Bewährungsstrafen und Geldauflagen

Weltkriegswaffe bringt Rentner vor Gericht

Die vom Vater geerbte Schusswaffe hat einem Murnauer Rentner kein Glück gebracht. Der 73 Jahre alte ehemalige Bankkaufmann musste sich wegen unerlaubten Besitzes einer halbautomatischen Kurzwaffe nebst Munition vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten. Neben ihm saß seine Lebensgefährtin (73) wegen derselben Sache auf der Anklagebank. Die Kraillingerin hatte die Pistole jahrelang in ihrem Kellerabteil aufbewahrt.

Krailling –  „Die Waffe ist aus dem Ersten Weltkrieg. Mit dem Versterben meines Vaters im Jahr 1982 sind die Waffen in meinen Besitz übergegangen“, sagte der bereits achtfach vorbestrafte Angeklagte. Im Zuge von Nachbarschaftsstreitigkeiten sah der Rentner Hausdurchsuchungen auf sich zukommen und hielt es deshalb für besser, die kleine Damenpistole bei seiner Freundin in Krailling zu lagern. „1997 habe ich die Waffe zu ihr gebracht.“ Eine Gefälligkeit, die für die Frau nicht ohne Folgen blieb. Die bisher unbescholtene Mitangeklagte steckte das Kästchen mit der Waffe in die hinterste Ecke des Kellerschrankes. „Ich habe das gar nicht richtig registriert – habe mir nicht klargemacht, dass das nicht erlaubt ist“, sagte sie.

Aufgeflogen wäre die Sache vermutlich niemals, hätte der Angeklagte nicht eine zweite vom Vater vererbte Waffe einem Nachbarn geschenkt. Dieser gab die Waffe bei der Polizei ab und die Sache kam ins Rollen. Sorgen machte sich der Rentner nun vor allem angesichts einer zum Tatzeitpunkt offenen Bewährung. Im Rahmen einer Nachbarschaftsfehde hatte er sich zuletzt eine Verurteilung wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung eingehandelt. Nur zwei Monate vor Ablauf der Bewährungszeit im Februar 2018 kam es zur Hausdurchsuchung im Kraillinger Keller seiner Freundin, bei der die Kurzwaffe und 43 Patronen sichergestellt wurden.

Einen Gefängnisaufenthalt hat der 73-Jährige dennoch nicht zu befürchten. Richterin Christine Conrad setzte die von ihr verhängte zehnmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung aus und ordnete eine Geldauflage von 1200 Euro an. Die Bewährungszeit für den Rentner dauert diesmal vier Jahre. Die Mitangeklagte kam mit einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten davon. Die Rentnerin muss aber eine 1500 Euro hohe Geldauflage an den Verein Pfotenhelfer leisten. Die vom Gesetzgeber vorgesehene hohe Mindeststrafe bei Waffendelikten begründete Conrad so: „Es besteht die große Gefahr, dass so eine Waffe in die falschen Hände gerät – etwa bei einem Kellereinbruch. Dann kann das Unheil seinen Lauf nehmen.“

Nilda Höhlein

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