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Die Appelle an die Vernunft haben nicht gefruchtet: Die Würmtaler Cafés werden – wie hier in der Gräfefinger Bahnhofstraße – künftig leer bleiben. Es gilt eine Ausgangsbeschränkung. 

Corona-Pandemie

Ausgangsbeschränkung: Mehr Polizeistreifen im Würmtal

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An die Vernunft zu appellieren hat nicht gereicht, auch nicht im Würmtal. Jetzt gibt es eine Ausgangsbeschränkung, und die Polizei fährt vermehrt Streife, um diese durchzusetzen.

Würmtal – Am Gräfelfinger Wertstoffhof war so ein Gedränge, dass Bürgermeisterin Uta Wüst entschied, den Zugang zu limitieren. Sie führte eine Blockabfertigung ein. „Daran haben sich die Besucher Null gehalten“, erzählt sie. Also musste sie den Wertstoffhof schließen, genauso wie zuvor die anderen Würmtalgemeinden. Für wie lange ist ungewiss. „Bis auf Weiteres“, sagt Wüst. Sie wunderte sich über das Verhalten einiger Gräfelfinger, die sich in den vergangenen Tagen in der Eisdiele trafen. „Das kann doch nicht sein. Muss man denn alles schließen“, fragte sie. Freitagmittag verkündete Ministerpräsident Markus Söder dann die Ausgangsbeschränkung. „Anscheinend geht es nicht anders“, sagt Wüst. An die Vernunft zu appellieren, habe nicht funktioniert. Jetzt sind die Restaurants geschlossen, denn auch dort hielten sich nicht immer alle an die Vorgaben der vergangenen Tage.

„Fast keine Gaststätte hat die Bestuhlung geändert“, stellte der Leiter der Planegger Polizeiinspektion Thomas Sorgalla fest. Die Gäste hätten sich dann zusammengesetzt. Bei vielen Menschen auch im Würmtal sei bislang nicht angekommen, dass das Virus brandgefährlich sei, alle betreffe, und dass es auch darum gehe, andere zu schützen. „Das ist bei den Leuten nicht in den Köpfen.“ Es gebe Leute, die husteten andere absichtlich an und meinten, sie scherzten. „Diese Leute zeigen wir an, das ist eine Straftat.“

Containerdorf abgeschottet

Sorgalla wartete am Freitag noch auf genaue Anweisungen aus dem Polizeipräsidium. Aber sicher ist: Er und seine Kollegen werden nun verstärkt Streife fahren. „Wir werden die Präsenz erhöhen.“ Verstärkt kontrolliert werden muss künftig auch in Krailling. Da es in der Flüchtlingsunterkunft laut Landratsamt Starnberg mehrere Verdachtsfälle auf Corona-Infektionen gibt, wird das Containerdorf abgeschottet. Die derzeit 144 Bewohner dürfen das Gelände weder verlassen noch Besuch empfangen.

Er selbst werde künftig nicht mehr nur Montag bis Freitag im Dienst sein, sondern auch am Wochenende, sagt Sorgalla. „Es geht darum, die Bevölkerung zu schützen, auf Akzeptanz hinzuwirken und nicht mit der großen Keule auszurücken.“ Die Polizei wolle niemanden kriminalisieren. „Wir überzeugen die Leute, dass es wichtig ist, dass sie Zuhause bleiben.“ Für die, die sich bislang an die Einschränkungen gehalten hätten, werde sich nicht viel ändern, meint er. Man könne nach wie vor joggen gehen – sofern man dies alleine oder im Kreise seiner engsten Familie tue. Arbeiten solle, wer kann, im Homeoffice.

„Wir können jederzeit loslegen“

Die Rathäuser werden erst einmal weiter besetzt sein, meint die Sprecherin der Gemeinde Neuried, Inke Franzen. „Wie soll ich sonst die Wahl durchziehen, wenn nicht aus dem Rathaus“, fragt sie. Für das Publikum sei das Rathaus aber seit Anfang vergangener Woche geschlossen. In den Rathäusern würden auch die Drive-In-Schalter für die Corona-Tests organisiert. „Wir haben das Material noch nicht“, sagt Franzen. Mit medizinischem Personal hätte die Gemeindeverwaltung aber gesprochen. „Da sind einige bereit.“ Gräfelfing ist schon ein paar Schritte weiter als Neuried. „Wir können jederzeit loslegen“, sagt Wüst. Nicht nur das Zelt stünde parat. „Ich habe viele Anrufe von Helfern.“ Anästhesisten, die aktuell nichts zu tun hätten, Medizinstudenten und Tiermediziner hätten sich gemeldet. „Die nehmen wir alle auf“, erklärt Gräfelfings Bürgermeisterin. Stolz sagt sie: „Jetzt sind wir mehr Helfer als Hilfsbedürftige.“ Dieser Appell hat also gewirkt, anders als der vorangegangene, der die Menschen aufforderte, Zuhause zu bleiben. Darüber kann Wüst nur den Kopf schütteln: „Es ist nicht so viel verlangt, zuhause zu sein.“

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