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„Hier zu arbeiten, macht mir einfach wahnsinnig viel Spaß“: FSJ-ler Benjamin Sobetzko beim Binden von Freundschaftsbändern mit (v.l..): Laura (6), Lana (6), Martin (8), Giada (10) und Ludwig (8)im Planegger Hort.

Kindertagesstätten

Männer ausdrücklich erwünscht

Würmtal  - Männliche Erzieher sind Mangelware – auch im Würmtal. Dabei genießen nicht nur Kinder den Umgang mit männlichen Bezugspersonen, auch das Kita-Team profitiert von ihnen. 

Wenn Benjamin Sobetzko über seine derzeitige Arbeit spricht, kommt er ins Schwärmen. „Hier zu arbeiten, macht mir einfach wahnsinnig viel Spaß“, erzählt der 21-jährige Gräfelfinger. Während seine Freunde für die ersten Prüfungen in BWL oder Maschinenbau an der Uni büffeln, absolviert Sobetzko derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr im Hort der Gemeinde Planegg. Gemeinsam zu Mittag essen, die Freispielzeit draußen überwachen oder bei Langeweile Freundschaftsbänder basteln – so sieht sein Arbeitsalltag aus. Die Neugier der Mädchen und Buben mit Antworten befriedigen – „es ist schön, wenn ich ihnen ein Vorbild sein kann“, berichtet der Gräfelfinger, der gleich nach seinem Abitur im Sommer 2015 am 1. September als FSJ-ler in Planegg anfing. Die soziale Arbeit in der Praxis kennenlernen, das war ihm wichtig.

Dennoch ist Benjamin Sobetzko als Mann immer noch ein Exot im Bereich der Kinderbetreuung. Nach Angaben der bundesweiten Koordinationsstelle „Männer in Kitas“ arbeiteten im Jahr 2014 nur 22 000 Männer in diesem Bereich und standen damit 477 300 weiblichen Kolleginnen gegenüber. Vor allem Bayern mit nur 1800 männlichen Fachkräften, Praktikanten und Freiwilligendienstlern zählt im Bund zu den Schlusslichtern der Studie. Wenig Gehalt, wenig Anerkennung – immer noch ist der Erzieher-Beruf bei vielen jungen, männlichen Berufsanfängern eher unbeliebt. Das kann auch Rita Strobel-Brugger bestätigen. Sie ist die Leiterin der gemeindlichen Kindertagesstätten in Planegg, auf ihrem Schreibtisch landen die Bewerbungen. „Leider haben immer noch wenige Männer Interesse an diesem Beruf“, berichtet sie. Auch wenn sich dies in den vergangenen Jahren langsam gewandelt habe.

So haben gerade zwei männliche Gymnasiasten ihr Wochenpraktikum im Gräfelfinger „Spatzennest“ absolviert. „Wir begrüßen es sehr, dass es langsam mehr Jungs gibt, die sich für diesen Beruf interessieren“, sagt Beate Kirschner, stellvertretende Leiterin im „Spatzennest“. Natürlich sei das Erzieher-Gehalt eher unattraktiv, dennoch stehe in der Arbeit mit Kindern dieser Aspekt ohnehin im Hintergrund. „Wichtig ist, dass man den Umgang mit Kindern liebt“, betont Kirschner.

Und die Kinder selbst lieben ihre männlichen Bezugspersonen sowieso. Im vergangenen Jahr konnte ein Erzieher-Anwärter die Herzen der Mädchen und Buben im „Spatzennest“ im Sturm erobern. „Die Mädchen haben ihn geliebt wie einen großen Bruder und die Jungs haben es genossen, mit ihm Fußball zu spielen“, erzählt Beate Kirschner. Er hat Gräfelfing gerade für sein zweites Ausbildungsjahr den Rücken gekehrt, doch im „Spatzennest“ würde man ihn als Berufsanfänger sofort zurücknehmen. Und auch im Caritas-Kindergarten in Krailling hat man bereits Erfahrung mit männlichen Bezugspersonen gesammelt. Seit 2013 arbeitet dort ein fest angestellter Erzieher – und der „tut den Kindern gut“, sagt Leiterin Renate Kleinmond.

Ähnlich geht es auch ihrer Kollegin Bettina Kroneck in Neuried. „Ich würde jederzeit einen männlichen Erzieher einstellen“, gibt die Leiterin des Kinderhauses am Kraillinger Weg unumwunden zu. Nicht nur für die Kinder sei eine männliche Bezugsperson „toll“, so die Erzieherin. Auch für das gesamte Team sei ein männlicher Kollege eine Bereicherung. „Das fände ich sehr erfrischend und auflockernd“, so die Leiterin des Kinderhauses. Aber in der Zusammenarbeit mit jungen Mädchen und Buben sei es natürlich ganz grundlegend, ob derjenige gut mit Kindern umgehen könne und seine Arbeit liebe. Ganz egal, ob männlich oder weiblich.

Katharina Korb-Gerum

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