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Außerhalb der Praxis-Öffnungszeiten können sich Patienten an den Bereitschaftsdienst wenden.

Medizinische Versorgung

Bereitschaftsdienst wird reformiert

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Der Ärztliche Bereitschaftsdienst wird reformiert. Künftig wird es nachts und am Wochenende weniger Praxen geben – dafür haben diese länger offen. Im Landkreis Starnberg gilt dies ab Ende des Monats, Ende Mai ist der Kreis München dran. Was bedeutet das für das Würmtal?

Würmtal– Reformen, die jubelnd begrüßt werden, sind rar. Die Änderungen, die die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) derzeit beim Bereitschaftsdienst vornimmt, bringen den Gräfelfinger Dr. Kai Reichert jedoch in Hochstimmung. „Ich bin sehr, sehr glücklich.“ Er freut sich, dass er schon bald viel Zeit haben wird. „In Stadt und Land München muss man als Arzt keinen Dienst mehr machen.“ Die Zeiten, in denen sich die Ärzte absprechen mussten, wer für welche Nacht die Bereitschaft übernimmt, sind bald vorbei.

Für die Patienten soll die Reform des Bereitschaftsdienstes keinen Nachteil bringen. Im Gegenteil. Die Unsicherheit, welcher Arzt wann Dienst habe, falle künftig weg. Die Telefonnummer 116117, über die bislang der diensthabende Arzt zu erfahren war, gibt es weiterhin – auch, um einen Arzt in Notfällen, beispielsweise bei starkem Durchfall, zu sich nach Hause zu rufen. Künftig gibt es aber feste Bereitschaftspraxen mit festen Öffnungszeiten, in denen alle Patienten ohne Voranmeldung willkommen sind.

Wer im Würmtal nicht warten kann, bis seine Arztpraxis wieder öffnet, kann künftig beispielsweise in den Bereitschaftspraxen an der Römerstraße 26 in Gilching, im Klinikum Starnberg und beim Helios Klinikum München West vorsprechen. „Der Patient darf die Bereitschaftspraxis aufsuchen, die er möchte“ – nicht nur eine der drei genannten, ist der Sprecherin der KVB, Birgit Grain, wichtig zu erwähnen. „In der Regel sind die Bereitschaftspraxen in Kliniken angesiedelt.“ So werde die Notaufnahme entlastet, beziehungsweise könnten ernsthafte Notfälle gleich entsprechend versorgt werden. „Die Dienste verteilen sich künftig auf mehr Schultern“, erklärt Grain.

Das freut Reichert. Seine Praxis habe bislang einmal die Woche nachts Dienst: „Das ist eine Belastung.“ Außer den Bereitschaftspraxen stellt die KVB auch den Hausbesuchsdienst um.

Ein Arzt, der für den Fahrdienst eingeteilt ist, bekommt künftig einen Fahrer. Und dieser hat mindestens eine medizinische Ausbildung als Sanitäter. „Es ist sicher nicht verkehrt, vor allem für Frauen, wenn es einen Fahrer gibt“, meint der Planegger Dr. Juri Gewitsch. Der Neurieder Allgemeinarzt Bastian Fischer fährt viel im Bereitschaftsdienst: „Man kommt in Wohnungen, in denen man sich nicht wohl fühlt.“ Reichert berichtet sogar von einer Messerattacke gegen ihn. So begrüßen die drei die Verstärkung im Dienst aus Sicherheitsgründen. Die Parkplatzsuche erleichtere es außerdem.

„Spannend ist, wie die Reform umgesetzt wird“, meint Fischer jedoch. Die Feinheiten der Reform, die für die Ärzte große Unterschiede machen können, sorgen im Würmtal für Ungewissheit. Wer macht künftig die Dienstpläne, was machen Fahrer und Arzt in den Zeiten, in denen sie auf neue Patienten warten – das heimische Sofa scheint keine Option mehr. „Wir Ärzte wissen eigentlich nichts“, klagt Dr. Gewitsch. „Ich wüsste ganz gerne, wie es weitergeht.“ Immerhin ist es auch im Landkreis München nicht mehr lang, bis zur Umstellung im Mai. Sein Kollege Fischer beklagt ebenfalls: „Das Hauptproblem ist, dass wenig kommuniziert wird von der KVB.“

Grain will diese Kritik nicht gelten lassen. „Es ist nicht so, dass die Ärzte nicht in Kontakt mit uns treten könnten.“ Zudem gebe es für jede Region eine Informationsveranstaltung, kurz bevor die Reform dort greife. Reichert genügt es erstmal, dass die KVB kommuniziert, dass die belastende dauernde Verfügbarkeit der Ärzte ein Ende hat. Er unterrichtet Studenten und weiß, dass viele den Bereitschaftsdienst als störend empfinden.

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