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Hallentennis trotz Energiekrise

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Von: Victoria Strachwitz

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Die Traglufthalle des TC Grün-Weiß Gräfelfing ist aufgebaut, seit Montag, 26. September 2022, kann dort Tennis gespielt werden.
Die Traglufthalle des TC Grün-Weiß Gräfelfing ist aufgebaut, seit Montag, 26. September, kann dort Tennis gespielt werden. © Dagmar Rutt

Diesen Winter darf im Würmtal doch mehr Tennis gespielt werden als gedacht. Seit dem Wochenende stehen zwei Traglufthallen. Die Betreiber haben genau abgewogen.

Gräfelfing/Stockdorf – Selbstverständlich wird im Würmtal auch im Winter Tennis gespielt. Oder nicht? Die Energiekrise hat einiges durcheinandergewürfelt. Der Sportverein Planegg-Krailling (SVP) entschied bereits im Juli, seine mit Erdgas beheizte Tennishalle heuer nicht aufzubauen. Diesem Beispiel folgte sogleich der Vorsitzende des TC Blau-Weiß Gräfelfing, der Tennisabteilung des TSV Gräfelfing, Hans Schumacher. Er ist überzeugt, der Verein habe eine Vorbildfunktion, zumal der TSV Gräfelfing von Gemeindezuschüssen lebe. Außerdem sei der Betrieb aufgrund der gestiegenen Energiepreise heuer unwirtschaftlich (wir berichteten).

Vorstand des TC Grün-Weiß Gräfelfing hat eine Traglufthalle aufbauen lassen

Während Blau-Weiß plant, Allwetterplätze zu bauen, müssen die Mitglieder nicht auf Tennis verzichten. Beim Nachbarn TC Grün-Weiß Gräfelfing hat sich der Vorstand jetzt für die Nutzung seiner Traglufthalle ausgesprochen. Am vergangenen Sonntag wurde sie aufgebaut. Mitglieder anderer Vereine wie Blau-Weiß dürfen die Halle mitbenutzen. Der TC Grün-Weiß ist nicht der Einzige, der gegen den Strom schwimmt. Die Tennisabteilung des TV Stockdorf errichtete am Samstag ebenfalls ihre Halle.

Da das Tennisspielen im Winter heuer aber keine Selbstverständlichkeit ist, rechtfertigt der Präsident des TC Grün-Weiß, Sven Maier, den Beschluss in einem Schreiben an die Mitglieder. Nach zwei aufeinanderfolgenden Winterspielzeiten, die teilweise signifikant vom Infektionsgeschehen beeinträchtigt gewesen seien, sei deutlich geworden, „dass Bewegungsmangel und das Rumsitzen zu Hause – nicht ganz überraschend – unseren Kindern und auch uns selbst nicht wirklich gut getan haben“. Körper und Stimmung hätten gelitten. So sei der Vorstand zu der Überzeugung gelangt: „Dass Sport in unserer Gesellschaft ein Gut ist, welches wir nicht bei den ersten ökonomischen und politischen Widerständen opfern sollten.“

Tennisabteilung des TV Stockdorf ließ ebenfalls eine Traglufthalle errichten

Maier beziffert die Kosten für das durch die Halle verbrauchte Gas im vergangenen Jahr auf rund 18 000 Euro. Aktuell hätten diese sich verdoppelt. Verdreifachen dürften sie sich noch. Weiter könne der Verein aber nicht mitgehen. „Zur Not müssen wir den Spielbetrieb stoppen“, sagt er.

Seit Montag dürfen sich die Mitglieder erst einmal an der Halle freuen, und die sieben Trainer, die im Winter im TC Grün-Weiß arbeiten, müssen nicht auf ihre Existenzgrundlage verzichten. Dass die Energiepreise drastisch gestiegen sind, treffe Grün-Weiß weniger als die benachbarten Vereine, meint Maier. Die Halle des TC Blau-Weiß ist acht Jahre alt. Die Traglufthalle des TC Grün-Weiß sei rund drei Jahre alt. „Sie repräsentiert – anders als viele Traglufthallen in unserem Umfeld – mit ihrer modernen, freischwebenden Dreifachmembran-Bauweise mit wärmedämmenden Luftkammern energetisch den neuesten Stand der Technik. Sie verbraucht einen Bruchteil der Gasmenge einer nach dem alten Stahldraht-Trägersystem errichteten Traglufthalle.“ Trotzdem werden die Temperaturen in der Halle im Vergleich zu den Vorjahren gesenkt.

18 000 Euro kostete das Gas für die Halle des TC Grün-Weiß im vergangenen Jahr

Das Stockdorfer Modell sei das gleiche wie das in Gräfelfing, erklärt der dortige Vorsitzende Rainer Weber. Nur sei jenes aus dem Jahr 2020. „Wir sind uns bewusst, dass wir aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen sorgfältig mit dem Gas umgehen müssen“, sagt er. Daher werde es heuer eventuell auch in dieser Halle kälter als gewohnt. „Wir versuchen, dass wir 20 Prozent weniger Gas brauchen als voriges Jahr.“

Die beiden Vereine versuchen, für die Freunde des Tennisspiels möglich zu machen, was geht. Jetzt kann ihnen nur noch der Gesetzgeber einen Strich durch die Rechnung machen. Schumacher hätte dann Recht behalten. Denn er glaubt: „Es wird sowieso verboten.“

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