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Hatschi! Allergiker durchleben harte Zeiten. Im Mai ist in puncto Pollenflug Hochsaison.

Pollenflug

Immer mehr Heuschnupfen-Patienten

Es kribbelt in der Nase und die Augen tränen: Allergikern machen Pollen arg zu schaffen. Arztpraxen im Würmtal registrieren heuer überdurchschnittlich viele Heuschnupfen-Patienten.

Würmtal –Der Frühsommer hat endgültig Einzug gehalten. Doch nicht jeder kann die Biergarten- und Freibadsaison unbeschwert genießen. Schuld ist der Pollenflug, der für viele mit einer verstopften Nase, juckenden Augen oder Hustenreiz einhergeht. Und obwohl die Heuschnupfen-Saison gerade erst begonnen hat, suchen schon jetzt zahlreiche Würmtaler den Arzt ihres Vertrauens auf, um die lästigen Symptome möglichst schnell loszuwerden.

„Dieses Jahr kommen überdurchschnittlich viele Patienten zu uns“, berichtet der Martinsrieder Allgemeinmediziner Prof. Dr. Jörg Schelling. Rund 20 Prozent seiner Patienten seien von einer Allergischen Rhinitis, so die medizinisch korrekte Bezeichnung für Heuschnupfen, betroffen. Wobei die Dunkelziffer deutlich höher sei. Nicht jeder würde wegen einer laufenden Nase oder Halsschmerzen zu ihm kommen. Zumal die Apotheken mittlerweile mit einem breiten Spektrum lindernder Arzneien aufwarten. Selbst Nasensprays mit Kortison sind seit Kurzem wieder frei verkäuflich.

Und doch suchen viele Patienten früher oder später einen Arzt auf. Laut Schelling macht vor allem der sogenannte Etagenwechsel vielen Menschen Angst. Dabei greifen die Beschwerden von Augen, Nase oder Rachenraum auf die unteren Atemwege über. Ein Engegefühl im Brustbereich und sogar Asthma können die Folge sein. „Eine kurzzeitige Verwendung von Kortisonsprays oder Kortisontabletten kann in solchen Fällen hilfreich sein“, so Prof. Dr. Schelling.

Zahlreiche Studien belegen, dass die Zahl der Allergiker in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Laut Schelling liegt das an einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Während die Klimaerwärmung für eine Verlagerung der Blütezeit sorgt, ist die zunehmende Umweltverschmutzung und die damit einhergehende Veränderung der Pollenoberfläche für eine verstärkte Abwehrreaktion des Körpers verantwortlich.

Ein weiterer Risikofaktor ist Ambrosia, eine importierte und hochallergene Pflanze, die erst im Spätsommer blüht. Gemeinsam mit den Pollen von Gräsern, Bäumen und Getreide sind somit beinahe ganzjährig Pollen in der Luft. Auch eine übermäßige Reinlichkeit ist laut Prof. Dr. Schelling, der die Martinsrieder Praxis gemeinsam mit seinem Bruder Jens Schelling führt, massiv allergiesteigernd. Vor allem Eltern kleiner Kinder hätten eine regelrechte Bakterienangst entwickelt.

Dabei sei das Immunsystem gerade in der ersten Lebensphase extrem lernfähig. „Eine Allergie ist immer eine Überreaktion auf Dinge, die der Körper nicht kennt.“ Aus diesem Grund dürfe ein Kind auch mal Erde essen. Und nicht jede Hand, über die ein Hund geschleckt hat, müsse sofort desinfiziert werden.

Vom „Bauernhofprinzip“ spricht Dr. med. Juri Gewitsch, Allgemeinmediziner aus Planegg. „Stadtkinder entwickeln häufiger Allergien als Kinder mit Tierkontakt“, so der Facharzt, der in seiner Praxis auch eine Allergiedesensibilisierung durchführt. Voraussetzung dafür ist die eindeutige Diagnose der Allergie. Steht fest, worauf der Patient reagiert, verabreicht Gewitsch in regelmäßigen Abständen ein Allergen, um die Verträglichkeit zu verbessern.

Die Behandlung erfolgt entweder per Spritze oder in Form von Tropfen oder Tabletten. Beide Therapien werden in der Regel drei Jahre durchgeführt. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Patient über mehrere Jahre hinweg beschwerdefrei ist. „Die Behandlung ist allerdings sehr aufwändig und kommt nur dann zum Einsatz, wenn der Leidensdruck für einen Patienten sehr groß ist“, so Dr. Gewitsch.

Doch auch für weniger stark Geplagte hat Dr. Gewitsch, der schon seit mehreren Wochen beinahe täglich Patienten mit Heuschnupfen behandelt, hilfreiche Tipps, um den Pollenflug zumindest erträglicher zu machen. Demnach sollte man die Fenster möglichst geschlossen halten und abends die Haare waschen, um die Pollen vom Kopfkissen fernzuhalten. Auf sportliche Aktivitäten im Freien sollte während einer hohen Pollenbelastung verzichtet werden. In diesem Fall leistet der Pollenflugradar gute Dienste.

Prof. Dr. Jörg Schelling verweist außerdem darauf, dass Allergien immer auch mit Stress zusammenhängen. Diesen gelte es zu reduzieren, um den Körper nicht noch zusätzlich zu belasten. „Sport und Meditation können auch bei Heuschnupfen einen guten Ausgleich schaffen.“

Karin Priehler

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