Pfarrei St. Elisabeth

Ein Messkelch aus dem Gefangenenlager

In der Planegger Pfarrei wurden mehrere liturgische Geräte abgegeben. Sie stammen aus einem Gefangenenlager. 

Würmtal– In der Christmette 2019 benutzte und zeigte Pfarrer Johannes von Bonhorst stolz ganz eigenartige liturgische Geräte: zwei winzige Kännchen für Wein und Wasser, dunkel und unauffällig, einen kleinen Messkelch, nicht vergoldet, wie sonst üblich, sondern aus einfachem Metall gehämmert. Sie stammen, wie er erzählte, aus dem Nachlass des Geistlichen Alfred Trischberger, der seinen Ruhestand in Krailling verbrachte. Manche erinnern sich vielleicht an den freundlichen älteren Herrn, der in Maria Eich zelebrierte und hie und da auch in der Pfarrei St. Elisabeth aushalf.

In Freising zum Priester geweiht

Was hat es mit diesen Geräten für eine Bewandtnis? Nachforschungen bei Trischbergers Verwandten und im Diözesanarchiv ergaben folgende Geschichte. Alfred Trischberger, geboren 1904 in Gars, stammte aus einer kinderreichen Uhrmachersfamilie. Nach Lateinschule und Priesterseminar – das Reifezeugnis lobt sein „bescheidenes, wohlgesittetes Betragen“ – wurde er 1930 in Freising zusammen mit 29 anderen Kandidaten zum Priester geweiht. In dem Kurs waren unter andern auch Johann Neumair, später Kaplan in St. Stefan, und Karl Schuster, der 1948 die Planegger Pfarrei St. Elisabeth übertragen bekam. Der Personalakt im Diözesanarchiv informiert ausführlich über seine Ausbildung, Kaplanstellen und Zeugnisse. 1930 bescheinigt man ihm: „… sehr verlässig, eignet sich als Katechet in besonderer Weise.“ Das bestimmte wohl dann seine spätere Berufslaufbahn. Vorerst erreicht ihn 1941 seine Einberufung zum aktiven Wehrdienst als Sanitäter. Dann klafft in den Akten eine große zeitliche Lücke. Erst 1950 ersucht er in einem Schreiben um Verlängerung seiner „Cura“ (die Genehmigung zu Seelsorge und Beichtabnahme), welche 1943 im „aktiven Wehrdienst“ erloschen war.

Ein Verschollener kehrt zurück

Für die sieben Jahre dazwischen gibt es keine Dokumente. Gerade diese stehen aber in Beziehung zu der erwähnten Messgarnitur. Seine betagten Nichten, die diese der Pfarrei übergeben haben, wissen viel über den verehrten Onkel zu erzählen. Über die große Freude, wie der Verschollene 1949 an Weihnachten aus russischer Kriegsgefangenschaft zu seinen Schwestern nach Krailling zurückgekehrt war. Den Kelch hatte er als Andenken an die schwere Zeit mitgebracht. Die Gefäße waren im Gefangenenlager in mühevoller Arbeit gehämmert worden – wohl aus Metallabfällen, vielleicht von Patronen und Granaten? So war es ihm möglich gewesen, auch dort täglich eine Heilige Messe zu feiern. Stolz zeigen sie auch die Fotos von der feierlichen Primiz, den Neupriester, der seinen kleinen Nichten den Primizsegen spendet. Und sie berichten schmunzelnd, wie er in seiner Pensionistenzeit als guter Babysitter seinen Großneffen im Heuwagerl in Kraillings „New Hollywood“ von Baustelle zu Baustelle der neuen Villen dort kutschierte.

Vom September 1950 ab leistete er Schuldienst im Klenze-Gymnasium in München, beginnend mit acht Wochenstunden und dem großartigen Verdienst von 150 D-Mark für die Jahreswochenstunde, bis er 1967 – zum Gymnasialprofessor aufgerückt – in den Ruhestand versetzt wurde. Auch während seiner Tätigkeit dort hielt er Kontakt zur Pfarrei. Ein Kollege aus dem Predigtkurs von 1935, Karl Weinzierl, wirkte als Kurat im Waldsanatorium. Auch wurde seine Unterstützung für Pfarrer Karl Schuster erbeten, dessen Gesundheit durch Verfolgung und Haft in der NS-Zeit schwer beeinträchtigt war. In der Zeit von dessen Nachfolger Pfarrer Franz Oßner orientierte er sich mehr nach Maria Eich. Am 24. Februar 1972 starb Alfred Trischberger und wurde nach einem Requiem in der Gnadenkapelle am Kraillinger Friedhof beerdigt.

Friederike Tschochner

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