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Entlang der Route von 1945, vorbei am Gräfelfinger Friedhof (Foto), marschierten der Verein „Gedenken im Würmtal“ und Gäste heuer bereits zum 20. Mal.

20. Gedenkzug für die Todesmärsche

Zeitzeugen und Schüler gedenken Todesmarsch

Die Begegnung der Generationen ist wesentlicher Teil der Gedenkzüge zu den Todesmärschen vom Konzentrationslager Dachau durch das Würmtal im Jahr 1945. So soll die Erinnerung lebendig bleiben.

Würmtal – „Es war fast wie ein Traum. Man saß im Kreise von Menschen, denen man Schreckliches angetan hatte, und die nun unbefangen plaudernd die Hand zur Freundschaft ausstreckten.“ Das schrieb Sigi Segl tief bewegt 1995 im Münchner Merkur nach der Begegnung des Gräfelfinger Gemeinderats mit 78 Gästen aus Israel. „Viele von ihnen waren Teilnehmer des schrecklichen Marsches durch das Würmtal in den Apriltagen des Jahres 1945.“ Auch beim 20. Gedenkmarsch in diesem Jahr konnten Friedrich Schreiber und die Bürgermeister an den Mahnmalen in den einzelnen Gemeinden des Würmtales wieder 16 Gäste aus Israel begrüßen, die zu der Gedenkwoche in Kaufering angereist waren.

Nur zwei von ihnen haben die furchtbaren Tage 1945 noch miterlebt: Yehuda Beilis konnte damals bereits in Kaufering entkommen. Max Volpert, der den ganzen Marsch mitgemacht hatte, war wie seit vielen Jahren mit seiner Familie dabei. Am Kraillinger Mahnmal stellte er sich den Fragen von Gautinger Realschülern. Zwi Katz, der durch seine Berichte in den Schulen viele Jugendliche tief bewegt hat, fehlte heuer krankheitshalber.

An den verschiedenen Stationen gedachte man in Gebeten und Schweigen auch der verstorbenen Freunde Jehuda Garai, Chaim Melech, Uri Chanoch und der unzähligen Opfer des menschenverachtenden NS-Regimes. 3. Bürgermeisterin Veronika Sanftl sprach in Krailling neben den jüdischen auch die KZ-Häftlinge anderer Gruppen wie Sinti, Roma und Gegner der Ideologie an. In Planegg begrüßte der Jugendchor von St. Elisabeth mit Thomas Schaffert und Ludwig Götz die Gäste mit hebräischen Liedern (darunter „Shalom aleichem – Friede sei Euch!“), die sie auf ihrer Chorfreizeit in den Osterferien für diese Gelegenheit einstudiert hatten. Eines davon stammt von Chana Senesz, die zwar emigrieren konnte, aber 1944 den Tod fand, als sie ihren Glaubensbrüdern in Ungarn zu Hilfe kommen wollte.

In Gebeten, gesprochen vom Vorsitzenden der Liberalen Jüdischen Gemeinde Beth Shalom, Jan Mühlstein, von Zwika Landmann, dem Schwiegersohn Melechs, und von Vertretern der Pfarrgemeinden baten Juden und Christen, als „Söhne und Töchter Abrahams“, den gemeinsamen Gott um Frieden, Vergebung, Versöhnung und Kraft und Geist zur Erneuerung. Bürgermeister Heinrich Hofmann zitierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der beim Besuch in Martinsried die Jugendlichen zum Einsatz für Menschenwürde, Freiheit und Demokratie aufgerufen hatte. „Setzen Sie ein Zeichen für Aussöhnung und Frieden!“

Dies tun die Schüler und Lehrer im Würmtal – ehemalige wie Hans-Joachim Stumpf oder Martin Schmid und immer neue – zusammen mit den Gästen aus Israel und dem „Verein für Gedenken“ seit vielen Jahren. 1982 hatte eine Schülerarbeit über das Lazarett in Gauting den Anstoß gegeben, den Bürgermeister Ekkehard Knobloch mit seiner Initiative für die Mahnmale und Kontakte mit Überlebenden des Marsches aufgriff. Seitdem haben historische Forschungen wie ein Buch von Walter Fürnrohr, eine Ausstellung bei der Waldkirche, aus der das Totengedenken am Friedhof in Gauting entstand, sowie weitere Schülerarbeiten das Werk fortgeführt. Erzählungen und Aufzeichnungen von Überlebenden lassen die Schrecken erkennen, Selektierung des „Menschenmaterials“ und Sklavenarbeit, unauslöschliche „Fotos in der Tiefe der Seele“, wie Schüler des Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasiums zitierten.

Während man mit immer müderen Füßen den Weg des Zuges durch das Würmtal nachgeht – wenn auch bei freundlicherem Wetter und ungleich besserer Kondition und Ausrüstung – spürt man vielleicht eine leise Ahnung von dem Leid und der Erschöpfung der Häftlinge, die im April 1945 mitleidslos einem unbekannten Ziel entgegengetrieben wurden. Dass dennoch Versöhnung möglich war, ist das große Wunder, wie Friedrich Schreiber, der Motor des jährlichen Gedenkzuges, dankbar sagte. Wie er denn wieder Vertrauen in das neue Deutschland fassen konnte, fragten die Gautinger Realschüler Max Volpert. „Ich sehe eure Gesichter, ihr hört mir zu und ich euch.“ Seine Familie, Kinder und Enkelkinder seien der persönliche Sieg über die Nazis. Und die Frage, ob die Begegnungen auch in der nächsten Generation fortgeführt werden sollten, beantwortete er nur mit einem überzeugten, dreifachen „Ja“.

Friederike Tschochner

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