glanzvolle Karriere zurück: Claes-Hakan Ahnsjö im Wohnraum seines Planegger Domizils. Seit 1973 wohnt der gebürtige Schwede in Planegg. A-Foto: Sauer

Der weltberühmte Tenor Claes-Hakan Ahnsjö feiert 70. Geburtstag

Planegg - Er gastierte auf den Bühnen der Welt, er war Münchens Lieblings-Tamino und sein Name ist Opernfans für immer ins Gedächtnis eingebrannt: Claes-Hakan Ahnsjö. Am Mittwoch wird er 70.

Zu Hause ist der Stockholmer seit Jahrzehnten in Planegg. Jetzt ist für den Vater dreier Söhne und dreifachen Großvater die Zeit zum Rückblick gekommen. Mit den Besten seiner Zeit im Pathos der großen Oper schwelgen zu dürfen, Tragöden und Komödianten aus Jahrhunderten die Stimme zu leihen, Menschen aus Fleisch und Blut auf die Bühne zu zaubern - wer kann das so schnell von sich behaupten? Ahnsjös Retrospektive ist der Streifzug durch ein reiches Leben, ein Panorama von Erlebnissen und Szenen. „Bernstein? Bernstein machte nicht Musik, Bernstein war Musik“, schwärmt er. So suggestiv, dass der große amerikanische Maestro auf einen Schlag präsent ist. So, als ob der Kammersänger erst gestern mit ihm Haydns „Jahreszeiten“ aufgeführt hätte. „Bei Sawallisch fühlten wir uns als Familie“, erzählt Ahnsjö dann. Er kommt richtig in Fahrt, fährt sich durchs immer noch dichte Haar, lächelt, gestikuliert. Der Münchner Staatsoperndirektor sei wie ein Vater gewesen. „Er konnte sehr hart sein, aber wenn alles geklappt hat, dann war man der Sohn.“

Ahnsjö taucht in die Vergangenheit, redet sich bei seinem Lieblingsthema heiß, der Funktion des Dirigenten. Immens wichtig sei er für den Sänger. „Er ist der Verbindungsmann zwischen hundert Mann Orchester und der Bühne. Und er muss mit dem Sänger mitgehen.“

Gern erinnert sich Ahnsjö an die Zusammenarbeit mit Ralf Weikert. An die lange Fermate in Rossinis Cenerentola. „Je nachdem, ob man stimmlich gut drauf ist oder müde, braucht man mehr oder weniger Zeit zum Luft holen. Weikert verfolgte genau, wie lange ich die Fermate ausdehnte.“ Der Tenor konnte in Ruhe Atem schöpfen. Im Scherz habe der Dirigent währenddessen demonstrativ immer wieder einen Blick auf die Armbanduhr geworfen, erinnert sich Ahnsjö und amüsiert sich heute noch. Auf seiner CD, einem Arien-Querschnitt vom Barock zur Romantik, verführt die Tenorstimme, die auch im Pianissimo das volle Klangspektrum ausspielt, im heldischen Glanz. Emotionen bleiben keineswegs auf der Strecke. „Heute müssen Sänger cool sein und schreien“, klagt der erfahrene Profi, „Nuancen sind nicht wichtig.“

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