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Das Carsharing-Unternehmen „Car2Go“ schließt das Würmtal bislang in seinem Netzwerk komplett aus.

Studie: Leihautos günstiger

Carsharing kommt im Würmtal zu kurz

Carsharing nutzen ist nicht teuer – teils sogar günstiger, als ein eigenes Fahrzeug parat zu halten. Das Problem: Das Würmtal ignorieren die Anbieter zumeist.

Würmtal– Auf der Straße mobil bleiben, dennoch aber auf ein eigenes Auto verzichten, dies funktioniert mit „Carsharing“, also mit wörtlich „untereinander geteilten Autos“. Einige Anbieter der Leih-Services bieten ihre Dienste auch im Würmtal an. Eine Studie zeigt jetzt: Das Borgen von Autos, obwohl kostenpflichtig, kommt oft deutlich billiger als der Eigenbesitz eines Fahrzeugs. Der einsparbare Betrag fällt bei größeren Automodellen meist noch deutlicher aus.

Die am Münchner Ostbahnhof ansässige Firma „Cuponation“, die sich als Sparberater versteht, hat drei Nutzerprofile verglichen: Den „mobilen Großstädter“, der vor allem zum Einkaufen, zum Sport oder ins Kino fährt, zweitens den Wochenendausflügler, drittens den klassischen Pendler .

Überraschendes Studienergebnis: Carsharing ist günstiger

Ergebnis: Der gelegentliche Stadtfahrer erreicht beim Carsharing mit einem Kleinfahrzeug etwa 60 Euro Ersparnis pro Monat, bei einem kompakten Mercedes- oder BMW-Modell spart er durch Ausleihen sogar rund 200 Euro. Bei einem Ausflügler werden die Möglichkeiten zur Kostenreduktion etwas geringer, reichen aber immer noch von 43 bis 137 Euro – mit Ausnahme eines Smart, der hier gleich teuer abschneidet wie der Eigenbesitz.

Ein Auto selbst zu besitzen, lohnt sich bloß noch für die quasi täglichen Nutzer, die Pendler: Sie würden laut „Cuponation“ mit Carsharing etwa 85 bis 250 Euro pro Monat teurer abschneiden, abhängig von Fahrzeugmodell und Mietanbieter.

Das Würmtal schaut bisweilen in die Röhre

Doch das Würmtal liegt bei vielen Mietanbietern genau außerhalb des Saumes des Geschäftsgebiets. „Car2Go“ erfasst die zentralen Straßen von Pasing und Laim, klammert aber bereits Hadern und die Blumenau aus – Würmtal: Fehlanzeige. „DriveNow“ hat ein ähnliches Kerngebiet, dazu aber einige externe „Inseln“. Diese erfassen die Forschungs-Campusse in Garching und in Martinsried, aber auch das wirtschaftlich florierende Unterföhring.

Genau hierüber ärgern sich einige Gräfelfinger, die ihr Gewerbegebiet für ähnlich nachfragekräftig halten. Der Ausschuss für überörtliche Angelegenheiten und Umweltfragen beschloss Anfang Februar einstimmig, auf „DriveNow“ zuzugehen, damit dieses ein weiteres „Ableger-Gebiet“ zulässt.

„StattAuto“ - Es gibt erste Ansätze im Würmtal

Während bei „Car2Go“ und „DriveNow“ im zugelassenen Gebiet frei geparkt werden darf – hier werden die nächsten Fahrzeuge mittels Handy-Ortung im Internet und am Smartphone angezeigt, – setzt „StattAuto“ auf verpflichtende Sammelplätze, an denen die Autos zu finden sind und wo sie wieder abgestellt werden müssen. Dieses seit 1992 bestehende Konzept bezieht das Würmtal mit ein: Zwei „Stationen“ gibt es jeweils in Gauting und in Gräfelfing, eine in Planegg. Auch Starnberg, Germering und Fürstenried-West sind erfasst. Allerdings fehlen Stockdorf, Krailling, die KIM und das Zentrum Neurieds.

Wegen des Prinzips fester Parkplätze ist „StattAuto“ auf die Kooperation von Partnern angewiesen, welche Parkraum zur Verfügung stellen – oft tun dies Firmen, die selber zum Nutzerkreis von „StattAuto“ gehören wollen. Ein dichteres Stationsnetz im Würmtal wäre prinzipiell möglich, denn laut Angaben gibt es eine wachsende Teilnehmerzahl. Daher sind Tipps für geeignete Stellflächen willkommen.

Doch „StattAuto“ musste zuletzt einen Rückschlag hinnehmen. Das Finanzamt entzog dem Unternehmen den Status der Gemeinnützigkeit. Dies führt – aufgrund des damit einhergehenden Anstiegs der Mehrwertsteuer von sieben auf 19 Prozent – zu höheren Preisen. Das habe jedoch keine Auswirkungen auf das bestehende oder geplante Angebot im Würmtal, teilte das Unternehmen mit. „Wir müssen keine Erweiterungen oder Kooperationen zurückstellen.“

Breitet sich das Mietauto-Netz ins Münchner Umland aus?

So unterschiedlich wie die Abstell-Philosophie sind auch die Preis-Konzepte der Carsharing-Anbieter. Während man bei „StattAuto“ eine Kaution von 250 bis 500 Euro hinterlegen muss (hinzu kommen Anmeldegebühren), belassen es „DriveNow“ und „Car2Go“ bei der Registrierungsgebühr. Hier allerdings wird minutengenau abgerechnet – wer im Stau steht, hat Pech. „StattAuto“ bietet zudem größere Varianten im Fuhrpark.

Noch steht die Ausweitung des Nutzungsgebietes der „Minutenflitzer“ ins Würmtaler Kerngebiet in den Sternen. Immerhin bei „DriveNow“ wurde versichert, dass die „Randzonen des Geschäftsbereiches“ ständig auf Potenzial überprüft würden – der Ausgang dieser Prüfung ist freilich offen.

Andreas Bretting

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