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Zieht Kaufwillige aus der ganzen Region an: das Würmtal-Center in Martinsried.

Einkaufen im Würmtal

Digitaler Schatz will gehoben werden

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Die Würmtaler shoppen gerne online. Gut ein Viertel der Einkäufe ohne Lebensmittel tätigen sie im Internet. Dass die Händler vor Ort nicht davon profitieren, liegt an deren Zögerlichkeit. 58 von 141 Gewerbetreibenden geben an, im Onlinehandel gar nicht präsent zu sein.

Würmtal– Die fünf Würmtal-Gemeinden Gräfelfing, Planegg, Neuried, Krailling und Gauting haben es sich auf die Fahnen geschrieben, den lokalen Einzelhandel im Internet-Zeitalter zu stärken. Ihr Ziel ist eine „Digitale Einkaufsregion Würmtal“, eine gemeinsame Internet-Plattform für regionalen Handel, Gastronomie und Dienstleister. Finanziert wird das Projekt von der in München ansässigen Rid Stiftung. Die fachliche Betreuung liegt bei der Unternehmensberatung elaboratum GmbH. Ein erster Schritt war eine Umfrage unter Gewerbetreibenden und Bürgern, deren Ergebnisse Planeggs Wirtschaftsförderin Bärbel Zeller jetzt im Gemeinderat vorstellte.

„Wir sind eine Ausnahmeregion. Wir haben eine sehr niedrige Arbeitslosenquote und unser Kaufkraftindex liegt ein Drittel über dem Bundesdurchschnitt“, so Zeller. Nehme man das Würmtal als einen Makrostandort, so Zeller, „sieht man, was für ein Schatz hier liegt“. Der Einzelhandelsumsatz sei mit 334,8 Millionen Euro jährlich deutlich größer als der Starnbergs (179,1) und Germerings (202,9).

Eine führende Position im Würmtal kommt Planegg zu, dessen Betriebe 47 Prozent mehr Umsatz erwirtschaften, als von der Kaufkraft der Bürger her zu erwarten sein dürfte. Zeller: „Wir ziehen aus dem Würmtal die meiste Kaufkraft an.“ Das sei der Bahnhofstraße, aber auch dem Würmtal-Center in Martinsried geschuldet. Am schlechtesten schneidet Gauting ab, wo die Kaufkraft-Bindungsquote bei 47 Prozent liegt.

Im September waren Bürger und Gewerbetreibende aufgerufen, an einer Umfrage teilzunehmen. 1408 der insgesamt über 60 000 Würmtaler und 141 Unternehmen machten mit. Bei 84 Prozent der Gewerbetreibenden handelte es sich um kleinere Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern. 50 Betriebe erwirtschaften bis zu 20 Prozent ihres Umsatzes im Internet, 58 sind dort gar nicht vertreten. 72 Prozent sind mit ihrer eigenen Website zufrieden, acht Prozent besitzen keine. Elf Prozent schätzen ihren eigenen Online-Shop, der bei 65 Prozent fehlt. Die digitalen Möglichkeiten seien noch nicht ausgeschöpft. „Da besteht Handlungs- und Schulungsbedarf“, so Zeller. „Man könnte meinen, dass im Würmtal Unternehmen tätig sind, die moderner gestrickt sind. Das ist nicht der Fall.“

Auch die Nutzung diverser Medien lasse sich optimieren. 23 Prozent nutzen mit dem „Google MyBusiness Account“ die kostenlose Möglichkeit, sich selbst bei Google-Suchen besser darzustellen. Zeller: „Elaboratum sagt, da müssen wir auf 100 Prozent kommen.“ Informationen zum eigenen Unternehmen, ein Stellenmarkt fürs Würmtal und eine Darstellung des Produktangebots sind den Gewerbetreibenden bei einem Online-Portal fürs Würmtal besonders wichtig. Und sie sind auch bereit, sich finanziell einzubringen.

Von den 1408 Bürgern, die die Fragen beantworteten, waren 30 Prozent zwischen 15 und 49 Jahre alt. Mit 27 Prozent ist die Gruppe der über 70-Jährigen am stärksten vertreten. Durch alle Altersgruppen ist das Bestellen im Online-Handel verbreitet. 28 Prozent der Non-Food-Einkäufe laufen übers Internet, bei den über 60-Jährigen noch über 15 Prozent.

Von einem Würmtaler Online-Portal haben die Kunden andere Erwartungen als die Gewerbetreibenden: 81 Prozent ist ein Veranstaltungskalender für die Region besonders wichtig, mehr noch als Informationen zu Geschäften, Gastronomie und Dienstleistern (79 Prozent). 67 Prozent möchten mit regionalen Nachrichten versorgt werden.

Im Augenblick ist das gemeindeübergreifende Gremium, das sich um die Verwirklichung der Würmtal-Plattform kümmert, dabei, auf Basis der Untersuchungsergebnisse Angebote bei Website-Anbietern einzuholen. Die Plattform soll voraussichtlich im dritten Quartal 2019 online gehen.

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