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Seit 2014 Schöffin am Amtsgericht Starnberg: Gabriele Kirchner-Pfaller aus Krailling bewirbt sich erneut.

Schöffen gesucht

Bürger als Richter: „Beitrag zu Transparenz“

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Die Würmtal-Gemeinden sind auf der Suche nach Schöffen. Für die Amtszeit ab 2019 müssen sie wieder freiwillige Bürger als ehrenamtliche Richter vorschlagen.

Würmtal – Sie sind Laien. Sie haben keine juristische Ausbildung, aber sie haben das Recht, wie ein Richter zu urteilen: Schöffen. Sie arbeiten ehrenamtlich, werden etwa fünf Mal jährlich geladen, um an der Seite eines Richters ein Strafmaß zu bestimmen und bekommen dabei tiefe Einblicke in die Leben ihnen unbekannter Menschen. Verschwiegenheit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind Pflicht. Aktuell nehmen die Gemeinden wieder Bewerbungen für das Schöffenamt an. „Wir müssen dem Amtsgericht drei Schöffen melden“, sagt beispielsweise Anette Friedrich, zuständig für das Bewerbungsverfahren in der Gemeinde Krailling. Wie viele Schöffen eine Gemeinde vorschlagen muss, hänge von ihrer Größe ab. Aber eins macht Friedrich deutlich: „Die Türen werden einem nicht eingerannt.“

Gabriele Kirchner-Pfaller aus Krailling kann das nicht nachvollziehen. Die 61-Jährige war bereits Jugendschöffin am Landgericht in München – damals wohnte sie noch in Gräfelfing – und ist seit 2014 am Amtsgericht Starnberg tätig. Ihre Bewerbung für die kommenden fünf Jahre hat sie bereits im Kraillinger Rathaus abgegeben.

„Es erweitert den Horizont“, sagt sie. „Es ist ein Beitrag zur Transparenz.“ Vor Gericht könne in Anwesenheit der Schöffen nicht gemauschelt werden. „So lange integere Leute Schöffen sind, kann das nicht passieren.“ Ob jemand für das Amt in Frage kommt, entscheidet der örtliche Gemeinderat und anschließend das zuständige Gericht.

Die Laienrichter sind mit Macht ausgestattet. Sie dürfen Zeugen und Angeklagten Fragen stellen und können gemeinsam mit dem zweiten Schöffen den hauptamtlichen Richter überstimmen, auch wenn Kirchner-Pfaller diese Möglichkeit noch nie genutzt hat. Manchmal seien Entscheidungen ganz klar, manchmal diskutierten der Richter und die beiden Schöffen vor der Urteilsverkündung – gleichberechtigt wohlgemerkt.

Drogenhandel, Betrug und Diebstahl sind die Themen mit denen sich Kirchner-Pfaller als Schöffin auseinandersetzt. Um was es bei ihrer nächsten Verhandlung im April gehen wird, erfahre sie, wie immer, erst 15 Minuten vor Verhandlungsbeginn. „Manchmal weiß man nicht, ob die Angeklagten einen belügen, aber man muss sich immer an das halten, was bewiesen ist.“ Sie hat mitzuverantworten, wenn jemand eine Freiheitsstrafe verbüßen muss. Wer die persönliche Verantwortung für eine mehrjährige Freiheitsstrafe nicht übernehmen könne, solle da Schöffenamt nicht anstreben, heißt es auf der Internetseite der Gemeinde Neuried.

Bedroht fühlte sie sich durch die Angeklagten bislang nie, sagt die Kraillingerin. „Man wird manchmal fest in den Blick genommen. Mir ist aber auch schon freundlich zugewinkt worden.“

Sie findet ihre Aufgabe interessant. „Man sieht, wie schnell man betrogen werden kann und wie naiv und leichtgläubig manche Menschen sind und wie das ausgenutzt wird.“ Und sie findet beeindruckend, wie gelassen und neutral die Richter handeln. Das sei nicht immer einfach. „Aber wenn man impulsiv wäre, wäre man kein Richter und kein Schöffe.“

Für ihre Stunden vor Gericht bekomme sie eine Entschädigung für den Verdienstausfall. „Der Arbeitgeber muss einem freigeben.“ In ihrem Fall, sagt die Assistentin der Geschäftsführung eines mittelständischen Unternehmens, sei das nie ein Problem gewesen. Gabriele Kirchner-Pfaller war durch einen Zeitungsbericht auf das Schöffenamt aufmerksam geworden. Heute lädt sie zur Bewerbung ein: „Seitdem ich das mache, ist mein Vertrauen in die Justiz bestärkt worden.“

Kraillinger, die am 1. Januar 2019 mindestens 25 und nicht älter als 69 Jahre alt sind, können ihre Bewerbung bis Donnerstag, 15. März, im Rathaus abgeben, Neurieder bis Mittwoch, 14. März. In Planegg haben Bürger bis Freitag, 16. März, Zeit, sich zu bewerben, in Gräfelfing bis Donnerstag, 5. April.

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