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Sanitäter des Roten Kreuzes waren 1885 erstmals auf der Wiesn im Einsatz. Unser Bild zeigt eine Aufnahme aus dem Jahr 1896 vor der Ruhmeshalle mit der Bavaria.  

Sanitätswache

BRK-Bereitsschaft im Einsatz auf der Wiesn

Mitarbeiter der BRK-Bereitschaft Planegg-Krailling sind auf der Wiesn im Einsatz. Eine harte Arbeit.

Würmtal – Die Wiesn hat auch Schattenseiten. Das wissen die Helfer auf der dortigen Sanitätsstation nur allzu gut. Und doch freuen sie sich auch heuer wieder auf ihren Einsatz. Das liegt freilich nicht an den Bierleichen, Schnittwunden und Herzinfarkten, die sie sicherlich wieder versorgen müssen, sondern an den netten Kollegen. „Wir sind eine Familie“, sagt der Planegger Georg Voit. Er ist einer der Einsatzleiter des Roten Kreuzes auf der Sanitätsstation und freut sich richtig, dort wieder zwei Wochen lang alte Bekannte zu treffen.

Seit 1885 ist die Wiesnsanitätswache fest in der Hand des Roten Kreuzes. Seit 15 Jahren ist Voit (31) mit von der Partie. Als Jugendhelfer fing er mit 16 Jahren an, seit sechs Jahren ist er als Einsatzleiter dabei. Anders als die übrigen Mitglieder der BRK-Bereitschaft Planegg-Krailling ist er daher nicht nur einen Tag (Montag, 25. September) auf der Wiesn, sondern zwei Wochen lang täglich. Auch vergangene Woche war er bereits jeden Abend dort, um Vorbereitungen zu treffen. Insgesamt beschäftigt ihn die diesjährige Wiesn bereits seit Januar – ehrenamtlich, zusätzlich zu seinem Beruf.

Auf den Tag mit den Kollegen von der BRK-Bereitschaft Planegg-Krailling freut er sich ganz besonders. „Da gibt’s in der Früh Weißwürst.“ Vormittags kämen die Senioren der Bereitschaft zum Ratschen vorbei. „Da hat man auch mal Zeit, miteinander zu reden.“ Dann beginnen die Einsätze. „Und das ist schon eine riesige Verantwortung“, sagt er. Schwerverletzte brächten sie schnellstmöglich ins Krankenhaus. Bierleichen dürften vor Ort ihren Rausch ausschlafen. Doch hat jemand der betrunken wirkt, nur zu viel Alkohol getrunken? Ob einem Patienten noch mehr fehle, sei oft schwer schnell herauszubekommen. Voit lobt die professionelle medizinische Versorgung vor Ort. Was Herzinfarkte betrifft, so habe jemand der einen Infarkt auf der Wiesn erleide oft Glück, weil ihm dort möglicherweise schneller geholfen werden könne als Zuhause. „Man lernt jedes Jahr dazu“, sagt der Planegger. Und so sei die medizinische Versorgung auf der Wiesn über die Jahre eben immer professioneller geworden.

Voit hat noch den Vorgänger der heutigen rund 750 Quadratmeter großen Sanitätsstation erlebt: schwer belüftbare und beengte Container. Immerhin, die Versorgung in Zelten war vor seiner Zeit. Als das Rote Kreuz 1885 erstmals eine Sanitätswache auf der Wiesn anbot, tat sie dies mit 14 Mann und drei Tragen. Ihre Hilfsmittel waren Tücher, Verbandsrollen, Alkohol zur Desinfektion und sogenannte Handkarren („Handmaries“) zum Abtransport von Verletzten oder Erkrankten. Heute sind täglich durchschnittlich 100 ehrenamtliche Helfer des Roten Kreuzes vor Ort.

Die große Zahl von Verletzten und Erkrankten auf dem Oktoberfest und deren medizinische Versorgung sind nebenbei ein nicht zu ersetzendes Training für die Aufgaben des Münchner Roten Kreuzes im Katastrophenschutz. Die Stadt München schreibe die medizinische Versorgung auf der Wiesn immer wieder neu aus, erklärt Voit. Aber: „Seit Jahren sind wir die einzigen Bewerber.“ So viele Ehrenamtliche zu finden, ist eine Mammutaufgabe. Da hilft es, wenn die Helfer bereits zu einer Familie zusammengewachsen sind. 

Victoria Strachwitz

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